2. Februar 2017

Fahrbericht Volkwagen frischt den Golf auf VW Golf: Wenn die Geste zählt

Der überarbeitete VW Golf Fotos ▶
Der überarbeitete VW Golf © Volkswagen

Der VW Golf ist und bleibt trotz hoher Preise nicht nur das Lieblingsauto der Deutschen. Den zuletzt schwächelnden Absatzzahlen will VW mit einer Produktaufwertung und einem Vorstoß ins Digitale begegnen.




Vergangenes Jahr wurden allein in Deutschland 236.000 Exemplare des VW Golf neu zugelassen, fast viermal mehr als vom Opel Astra oder siebenmal mehr als vom Ford Focus. Das mag eindrucksvoll klingen, doch 2015 entschieden sich hierzulande sogar noch 15 Prozent mehr Kunden Wolfsburgs ewigen Bestseller .

Der zweistellige Rückgang hängt einmal mit dem fortgeschrittenen Alter des Golf zusammen. Er kam im November 2012 in siebter Generation auf den Markt. Zum anderen aber sicher auch mit dem hausgemachten Schummel-Skandal bei den Dieselmotoren. Ohne Absatzeinbußen kommt man aus solch einer Nummer selten heraus.


VW spricht von Produktaufwertung

Daher galt es für die Wolfsburger Autobauer, ihren Bestseller im Rahmen eines Facelifts so modern wie möglich zu gestalten, um im Segment die Pole Position zu verteidigen. Die Konkurrenz ist groß. Ein dutzend Hersteller tummelt sich mittlerweile in der Kompaktklasse, und jeder möchte ein möglichst dickes Stück vom Kuchen haben. Volkswagen spricht intern von einer Produktaufwertung.

Ans Blech ging man dem Golf dennoch nicht. Dies wäre schlicht zu aufwendig. Und für die restliche Laufzeit – der Golf 8 soll bereits 2019 erscheinen – lohnt eine solche Investition nicht.

Erneuerte Anbauteile

Längere Chromleisten im Kühlergrill
Längere Chromleisten im Kühlergrill © Volkswagen

Also bleibt es wie üblich bei den Erneuerungen der Anbauteile. Hierzu zählen in aller Regel die Stoßfänger, der Grill und die Scheinwerfer. Letztere erhielten eine neue Lichtsignatur. Die Tagfahrlichter wirken optisch wie eine Verlängerung der Chromleiste im Kühlergrill. Neu sind Voll-LED-Scheinwerfer. Sie lösen die Xenonlichter ab, sind aber erst in den höheren Ausstattungslinien serienmäßig. Dafür haben alle Varianten ab Werk jetzt LED-Rückleuchten.

Spätestens nach dem Reinsetzen merkt der Golf-Fahrer: Hier hat sich was geändert. Zwar behielt das obere Armaturenbrett seine Form, doch ein riesiges Display (9,2 statt 8,0 Zoll) und eine Schalterleiste unter Glas weisen unmissverständlich den Weg in die digitale Neuzeit.

Premiere im Kompaktsegment

Mit 8-Zoll-Bidschirm
Mit 8-Zoll-Bidschirm © Volkswagen

Dafür muss man allerdings die Topversion des Infotainment-Systems, genannt: Discover Pro (2.385 Euro) anschaffen. Integriert ist dann unter anderem eine Gestensteuerung. „Wir sind damit die ersten im Kompaktsegment“, ist Elektronik-Ingenieur Kai Höbrink stolz. Bislang reagieren nur der Siebener und Fünfer BMW auf Handbewegungen. Allerdings ist die Bedienvielfalt beim Golf sehr eingeschränkt. Lediglich die Auswahl der Musiktitel oder des Radiosenders kann per Geste gesteuert werden.

Neben „Discover Pro“ ersetzt Volkswagen auch die anderen Infotainment-Systeme des Golf. Denn zum Einsatz kommt die neueste Generation des MIB, des Modularen Infotainmentbaukastens. Basis ist jetzt ein 6,5 Zoll Display (zuvor 5,0 Zoll). Die früheren 6,5-Zoll-Systeme werden durch 8,0 Zoll große Bildschirme ersetzt, deren Pixelauflösung wesentlich höher ist als vorher. Was Audi im A3 „Virtual Cockpit“ nennt, heißt bei der Mutter Volkswagen „Active Info Display“ (665 Euro). Ob man lieber die Navi-Karte oder die Instrumente groß angezeigt haben möchte, ein Tastendruck am Lenkrad genügt.

Neuer Vierzylinder mit 150 PS

Über Fahr- und Federungskomfort, über Lenkverhalten und Innenraumgeräusche, über Verarbeitung und Materialauswahl, über all dies muss beim Golf kein Wort mehr verloren werden. Der Wolfsburger markiert hier die Spitze des Segments. Gleiches gilt für die Antriebsvielfalt. Sie reicht vom kleinen Dreizylinder-Benziner TSI bis zum Plug-in-Hybrid und einem Elektromotor. Selbst ein Erdgasantrieb (TGI) ist zu bekommen.

Neu ins Programm aufgenommen hat VW den 1,5-Liter-Vierzylinder mit 110 kW/150 PS. Er ersetzt den bisherigen 1,4-Liter-TSI mit gleicher Leistung, verbraucht nach Norm aber nur noch 4,9 Liter. Nachschieben will man im Sommer eine sparsamere Version mit 95 kW/130 PS, die auf 4,6 Liter kommen soll.

Teilauotonom möglich

Auch bei den Assistenzsystemen dürfte der Golf die Messlatte im Segment um ein weiteres Stück nach oben gelegt haben. Im Stop&Go-Verkehr fährt er teilautonom. Das System lenkt, bremst und beschleunigt selbstständig, vorausgesetzt, der Fahrer hat mindestens eine Hand am Lenkrad.

Preislich geht es bei 17.850 Euro los. Wer sich aber beispielsweise für den neuen 1,5-Liter-Benziner entscheidet, ihn mit dem – absolut empfehlenswerten – Direktschaltgetriebe (DSG) sowie dem virtuellen Cockpit in Verbindung mit dem großen Display bestellt, überfährt bereits die 30.000-Euro-Marke. Soll dann noch ein Kreuz hinter ein paar Assistenzsystemen, Leder, LED-Scheinwerfer und Panoramadach gemacht werden, ist es ein Leichtes, den Grundpreis zu verdoppeln. (SP-X)






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