15. November 2012

Fahrbericht Ab 15.390 Euro Seat Leon: Der Löwe soll wieder brüllen

Der Seat Leon basiert auf dem Modularen Querbaukasten von VW. Fotos ▶
Der Seat Leon basiert auf dem Modularen Querbaukasten von VW. © Seat

Seat schickt die dritte Generation des Leon an den Start. Dabei kann der souverän auftretende Ableger des VW Golf sogar mit einer Neuerung im Segment aufwarten.




Von Thomas Flehmer

Um es vorweg zu nehmen: Der Seat Leon ist kein VW Golf, dem lediglich das neu gestaltete Seat-Logo auf Kühlergrill, Heckklappe und Lenkrad geklebt wurde. Zwei Wochen nach der Einführung der siebten Golf-Generation folgt die dritte Auflage der spanischen Kompakt-Variante.


Seat Leon in der Länge geschrumpft

Natürlich aber sind sich VW Golf und Seat Leon denkbar nahe, nicht zuletzt durch den Einsatz des von den Wolfsburgern eingeführten Modularen Querbaukasten (MQB), bei dem auf gemeinsame Teile zurückgegriffen werden kann. So ist die Motorenpalette identisch und auch der Leon hat wie der Golf bis zu 100 Kilogramm an Gewicht verloren, was sich mindernd auf Verbrauch und CO2-Ausstoß auswirkt.

Doch auch Seat hat seine eigenen Vorstellungen für das neue Kompaktklassenmodell mit eingebracht. Während der Golf um knapp sechs Zentimeter auf 4,25 Meter gewachsen ist, schrumpfte der Leon um 5,2 Zentimeter, bleibt mit 4,26 Meter aber immer noch etwas größer als der Golf. Zugleich wuchs beim Leon aber der Radstand um 5,8 Zentimeter, was nicht nur den Fahrgästen zu Gute kommt.

Agiles Kurvenverhalten des Seat Leon

Souverän meistert der Seat Leon die Kurven
Souverän meistert der Seat Leon die Kurven © Seat

Denn durch das Wachstum konnte Seat den eigenen dynamischen Anspruch untermauern. Sowohl durch den gewachsenen Radstand als auch durch die weiter außen angesetzten Räder und die Reduzierung der Überhänge konnte das Fahrwerk sportlicher gestaltet werden. Zudem wurden Motor und Schwerpunkt ein wenig abgesenkt, fast schon ein Fest für die Techniker am Heimatstandort Martorell.

Bemerkbar macht sich das vor allem beim Kurvenverhalten. Der Seat hält souverän die Spur und präsentiert sich dabei recht agil, ohne den nötigen Komfort vermissen zu lassen. Allerdings sollte aus dem aus drei Benzin- und zwei Dieselmotoren in neun verschiedenen Leistungsstufen eher die kräftigeren Triebwerke gewählt werden, um den Fahrspaß zu fördern.

Spritziger Basisbenziner des Seat Leon

Der Basisbenziner des Seat Leon ist dem Diesel vorzuziehen
Der Basisbenziner des Seat Leon ist dem Diesel vorzuziehen © AG/Flehmer

Denn der 1.6 TDI Ecomotive mit 77 kW/105 PS präsentiert sich eher lauwarm. Seine fünf Gänge müssen konstant eingelegt werden, da sonst sehr schnell das Knurren des niedrigtourigen Fahrens auftritt – übrigens eines der wenigen Geräusche, das in den Innenraum vernehmbar dringt. Ansonsten geht die Fahrt still vonstatten, was den Reisekomfort erhöht. Und reisen kann man mit dem Leon. Wie beim Golf verfügt jetzt das spanische Derivat über einen Kofferraum mit 380 Litern Volumen.

Was den Fahrspaß angeht, bietet sich der gleichstarke 1.2 TSI Ecomotive an. Der Benziner präsentiert sich von vornherein spritziger, geschmeidiger. In glatten zehn Sekunden sind die 100 km/h erreicht, bemerkbare 0,7 Sekunden vor dem Selbstzünder. Bis 191 km/h hält der Vortrieb an, völlig ausreichend. Natürlich hat der Diesel beim Verbrauch mit 3,8 Litern die Nase vor dem Benziner, der 4,9 Liter benötigt. Stopp-Start und Rekuperation können bei beiden Modellen den Verbrauch weiter senken.

Assistenzsysteme halten beim Seat Leon Einzug

Der Innenraum des Seat Leon verfügt über Wolfsburger Atmosphäre
Der Innenraum des Seat Leon verfügt über Wolfsburger Atmosphäre © Seat

Allerdings müsste der Diesel einige Kilometer gefahren werden, damit der Verbrauch den höheren Anschaffungspreis amortisiere. Während der 1.2 TSI Ecomotive bei 17.990 Euro startet, müssen für den Diesel mindestens 20.790 Euro auf den Tisch gelegt werden. Und bei diesen Preisen wird es nicht bleiben. Seat bietet wie VW nun auch in der Kompaktklasse Fahrassistenzsysteme an, die den Preis weiter nach oben schrauben. Zudem haben die Spanier – ganz eigenständig – das erste Voll-LED-Licht in diesem Segment im Angebot und zeigen den Mitbewerbern samt der Konzernmutter die lange Nase.

Dagegen ist der Innenraum dem Golf nachempfunden, auch wenn sich der Leon in Details an Instrumenten oder der Mittelkonsole schon vom Wolfsburger Design unterscheidet. Der größte Unterschied zum Klassiker in der Kompaktklasse beschert aber einmal mehr das Außendesign. Der Leon sieht einfach spritziger aus. Die Front ist geschärft worden, Ecken und Kanten prägen sowohl Motorhaube und Kühlergrill als auch die klein ausgefallenen Außenspiegel und das Heck. Von der Seite erinnert der Leon an die Konzernschwester Audi A3. Während der Golf auf Harmonie macht, will der spanische Löwe losbrüllen.

Einstieg beim Leon 1600 Euro günstiger als beim Golf

Mit einem um 200 Euro gesenkten Einstiegspreis von 15.390 und damit knapp 1600 Euro günstiger als der Golf für die 85 PS starke Basisversion könnte die Brüllerei beginnen. Doch dieses Modell wird wohl nie die Schauräume verlassen. Eher werden die Kunden beim 1.2 TSI Ecomotive zugreifen. Seat hofft hauptsächlich Modelle in der zweiten Ausstattungsvariante Style für mindestens 19.590 Euro abzusetzen. Dann klebt zwar nicht VW am Lenkrad, aber man fährt mindestens genauso souverän wie im Golf.






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