10. April 2014

Fahrbericht Ab 19.250 Euro Peugeot 308 SW: Verlängerte Erfolgsbestätigung

Der Peugeot 308 SW ist 33 Zentimeter länger als die Limousine. Fotos ▶
Der Peugeot 308 SW ist 33 Zentimeter länger als die Limousine. © Peugeot

Die Limousine hat es mit dem Titel "Car of the Year" vorgemacht. Doch auch der Kombi des Peugeot 308 kann den Erfolg selbst mit einem Dreizylinder-Benziner mehr als bestätigen.




Der erste Anblick des 308 löst keine überschwänglichen Emotionen aus, eigentlich ein gutes Zeichen. Denn polarisierende Autos sind alles andere als ein Garant für den Verkaufserfolg. Erfolge hingegen konnte der 308 bereits verbuchen, bevor er überhaupt Sichtbarkeit auf der Straße erlangt hat – Preise wie "Car of the Year 2014" sorgen immerhin für erhöhte Aufmerksamkeit in den Medien, und positive Berichterstattung kann der in letzter Zeit gebeutelte PSA-Konzern gut gebrauchen. Wie auch immer es um das finanzielle Polster von PSA bestellt sein mag, die Fähigkeit, gute Autos zu bauen, hat Peugeot offenbar noch nicht verloren.


Peugeot 308 SW als kleiner Bruder des 508

Schon der Einstieg in den ab 19.250 Euro lieferbaren 308 Kombi beginnt mit einer erfreulichen Erkenntnis: Nicht nur, dass der Innenraum schön aussieht, er liegt auch in Sachen Verarbeitungsqualität durchaus auf Augenhöhe mit der hiesigen Konkurrenz. Sämtliche Materialien machen einen soliden Eindruck und fassen sich auch gut an. Von schlechter Passgenauigkeit oder Knarzgeräuschen keine Spur.

Der 308 SW wirkt nicht unbedingt wie ein Vertreter der Kompaktklasse, was vornehmlich an seiner üppigen Größe und am Design liegt, das an den großen Bruder 508 erinnert. Doch auch wenn der Franzose zunächst schlicht daherkommt, Chefzeichner Gilles Vidal hat zusammen mit seinem Team für pfiffige Details gesorgt. Ziel war es offenbar nicht, einen nach Aufmerksamkeit schreienden Hingucker zu kreieren, sondern vielmehr einen eleganten Tourer, der im Gedächtnis bleibt. Markante Sicken, aber glatte Formensprache sind das Ergebnis. Die sanft in die Dachlinie integrierten Schienen der Reling führt Vidal als Beispiel für sein ausgeklügeltes gestalterisches Konzept an.

Auffällige Rücklichter für den Peugeot 508 SW

Die auffällige Graphik der Rücklichter soll außerdem den Wiedererkennungsfaktor untermauern – sogar aus 500 Metern Entfernung könne man den Dreihundertachter nachts erkennen, so der Designer. Die Kunden werden es wahrnehmen, wenn sie vor allem die praktischen Fähigkeiten des kleinen Riesen auskosten. Den Fondpassagieren dürften die elf Zentimeter Radstand-Plus im Vergleich zur Limousine angenehm auffallen, wenn ihre Knie überrascht den oft üblichen Kontakt mit den vorderen Lehnen suchen – aber keinen feststellen werden.

Bis zu 1660 Liter Kofferraumvolumen sind ein Wort, das höchstens die tschechische Konkurrenz streitig zu machen versucht, aber kaum übertrumpft. Eine Vielzahl praktischer Ablagen sorgt für eine aufgeräumte Landschaft. Aufgeräumt muten auch die Instrumentenoberflächen an, was dem Peugeot die Gunst der Designaffinen garantiert. Peugeot nennt es "i-Cockpit" und verbannt sämtliche Knöpfchen in den Bereich des Menüs, beherbergt von einem schick gestalteten Touchscreen (9,7 Zoll). Praktisch veranlagte Interessenten werden meckern, weil man selbst zur simplen Temperaturregelung einen Menüpunkt anwählen muss.

Peugeot 308 SW mit jetzt üblichen Assistenten bestückt

Zahlreiche Assistenten unterstützen den Fahrer
Zahlreiche Assistenten unterstützen den Fahrer © Peugeot

Freilich gibt es für den SW analog zur Limousine die jetzt üblichen Assistenten vom automatischen Bremssystem über den aktiven Tempomat bis hin zum Totwinkelwarner. Sie kosten zusammen 850 Euro Aufpreis und sind lediglich für die Top-Ausstattungslinien erhältlich. Genau wie auch die LED-Vollscheinwerfer, die das höchste Level immerhin frei Haus mitbringt.

Der radargesteuerte Geschwindigkeitsregler lässt die Bremsen nicht ganz so massiv zupacken wie die Ausführungen der Konkurrenz und schaltet rasch ab, wenn sich ein anderer Verkehrsteilnehmer kurzerhand in die Lücke quetscht.

Gute Laufkultur des Dreizylinders

Der Kombi ist 33 Zentimeter länger als die Limousine des Peugeot 308
Der Kombi ist 33 Zentimeter länger als die Limousine des Peugeot 308 © Peugeot

Die erste Probefahrt absolvieren wir mit der neuen Benzin-Version. Es handelt sich um die taufrische "Puretech"-Generation mit nur 1,2 Litern Hubraum und drei Zylindern. Bei Kleinwagen mag das ja in Ordnung gehen, aber in der Kompaktklasse sind die Anforderungen an Geräuschkomfort und Laufkultur natürlich höher, da ist es fraglich, ob 4,7 Liter Verbrauch (109 g CO2) über den einen fehlenden Kolben hinwegtrösten.

Das übliche Sirren dieser Triebwerk-Bauart bleibt aus, stattdessen vernimmt der Fahrer einen satten Maschinenton mit charakteristischer Klangnote. Wer das Sportpaket (450 Euro) ordert, kann mittels Tastendruck nachschärfen – dann wird per Lautsprecher ein etwas kernigerer Sound eingespielt. Vibrationen bleiben aus, der Direkteinspritzer benimmt sich ordentlich und leistet gute Arbeit in der Kompaktklasse.

Sparsame Diesel für den Peugeot 308 SW

Die Diesel des Peugeot 308 SW erreichen Euro 6
Die Diesel des Peugeot 308 SW erreichen Euro 6 © Peugeot

Mit 96 kW/130 PS ist der ausladende 4,59 m-Brocken gut motorisiert; der sanft einsetzende Lader zaubert das Gefühl eines deutlich größeren Saugers und sorgt mit 230 Nm schon ab 1750 Touren für ansehnliche Zugkraft. Das gut schaltbare Sechsganggetriebe kann, muss aber nicht allzu fleißig bedient werden. Bei Bedarf zieht der Otto den SW auch im großen Gang die Steigung hinauf.

Beim Antrieb nimmt PSA weitere Modifikationen vor und streicht das bisher übliche automatisierte Schaltgetriebe mit Ruckelgarantie aus der Liste. Für das Diesel-Topmodell (zwei Liter Hubraum und 110 kW/150 PS) kommt gegen 1200 Euro Aufpreis eine sechsstufige Wandlerautomatik zum Einsatz. Das Getriebe erweist sich nach ausführlichen Testfahrten als durchaus geschmeidig in den Übersetzungswechseln und empfiehlt sich für Langstrecken-Nutzer.

Dank 370 Nm Drehmoment ab 2000 Touren kommt der vorerst stärkste HDI hurtig voran und wird bis zu 209 km/h schnell. Im Gegenzug begnügt er sich mit runden vier Litern Kraftstoff (108 g CO2/km), was als sparsam durchgeht. Sämtliche Diesel im 308, bis auf die derzeit noch lieferbare 115 PS-Ausbaustufe, erreichen inzwischen die Euro 6-Norm – ein SCR-Kat in Verbindung mit Harnstoffeinspritzung ist obligatorisch. Als wahrer Kostverächter geht die Ausgabe mit 88 kW/120 PS (1,6 BlueHDI) durch – sie soll lediglich 3,2 Liter/100 km konsumieren und 85 g CO2 emittieren. Keine Frage, dass auch ein Start-Stopp-System durchweg serienmäßig ist. (SP-X)






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