26. Juni 2013

Fahrbericht Ein Hauch von Offroad Volvo V40 Cross Country: Sympathischer Blender

Der Volvo V40 Cross Country macht eine gute Figur.
Der Volvo V40 Cross Country macht eine gute Figur. © AG/Mertens

Der Volvo V40 Cross Country vermittelt einen Hauch von Offroad-Feeling. Doch Allradantrieb gibt es für das Kompaktklassemodell nur für zwei Benziner, Dieselfahrer müssen darauf verzichten. Aber das ist verschmerzbar.




Von Frank Mertens

Der Volvo V40 Cross Country weckt Erwartungen, die er nur bedingt halten kann. Denn der Name ist beim Kompaktklassemodell der Schweden nicht vollends Programm. Denn wer wegen des Zusatzes Cross Country im Modellnamen erwartet, dass der V40 über die gesamte Modellpalette hinweg auch über Allradantrieb verfügt, wird enttäuscht. Zwar ist das Fahrwerk im Vergleich zum herkömmlichen V40 etwas höher gelegt, zudem verfügt er auch über einen Unterfahrschutz, doch einen Allradantrieb findet man in der Ausstattungsliste nur für zwei Benzinmotoren, den T4 mit 180 PS und T5 mit 254 PS. Also ist der Schwede ein Blender?

Nein, ist er nicht. Er macht wie viele andere Modelle im Segment auf Lifestyle. Er will Kunden ansprechen, die zwar in einem Auto unterwegs sein wollen, das von außen Offroad-Feeling vermittelt, denen es aber egal ist, ob er nun über einen Allradantrieb verfügt oder nicht. Für sie ist der Cross Country eine gute Wahl. Hier können sie nicht nur etwas höher sitzen als in einem herkömmlichen V40. Das erleichtert einem nicht nur den Einstieg, sondern ermöglicht auch eine etwas bessere Sicht auf den vor einem liegenden Verkehr. Das ist ein Aspekt, den mittlerweile immer mehr Kunden zu schätzen wissen. Er ist zugleich ein wichtiger Grund dafür, weshalb das Segment der kompakten SUVs weiter wächst.


Lifestyle als Kaufargument

Davon dürfte auch der Cross Country mit Blick auf den Zuspruch der Kunden profitieren. Auf ihn, so erwarten die Schweden, soll rund ein Viertel des Gesamtabsatzes der V40-Baureihe entfallen. Das ist für ein solches Modell nicht schlecht, vor allem in Zeiten der Absatzkrise, in der die Hersteller mit lifestyleorientierten Modellen wie dem Cross Country versuchen, die zahlungskräftige Klientel anzusprechen.

Das Cockpit des Volvo V40
Das Cockpit des Volvo V40 © AG/Mertens

Und zahlungskräftig muss man auch sein, um den Cross Country sein eigen nennen zu können. So beginnt der Einstiegspreis in die Baureihe mit dem D2 bei selbstbewussten 26.780 Euro. Doch damit ist es natürlich nicht getan. Denn Volvo lässt sich seinen Premiumanspruch auch bezahlen.

So steht unser Testwagen D4 in der Ausstattungsvariante Summun und seinen Sonderausstattungen wie beispielsweise der Sechsgang-Automatik mit Geartronic (1800 Euro), dem Fahrassistenz-Paket Pro (1980 Euro), Panorama-Glasdach (1150 Euro), elektrisch einstellbaren Fahrer- und Beifahrersitzen (1250) und dem Notrufsystem Volvo on Call mit 51.815 Euro in der LIste. Bei diesem Preis muss man erst einmal schlucken und sich vor Augen führen, dass es halt schon immer etwas teurer war, einen besonderen Geschmack zu haben.

Premiumanspruch wird erfüllt

Wer so viel Geld für ein Auto ausgibt, der kann auch einiges erwarten – und er bekommt es auch geboten, immerhin. Volvo hat einen Premiumanspruch – und bietet ihn seinen Kunden auch. Wer im Volvo V40 Platz nimmt, der fühlt sich angesichts der guten Qualitätsanmutung sofort wohl. Die Ledersitze mit den braunen Ziernähten sehen nicht nur gut aus, auf ihnen sitzt man auch ausgesprochen bequem. Das Cockpit im V40 ist aufgeräumt, klar abzulesen und die Instrumente intuitiv zu bedienen. So muss es sein.

Wer mag, kann sich seinen Cross Country auch mit TV ordern. Das Digital TV schlägt dann indes mit 990 Euro zu Buche, bietet dafür aber eine wirklich gute Wiedergabequalität. Klar, das ist ein Feature, dass man nicht wirklich braucht, aber durchaus nett ist. Ohnehin sind es die kleinen Details, die bei diesem Volvo einen positiven Eindruck hinterlassen, wie die im Rücksitz verborgene Getränkehalterung, die sich mit einem kleinen Zug an der Schlaufe herausklappen lassen.

Ein Auto überzeugt halt mit der Summe aller Kleinigkeiten. Dazu gehört auch, dass im Fond dieses Kompaktwagens auch Erwachsene jenseits der 1,80 Meter recht bequem Platz nehmen können, ohne sich beim Einstiegen in gymnastischen Übungen versteigen zu müssen. Dafür muss man sich mit Blick auf das Kofferraumvolumen etwas bescheiden: 335 Liter sind nicht schlecht, aber andere bieten im Kompaktklassesegment deutlich mehr. Aber sei es drum. Wer ein Auto mit mehr Platz sucht, der dürfte sich ohnehin für den V60 entscheiden, wenn er denn einen Volvo fahren möchte.

Ausreichende Leistung des Fünfzylinders

Das Heck des Volvo V40 Cross Country
Das Heck des Volvo V40 Cross Country © AG/Mertens

Doch kommen wir zu den Fahrleistungen des 1611 Kilogramm schweren Premiumkompakten, der mit einem 177 PS starken Reihenfünfzylinder unterwegs ist. Sie sind so, dass man nichts vermisst. Das maximale Drehmoment von 400 Nm ist eine Ansage und liegt zwischen 1750 bis 3500 Touren an. Wer schnell und kraftvoll vorankommen will, wird mit dieser Motorisierung bestens bedient. Wer indes zu vehement das Gaspedal betätigt, merkt zunächst ein leichtes Zerren an der Vorderachse, doch das verschwindet ebenso schnell wie es aufgetaucht ist. Die Lenkung des V40 ist so abgestimmt, dass sie dem Fahrer eine direkte Rückmeldung zur Straße vermittelt, so muss es bei einem Auto mit dieser Leistung sein. Wer auf Sportlichkeit Wert legt, der kann diesen Hang im V40 ausleben. In 8,3 Sekunden sprintet er auf Tempo 100, die Spitzengeschwindigkeit ist bei 210 km/h erreicht. Wer in diesem Tempo auf der Autobahn unterwegs ist, freut sich über weiterhin angenehme Innengeräusche.

Da das Fahrwerk des V40 auf eine dynamische Fahrweise abgestimmt ist, ist seine Abstimmung straff ausgefallen. Sie ermöglicht zwar eine sportliche Gangart in Kurven, bei denen der Volvo einen souveränen Eindruck hinterlässt, doch auf der Autobahn spürt man deshalb Querfugen um so mehr. Doch keine Angst, das ist verkraftbar. Die Sechsgangautomatik des V40 gibt auch keinen Anlass zur Kritik, auch wenn man phasenweise den Eindruck hat, dass sie bei Gangwechsel doch etwas harmonischer reagieren könnte.

Zwar kann der V40 den in Aussicht gestellten Durchschnittsverbrauch von 5,2 Litern nicht einhalten, doch die von uns ermittelten 7,1 Liter gehen für ein Auto mit dieser Leistung vollkommen in Ordnung. Doch wer als Dieselfahrer nach der Kraft der vier Räder verlangt, wird halt enttäuscht. Doch allzu beliebt ist Allrad in diesem Segment ohnehin nicht. Volvo selbst geht davon aus, dass sich die Nachfrage danach beim Cross Country im niedrigen einstelligen Prozentbereich bewegt. Das Fehlen des Allradantriebes mag den ein oder anderen Diesel-Kunden enttäuschen, aber den guten Gesamteindruck des V40 kann das nicht schmälern. Wenn nur der horrende Preis nicht wäre, dann wäre der V40 Cross Country eine Empfehlung ohne Wenn und Aber.






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