3. Juli 2014

Fahrbericht Neue Motorenfamilie Opel Astra GTC 1,6 CDTi: Auf leisen Sohlen

Der Opel Astra ist mit dem neuen Diesel besonders leise unterwegs.
Der Opel Astra ist mit dem neuen Diesel besonders leise unterwegs. © Opel

Das Nageln vergangener Jahrzehnte ist vorbei. Beim Opel Astra GTC 1,6 CDTi müssen schon Radio und Lüftung ausgeschaltet werden, um den Selbstzünder herauszuhören.




Es ist tatsächlich schon rund ein halbes Jahrzehnt her, als der aktuelle Opel Astra auf die Straßen gelassen wurde. Das sieht man dem Kompakten aus Rüsselsheim gar nicht an, er ist optisch voll auf der Höhe. Vor allem der dreitürige GTC besticht durch seine hübsch gestaltete Außenhaut mit betont sportlichem Einschlag. Der neue, bereits seit einiger Zeit im Bau befindliche Voll-Aluminium-Diesel überzeugt längst in Meriva und Zafira Tourer als eines der leisesten Triebwerke seines Segments. Nun kommt auch der Astra in den Genuss des taufrischen 1,6-Liters (ab 20.640 Euro) und soll die langsam, aber sicher alternde untere Mittelklasse frisch halten. Mit einer Leistung von 100 kW/136 PS respektive 81 kW/110 PS ist man keineswegs mager motorisiert; das Drehmoment von 320 Nm beziehungsweise 300 Nm verspricht bereits auf dem Papier attraktive Fahrleistungen bei ebenso attraktiven Verbrauchswerten (ab 3,7 Liter/100 km und 97 g CO2/km).


Kaum Motorengeräusche im Opel Astra GTC vernehmbar

Vor allem kurz nach dem Start erkennt man den Selbstzünder an der Klangfarbe. Doch nach ein paar Metern Fahrt schon arbeitet er derart unauffällig, dass man Lüftung und Radio ausschalten muss, um ihn herauszuhören. Im Alltag geht die Maschine völlig unter in den Nebengeräuschen von Musik, Straßenverkehr, Unterhaltung und insbesondere Wind spätestens bei höheren Tempi.

Sanft dreht der Vierzylinder bis etwas über 2000 Touren – höher muss er nicht unbedingt, denn dann flacht die Drehmoment-Kurve wieder ab. Also ruhig zügig durchschalten bis in den Sechsten. Hier könnte mal Hand angelegt werden; die Übersetzungen rasten zwar recht leichtgängig ein, nur in puncto Präzision ist das Optimum noch nicht erreicht. Doch der 136 PS-Astra ist kein Sportler, und demnach muss man ihn gar nicht schalten können wie einen durchtrainierten Athleten. Komfort aber ist sehr wohl ein Thema in dieser Fahrzeugkategorie.

Optimales Fahrwerk des Opel Astra GTC

Die Mittelkonsole des Opel Astra wirkt immer noch überfrachtet
Die Mittelkonsole des Opel Astra wirkt immer noch überfrachtet © Opel

Und jetzt schlägt die Stunde des Rüsselsheimers. Denn dessen Fahrwerk, optional auch mit variabler Dämpfung, beherrscht den Spagat zwischen drahtiger Fortbewegung und kommodem Federungsverhalten besser als die meisten Wettbewerber, auch wenn diese aus Ingolstadt oder Wolfsburg kommen. Es muss definitiv nicht immer knüppelhart sein; dass der Astra langwellige Verwerfungen im Zaum halten kann, nimmt man ihm sowieso ab – aber seine Dämpfer parieren auch heftige Frostaufbrüche derart wirkungsvoll, dass man geradezu wild darauf wird, über Schlechtwegestrecken zu fahren, um sie immer wieder auf die Probe zu stellen.

Feine Stühle mit straffer, aber auf langen Strecken dennoch bequem anmutender Polsterung kommen dieser Ausrichtung entgegen, da ist es fast egal, ob die Kofferräume mancher Wettbewerber ein paar Literchen mehr schlucken oder nicht, wer packt seine Taschen schon derartig dicht? Die Bedienung zugunsten vieler Knöpfchen und mit etwas weniger Menü-Anteil gelingt durchaus intuitiv, ob man das Layout der Konsole mit den eng aneinandergereihten Tasten nun mag oder verachtet. Der TFT-Monitor ist nicht wegzudenken aus einem modernen Kompaktfahrzeug, und er ist auch im Astra zuständig für die Darstellung der Straßenkarte sowie andere Informationen.

Faire Aufpreise von Opel für Assistenzsysteme

Alternativ offeriert Opel den neuen Diesel auch mit 81 kW/110 PS. Diese Variante ist 1600 Euro günstiger. Das Drehmoment-Plus des stärkeren Diesels fällt mit 20 Nm jedenfalls moderat aus, dafür ist die Beschleunigung mit 1,7 Sekunden weniger bis Landstraßentempo spürbar feuriger. Die Basis ist ohne Frage träger unterwegs, aber nicht untermotorisiert, während der stärkere Kandidat bei forciertem Einsatz des rechten Pedals inklusive etwas Lenkwinkel durchaus Schlupf an den Vorderrädern produzieren kann, wenngleich auch er kein Sprinter ist.

Zu guter Letzt sei noch einmal ein Blick auf die Ausstattungsliste geworfen – und da ist noch mächtig Spielraum. Gerade im Bereich der Assistenzsysteme lässt sich Opel nicht lumpen und bietet gegen faire 700 Euro Mehrpreis Dinge wie Frontkollisionswarner, Spurhalte-Alarm und Verkehrszeichen-Erkennung. Weitere 1250 Euro bescheren Xenonlicht mit variabler Einstellung. Die Scheinwerfer unterscheiden zwischen verschiedenen Straßenarten, darunter Autobahn, Land- sowie Spielstraßen und berücksichtigen auch noch schlechte Witterung. Eine gute Nachricht auch für Käufer mit Hang zur Flexibilität: Die neue Dieselmotor-Generation ist für sämtliche Karosserievarianten lieferbar, also für das Coupé GTC genauso wie für die konventionelle Limousine und den Kombi. (SP-X)






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