24. Oktober 2017

Fahrbericht Anleihen beim Ateca Seat Arona: Kleiner Bruder mit großen Ansprüchen

Der Seat Arona ist die Crossover-Variante des  Ibiza Fotos ▶
Der Seat Arona ist die Crossover-Variante des Ibiza © Seat

Seat bringt nach dem Ateca das kleinere SUV Arona. Der kleine Bruder erhält zahlreiche Anlagen vom Kompakt-SUV und bereitet dem im kommenden Jahr folgenden Flaggschiff-SUV den Weg.




Von Thomas Flehmer

Kleines SUV ganz groß – und das gleich in mehreren Bereichen. Mit dem Arona bringt Seat das zweite SUV nach dem Ateca und nimmt erneut im Volkswagen-Konzern eine exponante Stellung ein. Denn die spanische VW-Tochter fährt der Riege der Mini-SUV aus dem Mehrmarken-Unternehmen voraus.

Wenn der im heimischen Martorell gebaute Arona am 4. November auf den Markt kommt, weist er dem T-Roc von VW sowie dem Skoda Karoq ebenso den Weg wie der vor einem knappen halben Jahr eingeführte Ibiza der Vorbote für den Polo war. Im Prinzip ganz einleuchtend, da der Arona sich die neue A0-Plattform des Modularen Querbau-Kasten (MQB) des Mehrmarkenkonzerns mit dem Kleinwagen teilt und somit auch zum ersten Crossover auf dieser Basis aufsteigt.


Arona zehn Zentimeter länger als Ibiza

Im Vergleich zum Ibiza wirkt der Arona aber fast schon wie eine Kompaktklasse. Mit 4,14 Metern ist das kleine SUV zehn Zentimeter länger und weist auch bei der Bodenfreiheit von 19 Zentimeter gleich fünf Zentimeter mehr an Höhe auf. Und ein Kofferraumvolumen von 400 Litern übertrifft den Ibiza um 45 Liter und klopft ebenfalls an ein Segment höher an. Der Radstand von 2,56 Metern ist beiden gleich.

Auch die Gestaltung des Innenraumes fällt fast deckungsgleich aus, wenn man von der erhöhten Sitzposition im Arona absieht, die aber sich nicht sehr stark von der im Ibiza unterscheidet. Im Cockpit ist die VW-DNA mit seinem Instrumentarium und Monitoren aktiv, doch kann die Gestaltung drumherum farbenfroh individualisiert werden. Und zugleich profitiert der Arona vom größeren Bruder Ateca. So halten Parkassistent, Totwinkel-Assistent, Ausparkassistent sowie Müdigkeitserkennung und automatische Distanzregelung Einzug von der höheren Klasse.

Arona avanciert zum kleinen Büro

Das Cockpit des Arona kann auch bunt gestaltet werden
Das Cockpit des Arona kann auch bunt gestaltet werden © Seat

Und auch die Konnektivität und Vollvernetzung wird ausgebaut – und das nicht nur, weil das Handy jetzt kabellos aufgeladen werden kann. So kommen das virtuelle Cockpit und die Sprachregelung Amazon Alexa ab dem kommenden Jahr zum Einsatz und erhöhen die digitalen Möglichkeiten, die nicht nur bei jungen Leuten immer mehr nachgefragt werden. Auf diese Weise avanciert auch der Arona zum kleinen Büro für Arbeit, Spaß und Freizeit, in dem die vorderen Personen über gut Platz verfügen, die hinteren sich mit ein bisschen weniger begnügen müssen.

Doch nicht nur innen weht der Geist des Ateca, auch die Außenhaut nimmt Anleihen beim großen Bruder. So sind die zarten Knicke in der Motorhaube ebenso ein Zeichen der Familienzusammengehörigkeit wie auch die Heckleuchten. Eigene Akzente setzt der Arona dagegen bei der individuellen Farbgestaltung. Insgesamt 68 verschiedene Farbkombinationen – darunter sehr markante – spiegeln den Trend zur Individualisierung wider.

Stärkerer Dreizylinder bevorzugt

Auch bei den Motoren treffen sich alte Bekannte wieder, die auch schon beim Ibiza zum Einsatz kommen. Zum Marktstart stehen die beiden ein Liter großen Dreizylinder mit 95 und 115 PS zur Verfügung, wobei die 20 PS schon für ein Mehr an Fahrfreude sorgen. Weniger in der Stadt – auch wenn der Sprint bei 9,8 Sekunden knappe zwei Sekunden schneller absolviert wird als mit dem Einstiegsbenziner. Über Land werden die Unterschiede deutlicher. Der stärkere Dreizylinder nimmt die Steigungen dynamischer und schafft mit einer Höchstgeschwindigkeit von 182 km/h fast unmerkbare neun Stundenkilometer mehr als der schwächer ausgestattete Benziner.

Der große Unterschied aber tritt beim Getriebe hervor. Während die Basisversion sich mit fünf Gängen begnügen muss, verfügt die Variante mit 115 PS noch über einen sechsten Gang oder sogar über ein Siebengang-Doppelkupplungsgetriebe. Am Verbrauch ändert das nicht viel. Für beide Versionen wurden Verbräuche über 4,9 Liter ermittelt.

Erdgasvariante ab 2018 für im Seat Arona

Eine gewisse Agilität ist dem Arona nicht abzusprechen
Eine gewisse Agilität ist dem Arona nicht abzusprechen © Seat

Aufgrund der überschaubaren Spritzigkeiten ist auch das Fahrwerk nicht auf Sportlichkeit eingestellt, sondern bietet einen guten Kompromiss zwischen Komfort und Dynamik. Der Arona kann durchaus agil um die Kurven gezogen werden, da das Lenkrad recht direkt agiert. In den höheren Ausstattungsvarianten FR und Xcellence kann ein optional bestellbares Dämpfersystem noch an den Stellschrauben des Fahrwerks drehen.

Dann aber sollte auf die entsprechende Motorisierung gewartet werden. Die könnte neben den beiden Dieseln mit 95 und 115 PS vor allem der 1.5 TSI mit 150 PS darstellen, der das Angebot bald erweitert. Für Sparfüchse hingegen bietet sich die Erdgasvariante mit 90 PS an, mit der rund 3,5 Kilogramm sowie wenig CO2 oder Nox und gar kein Feinstaub in die Luft geblasen werden.

Seat Arona ab 15.990 Euro

Doch viele Sparfüchse erwartet Seat Deutschland nicht. Das lässt sich schon an den Vorkonfigurationen erkennen. Lediglich drei Prozent werden die Basisvariante Reference wählen. Für die zweite Ausstattung Style entscheiden sich 31 Prozent. Der Löwenanteil greift bei den beiden höchsten Versionen FR (27 Prozent) und Xcellence (39 Prozent) zu.

Somit werden sich die Händler nicht über die 15.990 Euro Einstiegspreis freuen, sondern einige 1000 Euro mehr pro Einheit einkassieren. Schon der stärkere Dreizylinder kostet mindestens 19.220 Euro, der Vierzylinder 22.820 Euro. Und die Latte liegt hoch: 20.000 Einheiten will Seat in Deutschland vom Arona absetzen - ein Fünftel des Gesamtvolumens. Auch hier zeigt sich das kleine SUV ganz groß.






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