1. September 2016

Fahrbericht Japanisches Multitalent Toyota Proace Verso: Neues Raumfahrtprogamm

Der Toyota Proace bietet viel Platz.
Der Toyota Proace bietet viel Platz. © Toyota

Der Toyota Proace bietet Platz fast ohne Ende. Damit wird er nicht nur für Handwerker interessant, sondern in der Variante Proace Verso auch für Familien mit erhöhtem Raumbedarf.




Toyota legt ein neues Raumfahrtprogramm auf. Denn wenn die Japaner Mitte September im Team mit Peugeot Expert und Citroen Jumpy die nächste Generation des Proace an den Start bringen, ist endlich wieder Platz in der Hütte. Schließlich gibt es das Multitaltent, das seine Rolle als As schon im Namen trägt, zu Nettopreisen ab 20.900 Euro nicht nur als Kastenwagen oder Kombi für Handel, Handwerk und Gewerbe. Sondern als Proace Verso für mindestens 35.300 Euro brutto buhlt er genau wie Citroen Spacetourer und Peugeot Traveller auch um Familien mit erhöhtem Platzbedarf und präsentiert sich als großer Van für Shuttle-Dienste und für VIP-Flotten.

Egal ob für Personen oder Pakete – immer hat man die Wahl zwischen zwei Radständen von 2,93 und 3,28 Metern und drei Fahrzeuglängen. Der kurze Proace misst 4,61 Meter, die mittlere Variante kommt auf 4,96 Meter und die XL-Version haben die Japaner auf 5,31 Meter gestreckt. Für Lademeister bietet der Kastenwagen damit zwischen 4,6 und 6,6 Kubikmeter Stauraum und Pkw-Kunden fühlen sich bei bis zu neun Sitzen beinahe als Busfahrer.


Variable Sitzlandschaft

Anders als im Bus ist die Sitzlandschaft allerdings sehr viel variabler. Schon in den eher bodenständigen Varianten mit sechs Plätzen im Fond, kann man die asymmetrisch geteilten Dreierbänke einzeln verschieben, die Lehnen individuell verstellen oder flachlegen und die Sitze bei Bedarf auch ganz ausbauen. Und wer die vornehme VIP-Variante wählt, bekommt fünf Einzelsitze und einen Klapptisch, die man bis hin zur Konferenzbestuhlung fast frei im Fond verteilen kann.

Auch unter der Haube bietet Toyota mehrere Alternativen. Es gibt zwei Diesel mit 1,6 oder 2,0 Litern Hubraum in jeweils zwei Leistungsstufen mit 70 kW/95 PS oder 85 kW/116 PS und 110 kW/150 PS oder 130 kW/177 PS. Was die Japaner allerdings nicht zu bieten haben, ist ein Allradantrieb, der die Chancen des Verso vor allem im Süden deutlich verbessern könnte.

Viele Extras im Angebot

Während die gewerbliche Variante gewohnt frugal und funktional daherkommt, hat sich Toyota für den Verso ordentlich ins Zeug gelegt. Es gibt deshalb neben jeder Menge Zierrat wie den farbigen Konsolen und den vielen Chromrähmchen im Cockpit auch ungewöhnliche viele Extras, die Toyota zum Teil sonst nicht im Programm hat. Das Safety-Sense-System mit der vorausschauenden Kamera zur Abstandskontrolle und Spurhaltung kennt man genau wie den Touchscreen für das Infotainment und die Rückfahrkamera oder die Xenonscheinwerfer. Aber dass sich nun auch die Schiebtüren mit Gestensteuerung öffnen lassen und dass aus dem Armaturenbrett ein Head-Up-Display aufklappt, das ist neu für die Japaner.

Mindestens genauso wichtig sind aber die vielen praktischen Details, die das Leben an Bord leichter machen sollen. Allein die Türen haben mehr Staufächer als mancher Einbauschrank. Weil die große Heckklappe in engen Parkplätzen bisweilen stört, kann man die hintere Scheibe auch separat öffnen. Es gibt im Fond wie im Flugzeug Klapptische an den Rücklehnen der Vordersitze. Und damit man auch die Lümmel in der letzten Bank im Blick hat, prangt vor dem Rückspiegel noch ein zweiter Innenspiegel.

Lauter Diesel

Das Heck des Proace Verso
Das Heck des Proace Verso © Toyota

Beim Fahren allerdings kann auch der vornehmste Verso seine Herkunft aus der Arbeiterklasse nicht verhehlen. Sein Diesel knurrt deshalb ein bisschen lauter als in einem zivilen Van oder einem Geländewagen, der Wind rauscht etwas wilder um die Karosserie und das Fahrwerk federt nicht ganz so feinfühlig.

Außerdem ist ein bisschen Geduld gefragt, wenn man den Wagen fordert – selbst das 150 PS-Triebwerk mit seinen 370 Nm jedenfalls hat seine liebe Mühe mit dem großen Brocken und man möchte sich gar nicht vorstellen, wie schwer er sich mit dem vollgeladenen Auto tut. 11 Sekunden von 0 auf Tempo 100 und bei Vollgas 170 Sachen – zum Eilfrachter taugt der Verso nicht.

Umso wohler fühlt sich der Wagen dagegen bei gehobener Richtgeschwindigkeit auf der mittleren Spur: „Läuft!“, kommt einem in den Sinn, wenn man ruhig und gelassen dahin rollt, sich Blutdruck immer weiter normalisiert und man irgendwann ewig so weiterfahren könnte. Oder zumindest, bis der Tank leer ist – was bei einem Normverbrauch von 5,3 Litern eine Weile dauern kann. Vielleicht, so beginnt man zu überlegen, ist der Verso doch mehr Langstreckenauto als Lieferwagen und damit ein veritabler Van? Gemessen an der Nutzfahrzeugvariante jedenfalls ist der Verso nobler und bietet auf Wunsch deutlich mehr Ausstattung. Aber spätestens wenn es um den Lastentransport geht, gibt es bei Toyota ausgleichende Gerechtigkeit. Denn wer in der Pkw-Version ordentlich einladen will, muss erst einmal die Stühle ausbauen - und braucht dafür fast so viele Muskeln wie der Paketbote im Kastenwagen. (SP-X)






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