5. September 2016

Fahrbericht Zwei neue Sportmodelle Volvo S60 Polestar: Performance made in Sweden

Volvo bringt den S60 und V60 als Polestar-Modelle. Fotos ▶
Volvo bringt den S60 und V60 als Polestar-Modelle. © Volvo

Volvo zeigt seine sportliche Seite – und bietet ab sofort den V60 und den S60 als Polestar-Modelle an. Was die Limousine mit seinem 367 PS starken Vierzylindermotor zu bieten hat, zeigt unser Test.




Von Frank Mertens

Wer als Premiumhersteller etwas auf sich hält, der verfügt auch über eine eigene Performance-Marke. Bei BMW ist es die M-GmbH, bei Audi die Quattro GmbH und bei Mercedes ist es AMG. Nun verfügt auch Volvo über seine eigene Tuningschmiede Polestar und schickt ab sofort mit dem S60 und dem Kombi V60 zwei Modelle zu Preisen von 68.000 Euro beziehungsweise 69.900 Euro in 47 Ländern weltweit auf den Markt.

Doch von den Absatzerfolgen einer Marke wie Mercedes-AMG ist Polestar noch weit entfernt. So konnte AMG im Vorjahr seinen Absatz um fast 45 Prozent auf rund 69.000 Fahrzeuge steigern. Niels Möller, der Chief Operating Officer von Polestar, erwartet für dieses Jahr einen weltweiten Absatz von 1500 Polestar Fahrzeugen, davon sollen 10 Prozent auf Deutschland entfallen. Angesichts dieser homöopathischen Zahlen besteht für die Sportmarke der Schweden noch viel Luft nach oben.


Seit 2015 gehört Polestar zu Volvo

Doch zur Einordnung dieser Zahlen gehört auch der Hinweis, dass die Partnerschaft zwischen Volvo und Polestar zwar bereits seit 20 Jahren besteht, Polestar aber erst seit dem vergangenen Jahr eine 100-prozentige Tochter des schwedischen Autobauers ist und anfänglich nur im Motorsport aktiv war. Erst ab 2009 bot Polestar Performance-Optimierungen für Serienfahrzeuge an. Seither haben 100.000 Fahrzeuge weltweit ein Software-Update erhalten – und damit ein deutliches Plus an mehr Leistung.

Blick aufs Cockpit
Blick aufs Cockpit © Volvo

In diesem Jahr haben sich bislang 22.000 Kunden für eine solches Software-Update entschieden, wie Möller berichtet. Doch beim V60 und dem von uns gefahrenem S60 hat es Polestar nicht beim Aufspielen eines „einfachen“ Software-Updates belassen, sondern das komplette Fahrzeug auf Sportlichkeit getrimmt. Dazu gehören Modifikationen bei Motor- und Getriebe, Fahrwerk und Bremsen und dem Außen- und Innendesign. Im Vergleich zum Serienfahrzeug findet man in den beiden neuen Polestar-Modellen mehr als 50 Neuerungen.

Zweiliter-Vierzylinder mit 367 PS

Da ist zum einen der Zweiliter Benzin-Direkteinspritzer T6. Der Vierzylinder hat 367 PS und bringt es auf ein maximales Drehmoment von 470 Nm, das zwischen 3100 und 5100 Umdrehungen in der Minute anliegt. So motorisiert, beschleunigt der S60 in Kombination mit der Achtgangautomatik in 4,7 Sekunden auf 100 km/h. Die Spitzengeschwindigkeit liegt bei elektronisch abgeregelten 250 km/h. Laut Datenblatt soll der Verbrauch bei 7,8 Litern auf 100 Kilometer liegen – natürlich ein theoretischer Wert. In der Praxis lag der Verbrauch knapp über der zehn Liter-Marke. Aber wie immer bei solchen Werten: Es kommt auf den Fahrer an. Doch wer sich ein Polestar-Modell kauft, der fährt damit nicht unbedingt ständig ökologisch korrekt.

Volvo S60 und V60 als Polestar-Modell
Volvo S60 und V60 als Polestar-Modell © Volvo

Die Fahrdaten sind das eine, die Fahrdynamik das andere: Und hier macht der S60 eine wirklich gute Figur, und dafür sorgt zu einem der Allradantrieb. Er bringt die Kraft bei den Testfahrten auf der kurvenreichen Großglockner-Hochalpenstraße perfekt auf die Straße. Daneben sorgen verstellbare Öhlins Stoßdämpfer für eine verbesserte Traktion auf unebener Fahrbahn. So war die die Zielstellung an die Entwickler, ein Auto zu konzipieren, dass nichts macht, was den Fahrer unangenehm überrascht, wie Möller sagte. Dies kann dem S60 ohne Frage bescheinigt werden. Er vermittelt dem Fahrer selbst bei flott gefahrenen Kurven ein souveränes Gefühl. Der Spagat zwischen Sportlichkeit und ausreichendem Komfort ist den Fahrwerksspezialisten dabei gelungen, auch wenn man sich auf besonders schlechten Straßenverhältnissen rund ums Salzburger Land eine nicht ganz so straffe Federung wünscht.

Kultivierte Kraftentfaltung

Wer im S60 sportlich unterwegs ist, freut man sich über seine beständige und kultivierte Kraftentfaltung. Doch wer den ultimativen Kick der Beschleunigung erleben will, es etwas brachialer mag, der wird bei Polestar nicht fündig. Das war auch nicht der Ansatz, wie Entwickler Henriek Fries sagte. „Wir wollten nicht das Auto für den perfekten Sonntag entwickeln, sondern das Auto für 365 Tage im Jahr.“ Diesem Anspruch sind die Schweden dann auch gerecht geworden.

Aber es gibt auch Dinge, die dann für ein Auto in dieser Preisklasse doch etwas verwundern. Damit ist das Umschalten in den Sport+ Modus gemeint. Um dorthin zu kommen, reicht es nicht aus, nur mal schnell einen Knopf zu drücken. Nein, dazu muss das Auto zum Stillstand gebracht werden, der Schalthebel auf S gestellt und zweimal am Schaltpaddel am Lenkrad gedrückt werden. Einfach geht anders aus, schmälert letztlich aber nicht den ansonsten stimmigen Gesamteindruck des neuen S60 Polestar-Modells.






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