14. August 2015

Fahrbericht Zweiliter-Diesel mit 150 PS Skoda Superb: Mehr als nur vernünftig

Der Skoda Superb als 2.0 TDI Limousine. Fotos ▶
Der Skoda Superb als 2.0 TDI Limousine. © Skoda

Der Skoda Superb ist das Flaggschiff des tschechischen Autobauers. Was das Modell der VW-Tochter zu bieten hat, haben wir mit dem 2.0 TDI mit 150 PS getestet.




Wohl bei kaum einem anderen Autohersteller stimmen Markenslogan und Image so überein wie bei Skoda: „Simply clever“ sind ihre Produkte behaupten die Tschechen – und kaum jemand wird hier widersprechen. Alleine schon die Positionierung der Produkte im Vergleich zu den Schwestermodellen im VW-Konzern macht das deutlich.

Der Octavia zum Beispiel gilt als Kompaktwagen, bietet aber Platz wie ein Mittelklasse-Fahrzeug. Und der neue Skoda Superb wird zwar aus dem gleichen Baukasten zusammengesetzt wie der VW Passat, schafft aber noch mehr Raum für Passagiere und Platz für Gepäck. Unser Testwagen ist ein von der Motorisierung her typisches Flotten-Auto: Diesel, 150 PS, Navigation. Und natürlich noch jede Menge Extras aus der Optionenliste, die kein normaler Dienstwagenfahrer beim Flottenmanager je durchbekommt, aber den Testwagen adeln und teuer machen.


Selbstbewusstes Design

Erster Eindruck wenn man sich die Limousine außen und innen anschaut: Was für ein Fortschritt! Der bislang optisch stets allzu bieder daher fahrende Tscheche hat sich komplett gewandelt. Die Karosserie glänzt mit scharfen Kanten, selbstbewusster Front und kleinsten Spaltmaßen – hier ist ein echter Charaktertyp geboren. Innen ist es ähnlich: gute Materialien, sehr sauber verarbeitet. Man stelle sich den neuen Passat vor und ziehe von diesem Niveau nur einige wenige Prozentpunkte ab.

Einfach clever, dass Skoda die marken- und modelltypischen Werte dagegen nicht angerührt hat. So werden Eiskratzer und Regenschirm (jetzt sind es sogar zwei) vom Superb-Fahrer natürlich erwartet. Vor allem aber verfügt der Superb wieder über Platz im Überfluss. Und das ist tatsächlich wörtlich gemeint, denn man fragt sich unwillkürlich, was man mit all dem Raum eigentlich anfangen soll. So sitzt man hinten zwar nicht besser, aber nochmals großzügiger als in einem Oberklasse-Fahrzeug. Das Kofferraumvolumen von 625 Litern ist geradezu absurd groß und wenn man die Rücksitzlehnen wegklappt, stehen gar 1.760 Liter zur Verfügung. Wer braucht da noch einen Van oder einen Kombi? Obwohl: Der kommenden Superb Combi wird die Limousine bei diesen Werten und auch den Verkaufszahlen nochmals übertreffen.

Module aus Konzernregal

Der Innenraum des Superb
Der Innenraum des Superb © Skoda

Bei Motoren, Getriebe, Assistenz etc. greift Skoda natürlich auf die Konzern-Module zurück, alles andere wäre ja auch blödsinnig. In unserem Testwagen arbeitet ein Antrieb der Vernunft. Der 2,0-Liter-Diesel entwickelt 110 kW/150 PS, genau die richtige Leistung, wie auch unser Testverbrauch von 6,2 Litern zeigt. Ein angemessener Wert angesichts der Größe des Fahrzeugs und der zügigen Langstreckentouren, die wir absolvierten. Der Normwert liegt bei flottenfreundlichen 4,4 Litern. Es gibt auch noch einen 1,6-Liter-Selbstzünder mit 120 PS, was für das große, 1,5 Tonnen wiegende Auto vielleicht etwas wenig ist. Und man kann das 2,0-Liter-Aggregat auch mit 190 PS bestellen, was aber nicht unbedingt sein muss, denn der Superb ist von seinem Grundcharakter her kein Auto für Schnellstfahrer.

Das wird auch bei der Fahrwerksabstimmung deutlich. Unser Fahrzeug hat sogar eines der aktiven Art an Bord. Im „Sport“- und „Normal“-Modus reagiert der Fünfsitzer aber eher robust auf Bodenwellen und Stöße. Im „Comfort“-Modus bügelt er diese souverän weg, schaukelt aber auf langen Wellen unangenehm nach. Das zum Beispiel, kann ein Passat besser, was sich VW ausstattungsbereinigt aber auch mit weit über 5.000 Euro bezahlen lässt.
Das sechsgängige DSG-Getriebe arbeitet so routiniert, wie man es erwarten darf, inklusive der bekannten Schwächen: Will man zum Beispiel rückwärts einparken, ist ein feinfühliger Gasfuß vonnöten, weil das Getriebe erst spät, dann aber zupackend reagiert. Aber daran gewöhnt man sich, wenn man es von diversen Fahrzeugen des VW-Konzerns nicht sowieso schon gewohnt ist.

Günstig sieht anders aus

Das Heck des Skoda-Flaggschiffs
Das Heck des Skoda-Flaggschiffs © Skoda

Kommen wir zum Preis-/Leistungsverhältnis: Die Superb Limousine steht mit dem 150-PS-Diesel ab 30.190 Euro in der Preisliste (Active), man kann aber auch im höchsten der vier Ausstattungsniveaus (L&K) 38.450 Euro ausgeben. Und hat dann immer noch jede Menge Möglichkeiten für Zusatzkreuzchen in der Optionsliste. Ja, Skoda ist in jeder Beziehung erkennbar eine VW-Marke.

Daher ist der Superb auch, anders als es sein Image suggeriert - nicht besonders günstig. Das ist er nur, wenn man ihn mit einem VW Passat vergleicht, der sich preislich zwischen den Volumen- und den Edelanbietern, also etwa zwischen Opel/Ford und Mercedes/BMW positioniert. Vergleicht man den Superb mit anderen Fahrzeugen von Importmarken, etwa Peugeot, Hyundai oder Toyota, sieht die Rechnung anders aus. Aber dafür erhält man auch – sehen wir jetzt mal von Passat und Premium ab - die vielleicht derzeit in der Summe ihrer Eigenschaften beste, auf jeden Fall aber großzügigste Limousine der Mittelklasse. Einfach clever. (SP-X)






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