27. April 2017

Fahrbericht Kompakter mit Zylinderabschaltung Seat Leon 1.4 TSI ACT: Streicheleinheiten für den spanischen Löwen

Der Seat Leon gibt sich sportlich und sparsam zugleich
Der Seat Leon gibt sich sportlich und sparsam zugleich © AG/Flehmer

Der Seat Leon spendet als sportliche Alternative des VW Golf mit dem 1.4 TSI und Zylinderabschaltung eine Menge Fahrspaß. Die Farbe Lila ist dagegen im Vergleich zu früheren Botschaften verblasst - trotz edlem Auftritts.




Von Thomas Flehmer

Der Gedanke an frühere Zeiten hielt so lange. Seat hat den modifizierten Leon auch mit der Farbe Bohème Lila bedacht. Erinnerungen an die achtziger Jahre, in denen solche Fahrzeuge in greller Montur und Aufschrift “Mein Bauch gehört mir” zum Alltag gehörten, keimten schnell auf und die Gedanken daran, wie sich bereits vergangene Farben in der Gegenwart schlagen werden. Bis das Auto vor der Tür stand - und der Zusatz "Bohème" hätte auch schon genügend Aufschlüsse geben können.

Denn der Farbton bemüht nicht im Geringsten die Vergangenheit, ist nicht aufschreiend wie die damalige Frauenbewegung, sondern fügt sich in das allgemeine Bild ein wie der Spiegel der Gesellschaft. Dabei sieht der Lack wunderschön aus, verleiht dem Leon etwas Purpurnes und somit Edles. Und der spanische Ableger des VW Golf kann diese neuen Assoziationen auch besser bestätigen als irgendeinen gedanklichen Ritt in die Vergangenheit.


Seat Leon in dynamischer Hülle

Im Gegensatz zum Genspender aus Wolfsburg haben die Spanier traditionell auch den Kompakten in eine sportlich emotionalere Hülle gesteckt. Die LED-Scheinwerfer wirken grimmig, Front und Seitenlinie dynamisch, das Heck praktisch, ohne dabei plump zu wirken.

Im Innenraum wird die Verwandtschaft zum Golf überdeutlich. Wer einmal den Klassiker gefahren ist, findet sich auch im Leon sofort zurecht. Aber auch Neulinge im Volkswagen-Konzern haben keine Probleme mit der Ansicht der Instrumente und Bedienung der Knöpfe oder Menüs auf dem Touchscreen.

Hinzu kommen wundervoll geschnittene Sitze, die sich der jeweiligen Größe aller Familienmitglieder anpassen, sodass auch längere Strecken entspannt zurückgelegt werden können. Das Gepäck findet auf 380 Litern Platz.

Seat Leon teilautonom unterwegs

Bis zu 215 km/h schnell ist der Seat Leon 1.4 TSI ACT
Bis zu 215 km/h schnell ist der Seat Leon 1.4 TSI ACT © AG/Flehmer

Für die gute Atmosphäre nicht auf längeren Fahrten sorgt auch der 1.4 TSI ACT mit 110 kW/150 PS. Der geschmeidige Benziner kann es geruhsam oder sportlich angehen lassen - je nach Gusto des jeweiligen Fahrers. Innerhalb von schnellen acht Sekunden hat der Leon Tempo 100 erreicht und hält auch bis zur Höchstgeschwindigkeit von 215 km/h souverän die Spur.

Sind noch diverse Fahrsicherheitsassistenten an Bord kann der spanische Leon auch allein die Autobahn absolvieren. Allerdings wird der Fahrer schnell aufgefordert die Hände wieder ans Steuer zu nehmen. Ein deutliches Plus an Sicherheit vermitteln Spurhalte- und Notbremsassistent oder der adaptive Tempomat allemal.

Ausgeglichenes Fahrwerk des Seat Leon

Im Cockpit des Seat Leon findet sich der Fahrer schnell zurecht
Im Cockpit des Seat Leon findet sich der Fahrer schnell zurecht © AG/Flehmer

Ausgestattet mit dem Siebengang-DSG werden die 250 Newtonmeter Drehmoment zwischen 1500 und 3500 Umdrehungen optimal verteilt, sodass die Gier auf ein schnelleres Vorankommen forciert wird. Das Fahrwerk - früher bei Seat häufig sehr sportlich ausgelegt - hat dagegen den richtigen Kompromiss zwischen Sportlichkeit und Komfort gefunden, sodass Unebenheiten des Asphalts gefiltert an die Insassen weitergegeben werden. Der Verbrauch nach einer langen Fahrt über knapp 1000 Kilometer in allen Geschwindigkeitsbereichen, siedelte sich bei guten 7,4 Litern ein.

Doch das Aggregat kann auch anders. Im Alltagsverkehr lässt es sich gut mitrollen. Wer besonders viel Fußspitzengefühl auf das rechte Pedal legt, profitiert von der Zylinderabschaltung des TSI, die auch den Verbrauch ein wenig absinken lässt. Allerdings sind wirkliche sanfte Streicheleinheiten gefragt, damit die Anzeige des “Zwei-Zylinder-Modus” nicht allzu schnell verschwindet. Im Laufe des Testzeitraumes spielte sich diese Feinfühligkeit immer besser ein, sodass sich der Verbrauch im Stadtverkehr unter guten sechs Litern bewegte.

Zwischen der Wohlfühlatmosphäre und den Annehmlichkeiten, den diese Variante des Leon vielen Fahrern und Mitfahrern zugefügt hat, liegen mindestens 23.800 Euro. Kommen noch die Sicherheitsfeatures oder das DSG hinzu, verlassen weitere rund 4000 Euro die Geldbörse. Und während früher die pinke Farbe in Eigenarbeit aufgetragen wurde, so müssen nun weitere 595 Euro investiert werden. Dafür fährt man dann ohne grelle Botschaft durch die Stadt, sondern reiht sich edel in den Verkehr ein - ohne an vergangene Botschaften zu denken.






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