8. Mai 2015

Fahrbericht Sportlicher Kompakt-Kombi Peugeot 308 GT SW: Angriffslustiger Löwe

Der Peugeot 308 GT SW ist der derzeit stärkste Kompakte aus Sochaux.
Der Peugeot 308 GT SW ist der derzeit stärkste Kompakte aus Sochaux. © Peugeot

Peugeot hat den 308 SW in einen Familiensportler umgewandelt. Die GT-Variante markiert derzeit die Leistungsspitze des „Auto des Jahres“, doch die Franzosen wollen sogar noch nachlegen.




Peugeot hat Probleme, besonders in Deutschland. Der zweitälteste noch aktive Autobauer feiert gerade sein 125-jähriges Jubiläum, verliert aber an Marktanteil, auch weil die Marke kein eigenes Gesicht mehr zeigt. Dagegen vorgehen wollen die Franzosen mit sportlichen Typen wie dem 308 GT. Bei ihm prangt der Löwe wieder wie früher angriffslustig auf dem Kühlergrill, zugleich ist dieser Peugeot erster Protagonist des neuen Markenclaims „Impress yourself“.


Peugeot will bei Leistung noch nachlegen

Ganz so wild wie der langmähnige Peugeot-Fahrer, der sich in den Anzeigen von einem 308 GT beeindrucken lässt, ist der derzeit stärkste Kompakte aus Sochaux aber doch nicht. Das zeigt sich beim Motorenangebot aus fast noch bürgerlichem 151 kW/205 PS-Benziner (ab 29.950 Euro als fünftürige Limousine bzw. 31.100 Euro als SW-Kombi) und 133 kW/181 PS entwickelndem Diesel (Fünftürer ab 32.000 Euro, Kombi ab 33.150 Euro).

Allerdings will Peugeot nachlegen, kräftigere Löwenmodelle wetzen bereits die Krallen, um ab Herbst gegen Racer wie den VW Golf R zu bestehen. Bis dahin markiert der besonders als Kombi interessante 308 GT den Leistungszenit. Bietet er doch eine Alleinstellung als Raumriese: Mit 610 Liter Ladevolumen bei voller Bestuhlung übertrifft er die Konkurrenz um mindestens 20 Prozent, teilweise sogar um das Doppelte!

Peugeot 308 GT SW kein Schnäppchen

Der Peugeot 308 GT SW punktet mit üppiger Serienausstattung
Der Peugeot 308 GT SW punktet mit üppiger Serienausstattung © Peugeot

Für so viel Platz im 4,59 Meter langen Eilfrachter müssen Familienväter und Freizeitsportler allerdings mehr bezahlen, als die Konkurrenz verlangt. Zumindest beim Basispreis fordert Peugeot nämlich gegenüber dem Wettbewerb einen Aufschlag von bis zu 7000 Euro. Nur Premium-Modelle wie der Mercedes CLA Shooting Brake sind noch teurer. Alle anderen, darunter Skoda Octavia Combi RS, Ford Focus Turnier ST oder Renault Mégane Grandtour TCe 220 locken mit niedrigeren Kosten bei oft mehr Power.

Zum Ausgleich bietet Peugeot eine üppige Serienausstattung mit Navigation, Tempomat und LED-Scheinwerfern. Features, die sonst oft extra bezahlt werden müssen, ebenso wie die beim Diesel serienmäßige Sechsgangautomatik. Sparen beim Fahren lässt sich mit dem Peugeot-Kombi zudem durch günstige Verbrauchswerte, die im Normzyklus beim Diesel mit 4,1 Liter auf 100 Kilometer sogar Klassenrekord sind und beim Benziner mit 5,8 Liter ebenfalls zu den Besten zählen.

Peugeot 308 GT SW dank Automatik ein Gleiter

Bei unseren Testfahrten waren es immer noch genügsame sieben bzw. neun Liter, denn wir gaben dem 308 GT die Sporen auf freien Autobahnen und den einsamen Bergsträßchen von Pfälzerwald und Nordvogesen. Andererseits stellten die schnellsten aller aktuellen Peugeot-Kombis aber klar: Dem Tempo und Temperament wirklich sportlich-rasanter Rivalen sind sie nicht gewachsen.

Was zwar beim 308 SW mit 1,6-Liter-Benziner nicht ganz so relevant ist (Vmax 235 km/h, 0-100 km/h in 7,6 Sekunden), den Diesel-SW aber etwa dem VW Golf Variant GTD hinterher hecheln lässt. Tatsächlich ist es die sanft schaltende Automatik, die den Diesel-GT zum Gleiter macht, der sich mit 218 km/h und 8,6 Sekunden bescheidet.

Keine Zurückhaltung des Peugeot 308 GT SW im Sportmodus

Im Sportmodus dreht der Peugeot 308 GT SW auf
Im Sportmodus dreht der Peugeot 308 GT SW auf © Peugeot

Keinerlei Zurückhaltung gibt sich das Franzosen-Duo dagegen beim Fahrerlebnis mit aktivierter Sporttaste. Dann wird der eigentlich dezente Sound des Selbstzünders in einen fauchenden V8 verwandelt, jedenfalls simuliert die Elektronik ein solches Klangbild. Nicht ganz so energisch brüllt der Benziner, aber auch er vermittelt den Peugeot-Passagieren selbst im dichtesten Großstadtgewühl Racing-Gefühl.

Natürlich schärft der Sportschalter auch das Fahrerlebnis. Während die Servolenkung nun unnötigerweise mehr Kraftaufwand verlangt, reagiert das Gaspedal spürbar sensibler, beim Diesel reduziert die Automatik die Schaltzeiten beim Gangwechsel, die Skalen der Rundinstrumente glühen rot und auf Abruf lassen sich die G-Kräfte anzeigen.

Sportlicher Komfort im Innenraum des Peugeot 308 GT SW

Die Fahrwerkseinstellung ändert die Sport-Taste zwar nicht. Aber der ohnehin straffere GT hat das ungeschliffene Wedeln im Visier, wovon uns der Kombi bei der wilden Jagd über winklige Wege überzeugte. Der Spaßfaktor kann dabei durchaus so groß werden, dass es manchmal ganz gut ist, wenn die Kombi-Rückbankbesatzung nach Mäßigung ruft. Zumal das ESP beim 308 GT überraschend spät eingreift. Rote Sitznähte, Aluminiumpedale und ein Metallicblau im Stil früherer Rennlackierungen sind optische Freudenspender und lassen das Manko an Temperament vergessen.

Einfach nur nützlich sind zudem die Talente, die auch alle 308 SW ohne GT-Signet bereithalten. Etwa die genannte große Gepäckkapazität, die durch eine Vielzahl praktischer Ablagen ergänzt wird und so im vorbildlich fahrgeräuschgedämmten Passagierabteil für eine aufgeräumte Landschaft sorgt. Oder die schlanke und nach Eingewöhnung überzeugende Cockpit-Gestaltung mit oben, im direkten Sichtfeld platzierten Instrumenten und darunter befindlichem, handlich-kleinem Lenkrad. (SP-X)






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