25. Februar 2016

Fahrbericht Benziner mit 150 PS Skoda Superb Combi: Neue Tugenden

Mit 150 PS ist der Skoda Superb Combi schon gut bestückt. Fotos ▶
Mit 150 PS ist der Skoda Superb Combi schon gut bestückt. © Skoda

Skoda hat den neuen Superb Combi sehr viel höherwertiger als den Vorgänger platziert. Das Flaggschif der tschechischen VW-Tochter ist damit zugleich der Klasse der günstigen Angebote entwichen – was kein Makel ist.




Es ist hinlänglich bekannt, dass der Skoda Superb richtig viel Raum bietet. Wie viel Platz man auf 4,86 Metern Länge unterbringen kann, überrascht im Praxistest dann aber doch. Auch in anderer Hinsicht kann der Familien-Kombi verblüffen – immer positiv, bis auf einen Aspekt.

Schon von außen, bevor man überhaupt eingestiegen ist, fängt es an mit dem positiven Eindruck. Den Skoda-Designern ist es gelungen, den naturgemäß biederen Formen eines Kombi mit scharfen Bügelfalten, die sich durchs Blechkleid ziehen, Schwung zu verleihen.


Passagiere verlaufen sich im Fond

Die Front mit dem vergrößerten Kühlergrill wirkt dynamisch, aber nicht zu grimmig, das Heck ziert ebenfalls eine scharfe horizontale Kante. Außerdem fällt das Dach – sehr trendy – zum Heck hin leicht ab, was zulasten des Innenraums geht, aber hey, davon hat der Kombi nun wirklich genug.

660 bis 1950 Liter packt sich der Superb hinter die auf Wunsch elektrische Heckklappe (420 Euro, ab „Ambition“) – so viel schluckt sonst nur die Mercedes E-Klasse eine halbe Etage drüber. Geradezu luxuriös kommen die Fond-Passagiere unter, ähnlich viel Raum zum Ausstrecken der Beine findet man sonst in der Oberklasse. Aber auch vorn sitzt man noch luftig mit viel Freiheit um die Ellenbogen und blickt auf ein geschmackvoll-sachlich eingerichtetes Cockpit im VW-Stil.

150 PS reichen für Skoda Superb Combi aus

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Auf der Straße fühlt sich der große Kombi absolut ausgereift an: Souverän und stattlich, mit viel Fahrbahnkontakt in der Lenkung. Für angemessenes Fortkommen braucht es nicht einmal einen der größeren Motoren unter der Haube: Der 1,4-Liter-Turbobenziner mit 110 kW/150 PS ist für den Hausgebrauch ausreichend. Stadt, Land, hin und wieder ein bisschen Autobahn – dafür eignet sich der mindestens 27.090 Euro teure Benziner gut.

Wer gern sportlich fährt, dreht das Aggregat halt über die 2000er-Marke, so lässt sich auch der Zwischenspurt auf der Autobahn einigermaßen locker erledigen. Bei hohen Geschwindigkeiten geht dem Aggregat naturgemäß die Puste aus. Dann doch lieber etwa über der Richtgeschwindigkeit mit Abstands-Tempomat (320 Euro) cruisen und sich vom überaus angenehm arbeitenden Spurhalte-Assistenten (820 Euro, beide am „Ambition“) die Arbeit abnehmen lassen; selbst durch Autobahnkurven lenkt der Assistent den Superb ohne, dass der Fahrer einschreiten müsste.

Skoda Superb Combi mit Zylinderabschaltung

5,2 Liter auf 100 Kilometer gibt Skoda für den Benziner mit Zylinderabschaltung im Normverbrauch an. Spritsparend gefahren kommt man auch tatsächlich gut unter die sechs-Liter-Marke. Lässt man es sportlich angehen, ist aber auch ein Verbrauch von 7,5 Litern drin.

Gegenüber dem in der neuen Generation nochmals aufgewerteten Passat hält der Konzernbruder pflichtschuldig etwas Abstand. Da liegt der Wolfsburger doch leicht satter auf der Straße, ist etwas feiner abgestimmt, verarbeitet ein wenig edlere Materialien und behält Extras wie Head-up-Display, LED-Scheinwerfer oder das volldigitale Kombiinstrument für sich.

Vergleichbarer VW Passat rund 1100 Euro teurer

Enger Verwandter: VW Passat
Enger Verwandter: VW Passat © VW

Die Serienausstattung des Superb „Active“ geht unter anderem mit Klimaanlage, Radio (mit USB), Berganfahrassistent, Nebelscheinwerfern und City-Notbremsassistent völlig in Ordnung, zumal man bereits das Basismodell (92 kW/125 PS, ab 25.890 Euro) mit sinnvollen Extras aufwerten kann. Die Aufpreise sind fair: So kosten Sitzheizung 240 Euro, Parkpiepser 340 Euro oder das Infotainmentsystem Bolero unter anderem mit DAB+, Multifunktionslenkrad, Freisprecheinrichtung und Smartphone-Anbindung (Mirrorlink, Apple Carplay, Android Auto) 1070 Euro.

Und jetzt die Gretchen-Frage: Superb oder Passat? Ein Skoda Superb Combi „Ambition“ mit dem 1,4-Liter-Benziner (110 kW/150 PS) und Handschaltung ist zum Preis von 29.590 Euro besser ausgestattet als der rund 1100 Euro teurere VW Passat Variant „Comfortline“ mit gleicher Motorisierung. Skoda-Käufer profitieren hier zum Beispiel von beim Passat aufpreispflichtigem Tempomat oder Klimaautomatik.

Skoda Superb Combi verlässt Klasse der Günstigen

Die Zahl der Assistenten hat stark zugenommen
Die Zahl der Assistenten hat stark zugenommen © Skoda

Richtig günstig ist der Superb allerdings nicht. Beim Mazda 6 „Exklusive“ (107 kW/145 PS) beispielsweise bekommt man für 29.890 Euro wiederum Extras (u. a. Sitzheizung, Voll-LED-Scheinwerfer, Assistenzsysteme wie Querverkehrswarnung beim Ausparken oder Totwinkel-Warner), die man beim Skoda hinzubuchen müsste (bzw. sind bekommt). Um das festzustellen, muss man allerdings schon mit ziemlich spitzem Bleistift rechnen.

Die Nachricht, die dahinter steckt: Längst nicht mehr zieht der Superb nur über die zwei Verkaufsargumente günstiger Preis und viel Platz. Moderne Technik, niedriger Verbrauch, zeitgemäße Infotainment- und Assistenzsysteme, gute Verarbeitung, schöner Innenraum sind neue Tugenden, die den Mittelklässler nun auszeichnen. Und während der Passat auf Höhenflug in Richtung Premium ist, hat der Superb Familien-Favoriten-Potenzial – das eines echten Volkswagens. (SP-X)






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