19. September 2017

Fahrbericht 69 verschiedene Kombinationen des Nutzfahrzeugs VW Crafter: Den Mount Everest ausgetrickst

VW vergrößert das Einsatzgebiet des Crafter
VW vergrößert das Einsatzgebiet des Crafter © VW

Die Nutzfahrzeugsparte von Volkswagen hat dem Crafter neue Derivate zukommen lassen. Der im vergangenen Jahr zum Van of the Year gewählte Transporter wird beim Angebot trotzdem weiter nachlegen.




Von Thomas Flehmer

Ein Nutzfahrzeug allein reicht nicht. Wichtig in diesem Bereich sind die Derivate und verschiedenen Aufbauten, um die Möglichkeiten des Lastesels zu erhöhen, sei es als Kasten, Kipper oder gar Personentransporter - mit Single- oder Double-Cab und drei verschiedenen Längen zwischen 5,90 und 7,40 Metern.

Die Nutzfahrzeugsparte von Volkswagen hat dem vor einem Jahr neu in den Markt eingeführten Crafter, der schon vor dem Marktstart zum Van of the Year gekrönt wurde, weitere neue Möglichkeiten folgen lassen. Nicht nur die Aufbauten wurden für einen größeren Kundenkreis ausgebaut, auch die Antriebe wurden vielfältiger gestaltet - insgesamt 69 verschiedene Kombinationen sind nun verfügbar.


Bis zu 5,5 Tonnen Gesamtgewicht möglich

So kann der Crafter mit Front-, Heck- oder dem konzerneigenen Allradantrieb 4Motion bestückt werden - je nach Einsatzgebiet des 3,5 Tonners. Der Vorteil des Fronttrieblers liegt dabei besonders im Bestücken des Kastenwagens, dessen Ladekante um zehn Zentimeter niedriger liegt als bei einem Hecktriebler. Nach Berechnungen der Nutzfahrzeugexperten aus Hannover sparen sich Fahrer und Beifahrer bei rund 200 Ein- und Ausstiegen pro Tag und das an 220 Arbeitstagen im Jahr eine Strecke so hoch wie der Mount Everest.

Der Hecktriebler mit Zwillingsreifen avanciert dafür zum absoluten Lastenesel. Bis zu 5,5 Tonnen kann das zulässige Gesamtgewicht betragen ohne dass es Ärger mit den Ordnungshütern gibt. Die Fahrzeuge mit Allradantrieb kommen besonders bei unwegsamen Strecken oder in Bergregionen zum Einsatz.

Fahrassistenzsysteme und Konnektivität im Crafter

Das Cockpit des Crafter trägt die VW-DNA
Das Cockpit des Crafter trägt die VW-DNA © VW

Gleich bleibt bei allen Varianten das Cockpit, das deutlich die VW-DNA trägt. Hier ist alles gut ablesbar und wer VW kennt, der findet sich auch im Crafter schnell zurecht. Die im Innenraum verwendete Hartplastik gibt die kernigen Gene des Nutzfahrzeugs vor, auch wenn die Sitze ebenso konturiert sind wie bei den Pkw aus Wolfsburg.

Ansonsten ist der Crafter schon als Lastesel erkennbar. Spätestens dann, wenn der Motor des 103 kW/140 PS starken TDI mit zwei Litern Hubraum sein Tagwerk beginnt. Der Diesel nagelt schon recht deutlich, die Geräusche dringen ungedämmter in die Kabine als bei den Personenkraftwagen. Und auch die Türen geben beim Zuschlagen blecherne Geräusche von sich. Der Crafter ist halt kein Pkw, sondern ein Nutzfahrzeug – allerdings ohne das schmuddelige Image vergangener Tage. Dafür ist die Moderne zu stark eingezogen. Fahrassistenzsysteme machen den Crafter sicherer und verhindern Beulen oder gar schlimmere Folgen, sodass sich die 2500 Euro Aufpreis für den adaptiven Tempomaten, den Anhänger- und Einparkassistenten für den Fuhrparkmanager rechnen könnten.

Der VW Crafter ist auch mit Pritsche unterwegs
Der VW Crafter ist auch mit Pritsche unterwegs © AG/Flehmer

Hinzu kommen auch neue Infotainment- und Navigationssysteme, die über Apps auch mit dem Smartphone oder dem Tablet verbunden werden können, um Kalendereinträge oder Adressen stets parat zu haben. Zudem können über eine Flottenmanagement-Schnittstelle können alle gängigen Telematiklösungen integriert werden. Die Auslieferungen können dadurch vereinfacht oder auch Leerfahrten vermieden werden.

Während der 140 PS starke Diesel noch recht deutlich vernehmbar ist, gibt sich der identische Motor mit 37 Pferden mehr deutlich leiser. Auch die Beschleunigung fällt etwas kräftiger aus. Dass gerade die Topmotorisierung dem Ökogedanken zum Opfer fällt, ist allerdings weniger schön. Ford hatte vor Jahren damit angefangen, die Leistung des Transit auf 115 km/h zu drosseln, um zu weniger zu verbrauchen und zu emittieren. VW Nutzfahrzeuge fängt den 2.0 TDI mit 130 kW/177 PS bei 120 km/h ein. Überholvorgänge auf Autobahnen gelingen dann fast nur noch bei Lastkraftwagen, bei langsam fahrenden Pkw ist der Crafter-Fahrer darauf angewiesen, dass der rechts haltende Kleinwagen nicht auf ein Elefantenrennen aus ist und so den nachfolgenden Verkehr einbremst.

Elektro-Crafter und Kombi folgen 2018

Ähnliche Erfahrungen werden die Fahrer des Elektro-Crafter machen. Anfang des kommenden Jahres sollen die ersten 200 rein elektrischen Lieferfahrzeuge auf den Markt kommen. Im dritten Quartal folgt dann die Kombi-Variante, denn auch im Personentransport will der Crafter, der seit der neuen Generation in Eigenregie abseits des Mercedes Sprinter gebaut wird, punkten.

Die Preise für den Basis-Crafter mit 102 PS beginnen bei 33.815 Euro, 28.416 Euro netto. Die Variante mit 140 PS kostet mindestens 36.314 Euro brutto, 30.516 Euro netto. Der Topdiesel startet bei 37.985 Euro brutto, eine Achtgang-Automatik schlägt mit rund 2500 Euro zu Buche. Und natürlich gibt es auch beim Crafter weitere Angebote, um den Preis weiter in die Höhe zu treiben. Das haben die Nutzfahrzeuge mit den Pkw gemein.






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