23. September 2015

Fahrbericht Marktstart am 10. Oktober Opel Astra K: Ein Kompakter setzt zum Sprung an

Opel hat die fünfte Astra-Generation komplett neu gestaltet. Fotos ▶
Opel hat die fünfte Astra-Generation komplett neu gestaltet. © Opel

Der neue Opel Astra rauscht förmlich in neue Sphären. Die komplett neu gestaltete elfte Kompaktklassengeneration der Rüsselsheimer lässt den uneinholbaren VW Golf als Zielpunkt aus und schickt den mittlerweile fünften Astra auf neue Missionen.




Von Thomas Flehmer

Es passt, dass Opel im Hinblick auf den neuen Astra vom Quantensprung spricht und damit bei der mittlerweile elften Kompaktklassengeneration der Rüsselsheimer seit 1936 zum großen Wurf ansetzen will. Der bereits fünfte Astra mit dem Buchstaben K nach insgesamt sechs Kadett-Generationen soll komplett erneuert bei den oberen Segmenten anklopfen. Dass beim neuen Kompakten, der am 10. Oktober in den Markt eingeführt wird, das so genannte Januswort „Quantensprung“ auch seine ursprüngliche physikalische Bedeutung des kleinen Übergangs beibehält, wird ebenso deutlich: Denn der ewige Spitzenreiter VW Golf wird auch vom Astra K nicht vom Thron gestoßen werden, auch wenn der Bestseller aus Rüsselsheim Gadgets mit sich führt, die die schon betagtere aktuelle Golf-Generation noch nicht aufweist.


Überzeugendes LED-Matrix-Licht im Opel Astra

So hält erstmals im Kompakt-Segment ein LED-Matrix-Licht Einzug, das dauerhaftes Fernlicht garantiert, aber den Gegenverkehr und andere Verkehrsteilnehmer dabei automatisch ausblendet. Das System, das sonst in den oberen Segmenten angeboten wird, funktioniert sehr beeindruckend und kostet bei einem Aufpreis von 1150 Euro sogar 50 Euro weniger als das Xenon-Licht AFL+ der noch aktuellen Generation des Astra J.

490 Euro kostet das OnStar-System, das in den USA schon seit knapp zwei Jahrzehnten bei der Opel-Mutter General Motors eingesetzt wird und nun im Astra Europa-Premiere feiert. In den beiden höchsten Ausstattungsvarianten gehört das System zur Serie. Neben einem Concierge-Dienst, dessen Mitarbeiter dem Fahrer automatisch das gewünschte Ziel einstellen, ist auch eine Notruftaste mit an Bord, die ab 2018 in jedem Neuwagen in Europa vorhanden sein muss. In einzelnen Ländern steht ein WLAN-Hotspot zur Verfügung, zudem kann das Auto per App von jedem Punkt der Welt geöffnet oder geschlossen werden oder auch im Falle eines Diebstahls von der Polizei lokalisiert werden.

Opel Astra mit WLAN-Hotspot und Notfalltaste

Natürlich schneien – wie bereits geschehen – so zahlreichen Hackern diverse Anforderungen ins Haus. Und auch wenn die Hersteller sich um volle Datensicherheit bemühen, wird die Konnektivität vom steten Wettrennen zwischen Software-Entwicklern und Software-Entschlüsslern begleitet werden. Der Service, der im ersten Jahr noch kostenfrei ist, muss anschließend für 99 Euro pro weiteres Jahr bezahlt werden. Rund 65 Prozent der Kunden werden bei dem System zugreifen, mit dem per Hotspot natürlich auch Videos geschaut werden können, sodass auch Kinder während einer längeren Fahrt ruhig auf den Rücksitzen bleiben.

Dort haben sie zudem mehr Platz. Zwar hat der 4,37 Meter lange Astra in der Länge um knapp fünf Zentimeter und in der Höhe um 2,5 Zentimeter abgenommen, zugleich wuchs die Beinfreiheit um 35 Millimeter und die Kopffreiheit um 22 Millimeter. Auch erwärmt werden können die Sitze hinten, während für die vorderen Sitze nun auch eine Massagefunktion zur Verfügung steht – auch nicht üblich im Kompakt-Segment.

Opel Astra verliert bis zu 200 Kilogramm

Das Cockpit hat Knöpfe und Schalter verloren
Das Cockpit hat Knöpfe und Schalter verloren © Opel

Weniger in Richtung obere Segmente ist die Inneneinrichtung gelungen. Zwar ist die mit Knöpfen und Schaltern überfrachtete Mittelkonsole sinnvoll auch durch einen acht Zoll großen Touchscreen entfrachtet worden, aber die Anmutung mit Hartplastik und solide gestalteten Instrumenten hinkt anderen Lösungen hinterher, auch wenn das Klageniveau sich dabei schon in höheren Sphären befindet. Und wir bleiben in den Höhen. Eine Frontkamera bündelt zahlreiche Fahrsicherheitssysteme.

So kann die Fahrt genossen werden. Die Sitze mit dem Gütesiegel „Aktion Gesunder Rücken“ werden die Fahrer noch jahrelang erfreuen und genügen Kontur bieten, das Fahrwerk ist ebenso wie die Lenkung mehr auf Komfort ausgerichtet ohne dabei schwammig zu wirken. Diverse Fahrwerkseinstellungen bis hin zur Sportlichkeit gibt es nicht, aber sie fehlen auch nicht. Auch wenn der K im Vergleich zum J dank eines Gewichtverlustes von bis zu 200 Kilogramm sehr viel sportlicher bewegt werden kann und die Kurven sehr viel dynamischer nimmt. Ein spürbarer Unterschied ist deutlich bemerkbar, wenn man beide Modelle hintereinander mal fahren kann.

Opel Astra mit agilem Dreizylinder

Opel senkte auch den cW-Wert des Opel Astra
Opel senkte auch den cW-Wert des Opel Astra © Opel

Der Gewichtsverlust führt natürlich auch zu mehr Sparsamkeit – aber nicht nur er. Die Verringerung der Höhe erbrachte einen cW-Wert von 0,285, nachdem der Vorgänger noch mit 0,32 mehr gegen die Strömung ankämpfen musste. Eine Abrisskante am Heck sowie eine erhöhte Hinterachse sorgen für eine bessere Strömung. Und natürlich sorgt auch das komplett neue Motorenprogramm mit einem Spektrum zwischen zunächst einmal 95 und 200 PS für Verbrauchseinsparungen.

Auch beim Astra hat dabei der ein Liter große Dreizylinder mit 105 PS Einzug gehalten, der bereits im Corsa und Adam zum Einsatz kommt und sich mit 4,2 Litern Verbrauch auf 100 Kilometern und 96 Gramm CO2-Ausstoß pro Kilometer zufrieden gibt. Der kleine Dreier zeigte sich dabei sogar bei der Berg- und Talfahrt in den kleinen Karpaten recht lauffreudig und hat gute Chancen, einer der Besteller in der Astra-Reihe zu werden – zumal der 1.0 Ecotec Direct Injection Turbo mit einem Einstiegspreis von 17.940 Euro gerade einmal 700 Euro mehr als der 100 PS starke Basisbenziner kostet, der das Lockangebot darstellt. Ob der kleine Dreizylinder dann auch noch so eine gute Rolle bei der ab Frühjahr 2016 zur Verfügung stehenden Kombiversion Sports Tourer spielt, muss abgewartet werden.

Das Heck des Opel Astra ist schnittiger gestalet
Das Heck des Opel Astra ist schnittiger gestalet © Opel

Die Opelaner indes favorisieren den 1.4er mit 150 PS, der mit Sechsgang-Schaltgetriebe bei 22.560 Euro beginnt und mit dem man mehr als ausreichend motorisiert ist und sogar Fahrspaß geboten bekommt, ohne gleich zur 200 PS starken Topmotorisierung greifen zu müssen. Bei den Selbstzündern verspricht der 136 PS starke Top-Diesel am meisten Fahrspaß.

Die Gene für den Quantensprung sind gelegt – aber bei dem Januswort Quantensprung wird die Erfüllung so oder so eintreten: Der neue Astra nähert sich dank seiner nahezu kompletten Neuerschaffung den oberen Segmenten an, wird dabei aber nur einen kleinen Übergang in Richtung VW Golf schaffen.






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