Suzuki Vitara: Überzeugender Auftritt

Gefälliger Mini-SUV

Der Suzuki Vitara sieht ansprechend aus.
Der Suzuki Vitara sieht ansprechend aus. © Suzuki

Der Markt bei den Mini-SUVs boomt. Wer hier Fuß fassen will, der muss schon einiges bieten. Ein Fahrzeug, was es verdient hätte, es sich etwas genauer anzuschauen, ist der Suzuki Vitara. Wir sind ihn gefahren.

Kaum fünf Jahre lang gibt es auf dem deutschen Pkw-Markt so etwas wie ein Mini-SUV-Segment -und schon ist es überfüllt. Konnte man am Anfang typische Vertreter wie Nissan Juke, Mini Countryman oder Opel Mokka noch an einer Hand abzählen, wimmelt es heute nur so von hochgebockten Kleinwagen im Offroad-Stil. Weiteren Neueinsteigern fällt es da nicht leicht, aufzufallen. Der Suzuki Vitara hätte es verdient.

Eigentlich war Suzuki in Sachen Mini-SUV immer vorne mit dabei – gemerkt hat das allerdings kaum jemand. Mit dem SX4 S hatten die Japaner bereits 2006 einen ersten Schritt in die Richtung gemacht, offenbar aber ein wenig zu früh. Das 2013 präsentierte Nachfolgemodell SX4 S-Cross tendierte daher schon deutlich mehr in Richtung Kompakt-SUV, ohne bei Abmessungen und Platzangebot wirklich in Tiguan-Dimensionen vorzustoßen. Insgesamt wirkte das Angebot an kleinen Crossover-Modellen bei der Marke dadurch zuletzt etwas unentschieden und farblos.

Geliungene Optik

Der unterhalb des S-Cross positionierte Suzuki Vitara bildet nun das Kontrastprogramm: Flott gezeichnet, mit zackigem Fahrwerk und vergleichsweise starken Motoren gibt er den virilen Spaßmacher im Segment. Vor allem die Optik ist im Vergleich mit den biederen SX-4-Modellen gelungen. Allerdings darf man sich an einer erstaunlichen Ähnlichkeit zum Range Rover Evoque nicht stören. Der Suzuki geht bestenfalls als Hommage durch, ist aber eher so etwas wie eine Low-Budget-Kopie. Vor allem am Heck, wo die Designer offenbar die Lust oder die finanziellen Ressourcen verlassen haben.

Zumindest erstere war im Innenraum noch vorhanden, wo man aus den eher einfachen Materialien das Optimum herausgeholt hat. Selbst für Verspieltes wie die sonst nur aus höherklassigen Fahrzeugen bekannte Analog-Uhr im Armaturenbrett war Platz. Auf Wunsch gibt es die sogar mit japanischen Schriftzeichen auf dem Ziffernblatt.

Mehr als 120 PS gibt es nicht

Suzuki hat den Vitara völlig neu konzipiert.
Das Cockpit des Vitara Suzuki

Den Vitara gibt es ausschließlich mit 88 kW/120 PS – und zwar unabhängig davon, ob man den Diesel oder den Benziner wählt. Die beiden einzig verfügbaren Motoren gleichen sich dazu auch noch beim Hubraum (1,6 Liter). Der getestete Selbstzünder legt nach einer kleinen Anfahrschwäche gleich ordentlich los – vor allem, weil er mit dem leichten Vitara eine dankbare Aufgabe hat.

Das SUV wiegt selbst mit schwerem Dieselmotor und Allradantrieb keine 1.400 Kilogramm. Mit Leichtigkeit schlängelt sich der Vitara so durch den Stadtverkehr Richtung Ortsausgangsschild, um seine volle Agilität dann auf der Landstraße unter Beweis zu stellen. Wer dann den Fahrmodus-Schalter des optionalen Allradantriebs in den Sport-Modus stellt, fühlt, dass der Vitara aus der gleichen Familie wie der agile Kleinwagen Swift stammt. Apropos Allradantrieb: Der arbeitet nicht wie beim Namensvorgänger Grand Vitara (bis auf die terminologische Ähnlichkeit ein komplett anderes Auto) permanent, sondern schaltet die Hinterachse nur bei Traktionsverlust zu. In der Sport-Einstellung wird außerdem auch beim Anfahren und Beschleunigen ein Teil der Motorkraft nach hinten geleitet, was das agile Fahrgefühl noch weiter stützt, auf trockener Straße im Alltag aber nur wenig Unterschied macht.

Diesel als Schwachstelle

Der Suzuki Vitara präsentiert sich sparsam im Verbrauch.
Das Heck des Vitara sieht gefällig aus Suzuki

Schwachstelle im Fahrspaßpaket ist der Diesel – auch wenn er sich insgesamt ordentlich schlägt (vor allem mit seinem Praxisverbrauch von rund fünf Litern). Doch der raue Klang, spätestens bei Autobahntempo, die Muskelschwäche im Drehzahlkeller, verbunden mit eher verhaltener Drehfreude, und nicht zuletzt die hohen Kosten lassen doch den Wunsch nach einem Benziner aufkommen. Allerdings nicht nach dem aktuellen Alternativ-Angebot in der Vitara-Palette, auch wenn für dessen Bewertung hier nur die technischen Daten herangezogen werden können. 156 Nm bei 6.000 Umdrehungen lassen allerdings eine eher angestrengte und in der Praxis durstige Kombination erwarten. Bleibt zu hoffen, dass vielleicht der mögliche kleine Turbobenziner des nächsten Swift Sport auch im Vitara einzieht. Dann könnte der kleine Allrader vielleicht sein ganzes Spaßpotenzial entfalten.

Bis dahin kann der Vitara aber zur Not auch als Diesel in der Liga der sportlich orientierten Mini-SUV mithalten – zumindest für Vielfahrer. 24.790 Euro werden für das Allradmodell fällig, die Version mit Frontantrieb ist 2000 Euro günstiger. Die Ausstattung ist mit Klimaautomatik, adaptivem Tempomat und 17-Zoll-Felgen dann bereits ordentlich. Ärgste Konkurrenten sind der Nissan Juke (Diesel mit 81 kW/110 PS, nur Frontantrieb, ab 21.450 Euro) und der Mazda CX-3 (Diesel mit 77 kW/105 PS, Frontantrieb ab 21.990 Euro, Allradantrieb ab 26.950 Euro). (SP-X)

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Nach dem Sport- und Publizistikstudium hat er sein Handwerk in einer Nachrichtenagentur (ddp/ADN) gelernt. Danach war er jahrelang Sportjournalist und hat drei Olympische Spiele (Sydney, Salt Lake City, Athen) als Berichterstatter begleitet. Bereits damals interessierten ihn mehr die Hintergründe als das bloße Ergebnis. Seit 2005 berichtet er über die Autobranche. Neben der Autogazette verantwortet er auch den redaktionellen Teil des Magazins electrified (Print und Online).