20. Juli 2015

Fahrbericht Hochgelegte Limousine Volvo S60 Cross Country: Für jeden etwas

Der Volvo S60 Cross Country soll jede Altersgruppe ansprechen.
Der Volvo S60 Cross Country soll jede Altersgruppe ansprechen. © AG/Busse

Tiefer legen war gestern, heute wird höher gelegt. Volvo hat jetzt seiner Fließheck-Limousine S60 mehr Bodenfreiheit verpasst, womit der biedere Schwede in die Crossover-Kategorie fällt und neue Kunden für die Marke generieren soll.




Von Axel F. Busse

Jede Automarke will junge Kunden, denn wer sich einmal für ein bestimmtes Fabrikat entschieden hat, bleibt oft Jahrzehnte dabei. Andererseits sind es gerade die älteren, die über die nötigen Mittel verfügen, sich etwas Ausgefallenes leisten zu können. Volvo Deutschland nimmt jetzt eine geänderte Variante der S60-Limousine ins Programm, die einerseits das von nicht mehr ganz jungen Autofahrern geschätzte bequeme Einsteigen („hoher Hüftpunkt“) bietet, andererseits drinnen aber den soliden Limousinen-Komfort der Premium-Klasse.


20 Zentimeter Bodenfreiheit im Volvo S60 Cross Country

Unter dem markeninternen Label „Cross Country“ wurden bereits verschiedene Modelle mit höherem Fahrwerk angeboten, so etwa das Kompaktmodell V40 oder der große Kombi V70. Die Nachfrage nach dem coupéhaften Viertürer S60 ist in Deutschland stabil und lag im ersten Halbjahr bei etwa 2700 Neuzulassungen.

Stattliche 201 Millimeter Platz sind jetzt zwischen der Fahrbahnoberfläche und dem Unterboden, das würde so manchem SUV zur Ehre gereichen. Entsprechend unkonventionell erscheint die Optik der 4,64 Meter langem Limousine. Die zusätzlichen 65 Millimeter gegenüber dem Standardmodell hieven das Dach in 1,54 Meter Höhe. Charakteristisch für die Front ist der Wabengrill, den alle Cross-Country-Modelle haben, mattschwarz eingefasste Radläufe und ebenso abgedunkelte Akzente an den Seiten kommen dazu. Die bequemen und mit robusten Flanken ausgestatteten Ledersitze weisen Kontrastnähte auf. Mit den gleichen optischen Veränderungen wartet das Modell V60 Cross Country auf, das Volvo zeitgleich in sein Modellsortiment aufnimmt.

Ford Mondeo als Plattformspender

Der Volvo S60 verfügt über 20 Zentimeter Bodenfreiheit
Der Volvo S60 verfügt über 20 Zentimeter Bodenfreiheit © AG/Busse

Ein originelles Ausstattungs-Detail, das beide Modelle auf Wunsch mitbringen, ist das Volvo-On-Call-System, mit dem man sein Auto mit Hilfe des Smartphones oder zum Beispiel einer Apple-Watch fernsteuern kann. Per Knopfdruck kann die Heizung gestartet werden oder es werden Fahrzeugdaten wie Reichweite und der letzte Durchschnittsverbrauch abgerufen. Als Teil des Business-Pakets „Pro“, das unter anderem ein Navigationssystem und einen mobilen WLAN-Hotspot enthält, wird es für 2350 Euro extra mitgeliefert.

Der Volvo S 60, dessen Grundkonstruktion noch aus der Zeit stammt, in der Volvo zum Ford-Konzern gehörte und dessen Plattform-Spender ein Ford Mondeo ist, ist wahlweise mit Front- oder Allradantrieb zu haben. Eine Wahl mit Folgen: Beim Antrieb über die Vorderachse erhält man einen Vierzylinder-Diesel aus der neuen Motorengeneration und kann sich zwischen manueller Schaltung und 8-Gang-Automatik entschieden. Die 4x4-Variante ist ausschließlich mit Fünfzylinder-Biturbodiesel und 6-Gang-Automatik unterwegs. Beide Aggregate leisten 190 PS, wobei das Drehmoment des Fünfzylinders mit 420 Newtonmetern das des Drive-E-Motors um 20 Nm übertrifft.

Volvo S60 Cross Country ohne überbordendes Temperament

Der Volvo S60 Cross Country kennt keine Traktionsprobleme
Der Volvo S60 Cross Country kennt keine Traktionsprobleme © AG/Busse

Gleichzeitig schleppt der Allrad-S60 rund 70 Kilogramm Mehrgewicht mit sich herum, so dass auf der Waage 1776 Kilogramm zu Buche stehen. Obwohl das als gutes Mittelmaß gelten kann, erwies sich das Auto bei den Testfahrten als ein vornehmer Reiseveranstalter ohne überbordendes Temperament. Ein herzhafter Kickdown wird zwar mit spontanem Fahrstufenwechsel, aber auch mit einer Änderung der Klangkulisse quittiert, die den rauen und angestrengten Dieselsound in Erinnerung ruft, den vor einigen Jahren noch alle Selbstzünder hatten. Wem eine dezentere Arbeitsweise seines Diesels und kultivierter Lauf am Herzen liegen, wäre zweifellos mit dem moderneren D4-Motor besser bedient, doch das hieße Verzicht auf den Allradantrieb.

Traktionsprobleme gibt es erwartungsgemäß beim Fünfzylinder-Cross-Country nicht zu beklagen, auf Schotter und feuchtem Gras zieht der hochbeinige S60 zuverlässig seine Bahn. Die Lenkung weist stärkere Rückstellkräfte auf, als nötig wären, das macht sich beim Rangieren bemerkbar. Doch insgesamt manövriert es sich zielgenau und mit ausreichendem Gefühl für die Fahrbahn. Nach EU-Norm verbraucht das Auto 5,7 Liter im Schnitt, der Bordcomputer zeigte nach Ende der Testfahrt 7,9 Liter.

Volvo S60 Cross Country ab 43.840 Euro

Den Volvo S60 Cross Country gibt es nur in der höchsten Ausstattungslinie
Den Volvo S60 Cross Country gibt es nur in der höchsten Ausstattungslinie © Volvo

Volvo Deutschland verbindet keine euphorischen Erwartungen mit dem Angebot der rustikalen S60-Variante. Geschäftsführer Thomas Bauch sieht die Entscheidung wirtschaftlich motiviert, denn die schwedische Zentrale hat entschieden, das Auto zu bauen und die deutsche Dependance kann es ohne zusätzlichen Aufwand in ihr Portfolio integrieren, auch wenn der 4x4-Fünfzylinder nicht die Spitze des aktuellen Volvo-Know-Hows repräsentiert. Da es ausschließlich in der höchsten Ausstattungslinie Summum verfügbar ist, dürfte es vor allem komfort-orientierte Kunden ansprechen, die sich das eine oder andere optionale Assistenzpaket dazu bestellen. Ab 43.840 Euro ist der S60 Cross Country zu haben, die Allradversion kostet 48.440 Euro.

Anders verhält es sich mit dem V60 Cross Country, der als Kombi vielseitiger einsetzbar ist und um Kunden wirbt, die zweckorientiert ihr Fahrzeug auswählen. Zwei Dieselmotoren der neusten Generation mit 150 und 190 PS sowie der 245 PS starke Turbobenziner bilden hier das Motorenangebot für die Fronttriebler. Die Allradvariante wird ebenfalls vom quer eingebauten Fünfzylinder-Diesel angetrieben. Die Preisspanne erstreckt sich von 36.350 Euro für den 150-PS-Diesel und 6-Gang-Handschaltung bis 49.330 Euro für den V60 Cross Country D4 AWD. Volvo Deutschland schätzt, von Limousine und Kombi dieses Jahr zusammen noch etwa 1200 Exemplare absetzen zu können.






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