25. November 2016

Fahrbericht Selbstzünder mit 177 PS Nissan X-Trail: Rustikaler Geselle

Der Nissan X-Trail erhält einen Diesel mit 177 PS
Der Nissan X-Trail erhält einen Diesel mit 177 PS © Nissan

Nissan hat den X-Trail mit einem neuen Zweiliter-Diesel ausgestattet. Was der neue Motor in diesem SUV der Japaner zu bieten hat, zeigt unser Fahrbericht. Freunde des Rustikalen können sich freuen.




Nissan hört auf seine Kunden, denn deutlich über 50 Prozent der Kunden wollten den X-Trail als Automatik mit Allrad und Diesel. Und genau das bieten die Japaner jetzt mit dem neuen 130 kW/177 PS starken Triebwerk. Mindestens 36.490 Euro werden für diese Option fällig, während der Spritverbrauch mit rund sechs Litern noch immer moderat ausfallen soll. Freilich verweigert der Hersteller den neuen Zweiliter auch den Schaltfans nicht – dann hat man rund 2000 Euro gespart.

Der jetzt im X-Trail werkelnde Vierzylinder ist übrigens ein Renault-Gewächs. Und zwar handelt es sich um jenes Aggregat, das in den letzten Jahren bereits diverse Modelle des französischen Konzerns angetrieben hat, aber jetzt haben die Entwickler den Selbstzünder überarbeitet – 20 Prozent der Teile sind neu. Es dürfte vor allem darum gegangen sein, das Kraftpaket fit für die Euro 6-Abgashürde zu machen.


Rustikaler Geselle

Zeit für eine erste Proberunde. Nach Betätigung des Startknopfes wird schnell klar: Der Vierzylinder ist ein rustikaler Geselle und denkt gar nicht erst daran, sein Dieseldasein akustisch zu vertuschen. Fast schon ein erfrischender Gegenpol zum glattgeschliffenen Design moderner SUV, wie es auch der X-Trail einer ist. Aber bleiben wir zunächst beim Motor. Der 380 Nm-Brocken hat mit dem 1,7-Tonner leichtes Spiel, zumindest nach Überwindung seiner Anfahrschwäche.

So kann es passieren, den Schalter ungewollt abzuwürgen. An Steigungen rollt er zudem gerne auch mal zurück. Hier könnten die Techniker noch etwas Arbeit in die Berganfahr-Kontrolle stecken. Der Aufpreis für die Automatik ist also gut angelegt. Das stufenlose Getriebe macht einen wirklich angenehmen Eindruck – der Anfahrkomfort überzeugt, die Übersetzungsübergänge sind naturgemäß butterweich, und der gefürchtete Gummiband-Effekt bleibt aus, da die Ingenieure Stufen simulieren. Jetzt kann man den Zweiliter richtig genießen, der zwar beim Durchbeschleunigen eine halbe Sekunde später Landstraßentempo erreichen soll als die Ausgabe mit mechanischem Getriebe, aber das ist in der Praxis unerheblich. Zumal der X-Trail ohnehin kein ausgewiesener Sprinter ist.

Viel Platz im Innenraum

Schön dagegen, dass der erstarkte Kraxler bereits auf leichten Gaspedaldruck aus dem Drehzahlkeller heraus füllig an Tempo zunimmt und somit zu den Elastizitäts-Profis gehört. Darüber hinaus gehört er auch noch zu den Nutzwertprofis, bietet Raum in Hülle und Fülle. Bei umgeklappten Sitzen passen fast 2.000 Liter in den Kofferraum – welche Autos halten schon derartig viel Ladevolumen bereit? Und auch an die menschliche Fracht wurde gedacht beispielsweise mit einer verschiebbaren Rücksitzbank. So muss man in der zweiten Reihe nun wirklich keine Not leiden und kann die Beine (auch längere Ausführungen davon) genüsslich ausstrecken.

Nur die Passagiere in der mindestens 500 Euro dritten Sitzreihe würden wohl nicht unbedingt freiwillig auf Langstrecke gehen, aber das ist ja ganz normal. Bei der Allradkompetenz ist der X-Trail logischerweise nur ein Semiprofi und verzichtet aus gegebenem Anlass auf eine Reduktion – in der Praxis fährt eben fast niemand in unwegsames Gefilde. Per Drehschalter kann man die Kraftverteilung fixieren, und dass der Nissan auch in puncto Achsverschränkung recht ordentlich abschneidet, zeigen die Experten bei der Vorstellung auf einer präparierten Geröllpiste.

Überzeugendes Navi

Der Nissan macht im Gelände eine gute Figur
Der Nissan macht im Gelände eine gute Figur © Nissan

Bleibt der Blick in den Innenraum. Hier gibt es sachliche Hausmannskost statt Sterne-Menü. Die Architektur ist aber sauber verarbeitet, und manch einer wird sich freuen, dass er die Sitzheizung einfach per Tastendruck über einen altmodischen Kippschalter aktiviert statt fünf Minuten im Menü des Touchscreens herumzuirren. Dennoch bietet der Nissan auch einen Touchscreen. Mit einem sehr überzeugenden Navigationssystem noch dazu, das Zieleingaben schnell verarbeitet und präzise führt. Für die Infotainment-Befriedigung müssen der Bildschirm in der Mittelkonsole sowie ein kleines TFT-Feld zwischen den klassischen Rundskalen im Kombiinstrument reichen, da ist der X-Trail konservativ gestrickt.

Progressive Einstellung dagegen bei der Sicherheit – autonomes Bremssystem, Spurhalte-Warner und Verkehrszeichenerkennung zählen sogar bei der Basis zu den Selbstverständlichkeiten. Dafür ist ein integriertes Navi hier überhaupt nicht lieferbar und selbst in der etwas höherwertigen Linie „Acenta“ mit 1.380 Euro recht teuer. Immerhin sind dann Bluetooth-Freisprechanlage und Rückfahrkamera inklusive. Im Gesamtpaket ist der X-Trail aber ein fair eingepreistes Fahrzeug und bietet vor allem viel Nutzwert und ansehnlichen Komfort für sein Geld. Der kräftige Zweiliter-Diesel ist definitiv eine Bereicherung für das Modell. (SP-X)






Mehr zur Marke Nissan

Premiere am 6. SeptemberNissan Leaf mit intelligentem Pedal

Der neue Nissan Leaf wird nicht nur mit erhöhter Reichweite ab September vorfahren. Das Elektroauto kann auch mit nur einem Pedal auskommen.


Facelift für SUVNissan X-Trail erhält neue Assistenzsysteme

Nissan frischt den X-Trail auf. Im Rahmen der Modellüberarbeitung erhält das SUV der Japaner nicht nur optische Retuschen, sondern auch moderne Fahrassistenzsysteme.


Drei Motoren zur AuswahlNissan Micra erhält neuen Einstiegsbenziner

Nissan setzt einen vorläufigen Schlussstrich unter das Motorenangebot des Micra. Der neue Einstiegsbenziner komplettiert das Motorentrio des Kleinwagens – vorerst.



Mehr aus dem Ressort

Kia hängt den Optima Sportwagen ans Kabel
Mittelklasse mit Plugin-HybridKia Optima Sportswagon PHEV: Lohnenswerte Alternative

Kia will seine Palette umweltfreundlicher Antriebe bis 2020 auf 14 Modelle ausbauen. Als Alternative zu einem Diesel in der Mittelklasse bietet sich der Optima Sportswagon Plugin-Hybrid geradezu an.


Der Renault Talisman Grandtour ist sehr elegant ausgefallen
Kombi mit 160 PSRenault Talisman Grandtour: Mehr als ein Wortspiel

Renault hat den Talisman mit den traditionellen Tugenden der französischen Reiselimousine in die Neuzeit gebeamt – und das auch der Kombivariante. Der Laguna-Nachfolger nähert sich den deutschen Platzhirschen an – auch wenn so manches noch nicht an Bord ist.


Der Nissan GT-R greift nun auf 570 PS zurück
Zehn Jahre nach der MarkteinführungNissan GT-R: Punktsieg für Godzilla

Zehn Jahre macht der Nissan GT-R die Straßen unsicher. Der zärtlich „Godzilla“ genannte Supersportwagen hat sich in der Dekade immer mehr der deutschen Sportwagen-Ikone angenähert.