11. Januar 2017

Fahrbericht Geräumiger Kompakt-Van Opel Zafira 2.0 CDTI: Versteckspiel auf neun Quadratmetern

Der Opel Zafira bietet nicht nur viel Platz Fotos ▶
Der Opel Zafira bietet nicht nur viel Platz © AG/Flehmer

Nicht nur schusselige Professoren haben beim Opel Zafira keine Chance. Der Kompaktvan aus Rüsselsheim bietet so viel Platz, dass einmal verlegte Gegenstände erst einmal versteckt bleiben.




Von Thomas Flehmer

Es hat etwas von Ostern. Kontinuierlich tauchen Gegenstände auf, die der Kollege, der den Testwagen zuvor pilotiert hatte, verlegt und vergessen oder einfach nicht mehr gefunden hatte. Kein Wunder, der im letzten Jahr facegeliftete Opel Zafira scheint über noch mehr Ablagen als früher zu verfügen – mehr als 30 sind es auf gut neun Quadratmetern.

Diesen Eindruck unterstreicht die verschiebbare Mittelkonsole zwischen Fahrer- und Beifahrersitz, FlexRail genannt. Dort können neben den Cups in ihren Holdern noch andere Dinge verschwinden. Da sich die FlexRail auf einer Schiene hin- und her bewegen lässt, öffnet sich unter den Schienen auch der Raum zu den Sitzen. Wer also etwas zwischen den Sitzen platzieren möchte, sollte aufpassen, dass es nicht durch den Spalt fällt und somit unter den Sitzen verbleibt, bis es einer mal zufällig findet.


OnStar sucht das Navi

Das Versteckspiel geht weiter. Auf der Suche nach einem USB-Anschluss sollte Geduld aufgebracht oder gleich das Handbuch aufgeschlagen werden. Eine kleine Klappe unterhalb des neuen sieben Zoll großen Touchscreen des Multimediasystems und der Klimaanlage beherbergt den Slot an Bord. Die Suche nach weiteren USB-Anschlüssen ist dann nicht mehr schwer. Es gibt keine weiteren, was angesichts des Angebotes eines WLAN-Hotspots über das OnStar-System für bis zu sieben Endgeräte verwundert.

Das vor gut 15 Monaten eingeführte Telematiksystem, das auch den ab März 2018 vorgeschriebene Notruf eCall beinhaltet, führt zu einem weiteren Versteckspiel. Denn wer den Serviceassistenten bemüht, um über das in Luton befindliche Call-Center eine Adresse ins Navi einspeisen zu lassen, wird auch nach einiger Zeit aufgeben müssen. Der bemühte Mitarbeiter, der immerhin über Öl, Wasser und Co. des Wagens Auskunft erteilen könnte, war schon fast am Verzweifeln, ehe er mitteilte, dass der Zafira über kein fest installiertes Navigationssystem verfüge und er nicht weiterhelfen könne.

Gute Sicht durch die Panorama-Windschutzscheibe

Die zahlreichen Knöpfe sind verschwunden
Die zahlreichen Knöpfe sind verschwunden © AG/Flehmer

Wer dann das Glück hat, den einzigen USB-Port zu belegen, ist auch per Smartphone für die Navigation zuständig. Das hat in früheren Zeiten geklappt und klappt auch heute noch. Zumal sich der Fahrer auch an den Wegweisern ausrichten könnte. Denn der Zafira besitzt eine riesige Panorama-Windschutzscheibe – ähnlich wie der Citroen C4 Picasso, der ja in diesem Jahr zum Plattformbruder bei der Kooperation mit PSA Peugeot Citroen aufsteigen wird.

Überhaupt ist auf den 4,67 Metern Länge und 1,93 Metern Breite viel Platz für Glas und die damit verbundene gute Übersicht. Ein Panorama-Glasdach tut sein Übriges dazu. Und eine sehr gute Rückfahrkamera bietet ein spielerisch leichtes Einparken.

Doch nicht nur die Fahrer, auch die übrigen Insassen des Fünfsitzers erfreuen sich über die gute Aussicht auch in der zweiten Reihe, in der auch viel Platz vorherrscht. Sehr variabel sind die verschiebbaren Sitze zu händeln. Je nach Bedarf kann der Zafira auch in einen Viersitzer verwandelt werden. Das Kofferraumvolumen steigt von bereits sehr guten 710 Litern auf 1860 Liter.

Opel Zafira avanciert zur Sänfte

Der Opel Zafira garantiert entspanntes Gleiten
Der Opel Zafira garantiert entspanntes Gleiten © AG/Flehmer

Ob zu viert oder zu fünft, der Zafira entpuppt sich auf der Fahrt fast schon als Sänfte. Fahrwerk und Getriebe kratzen bei Opel typisch am Optimum, sodass Unebenheiten der Straßen gut gefiltert werden und ein komfortables Fahren ermöglichen. Auch die 170 PS des zwei Liter großen Diesels ermöglichen zwar ein flottes Vorankommen, verwandeln den Zafira aber keinesfalls in einen Sportler. 400 Newtonmeter sowie eine Spitzengeschwindigkeit von 205 km/h und ein Sprintvermögen über 10,1 Sekunden können sich sehen lassen.

Und auch hier gibt es noch ein Versteck, soll doch der Van als Diesel sehr viel mehr Schadstoffe ausstoßen als angegeben. Aus den auf der Rolle ermittelten 4,2 Litern wurden alltagstaugliche 6,4 Liter, was für den Kompaktvan kein schlechter Wert ist. Wer aber sich diesem Versteckspiel entziehen möchte, sollte dem 1,6 Liter großen Turbo-Benziner mit 200 PS den Vorzug geben.

Opel Zafira 2.0 CDTI ab 30.795 Euro

Hinten öffnet sich ein großer Schlund
Hinten öffnet sich ein großer Schlund © AG/Flehmer

Dieser kostet mindestens 29.495 Euro, die Dieselvariante 1300 Euro mehr. Wer dann noch die Variante Innovation wählt mit zahlreichen Annehmlichkeiten auf der Komfort und Assistenzebene oder den zahlreichen Angeboten auf der Aufpreisliste fängt mit dem Versteckspiel schon vor dem Kauf an, ehe er dann den für sich richtigen Zafira findet. Auch das hat etwas von Ostern.

Epilog: Zwei Tage nach der Abgabe des Testwagens rief ein Vertreter aus Rüsselsheim an. Man hätte im Zafira noch etwas gefunden, wem das denn gehören würde . . .






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