15. Februar 2016

Fahrbericht Großer Bruder des Qashqai Nissan X-Trail: Geländegänger auf Abwegen

Der Nissan X-Trail kann nun auch Boulevard
Der Nissan X-Trail kann nun auch Boulevard © Nissan

Rund statt eckig heißt die Diverse bei den großen Geländewagen. Der Nissan X-Trail versucht sich nun auch außerhalb von Schlamm und Matsch, ohne dabei allzu penetrant weichgespült zu wirken.




Jahrelang waren Matsch, Schlamm und Querfeldein die Domänen des Nissan X-Trail. Seit der neuen Generation wird der Crossover im Offroad-Look aber immer häufiger auf der Kö, dem Kudamm oder der Leopoldstraße gesichtet. Und parkt auch selbstbewusst vor der Kita oder der Staatsoper.

Der große Bruder des Qashqai ist ein Beleg dafür, dass die großen Zeit der klobigen Geländewagen vorbei ist. Seine pummelige Rundlichkeit kommt besser an, als die eckige Robustheit früherer Modelle. Hinzu kommt, dass es für das kleinere Schwestermodell Qashqai keine Langversion mit dem Zusatz „+2“ mehr gibt. Für dessen Ex-Kunden bietet der X-Trail auf Wunsch zwei versenkbare Zusatzsitze im Fond und kann so bis zu sieben Insassen mit auf Tour nehmen.


Nissan X-Trail eine Portion sanfter

Der X-Trail wird von einem Blechkleid umrahmt, dessen Frontpartie im aktuellen Nissan-Look gefällig aussieht, ohne dabei allzu penetrant weichgespült zu wirken. Den Wechsel vom harten Kerl zum modernen Partner hat der Japaner gut überstanden. Charakter ja, aber eben alles eine gute Portion sanfter. Dank des üppigen Radstandes von gut 2,70 Metern und der möglichen Verschiebung der Sitze in der zweiten Reihe herrscht verblüffende Bein- und Kniefreiheit. Durch die ausgeklügelte Variabilität ist der X-Trail auch als Lastesel nutzbar. Zwischen 550 und 1982 Liter Stauraum sind mehr als ordentlich.

Beim Motorenangebot befreit Nissan künftige Kunden von der sonst üblichen, manchmal sogar ausufernden Qual der PS-Wahl. Derzeit gibt es nur zwei Triebwerke: Der 1,6-Liter-Benziner (120 kW/163 PS) ist dem Fronttriebler vorgehalten, verbraucht nach geltender Norm knapp über 6 Liter und macht eine Spitze von 200 km/h möglich. Wichtiger ist der vertraute Diesel mit gleichem Hubraum. Der muss sich mit 96 kW/130 PS begnügen und steht mit einer Durchzugskraft von 320 Newtonmetern im Datenblatt. Von der Papierform her stellt sich vor der ersten Testfahrt schon die Frage, ob das alles für ein standesgemäßes Fortkommen mit dem je nach Version bis zu 1,6 Tonnen schweren X-Trail ausreicht.

Sport nicht das Ding des Nissan X-Trail

Der Nissan X-Trail muss fleißig geschaltet werden
Der Nissan X-Trail muss fleißig geschaltet werden © Nissan

Das Bergland rund um Innsbruck, nasser Neuschnee hat sich auf den schmalen, kurvenreichen Landstraßen festgesetzt. Natürlich vertraut der X-Trail auf den modernen Allradantrieb, der dank elektronischer Unterstützung die Antriebskraft stets an die Achse schickt, die es gerade besonders nötig hat. Schnell wird deutlich, dass das „S“ im Gattungskürzel „SUV“ (Sport-Utility-Vehicle) nicht der größte Buchstabe im X-Trail-Alphabet ist. „Sport“ geht anders.

Das Sechsgang-Getriebe will immens fleißig geschaltet werden, um den Japaner bei Laune zu halten. Bis die Nadel des Drehzahlmessers die „2000“ erreicht hat und das Turboloch überwunden ist, passiert nicht allzu viel. Erst dann lässt sich der X-Trail zum gelassenen Mitschwimmen im Alltagsverkehr bewegen.

Gut die Hälfte wählt Allradantrieb

Gutes Raumangebot im Nissan X-Trail
Gutes Raumangebot im Nissan X-Trail © Nissan

Dennoch bewältigt er zuverlässig auch Überholmanöver, wenn die Lücke zum Entgegenkommenden nicht allzu knapp bemessen ist. Nissan nennt eine Spitze von bis zu 186 km/h und einen Spurt auf Tempo 100 in gut 11 Sekunden. Aber Nutzer dieser Art von Autos legen ohnehin mehr Wert auf Komfort, die hohe Sitzposition für gute Übersicht, auf Raumangebot und praktischen Nutzen.

Der Allradantrieb dagegen steht nicht unbedingt im Vordergrund. Aber immerhin gut die Hälfte der X-Trail-Käufer haben sich bisher für ihn entschieden. Mittels Drehrad kann zwischen Frontantrieb, automatischem Vierradantrieb oder der festen Verteilung der Motorkraft im Verhältnis 50:50 auf die beiden Achsen gewählt werden. Das unterscheidet ihn vom kleineren Qashqai. Er rollt nur in Ausnahmefällen auf allen Vieren.

Nissan X-Trail ab 32.000 Euro

Der Nissan X-Trail ersetzt den Qashqai +2
Der Nissan X-Trail ersetzt den Qashqai +2 © Nissan

Der so angetriebene X-Trail ist ab 32.000 Euro zu haben. Klimaanlage, Alu-Räder, Einparkhilfe vorn und hinten, LED-Tagfahrlicht oder Tempomat sind bei allen Versionen serienmäßig. Gegen Aufpreis gibt es diverse Assistenzsysteme, darunter auch eine Notbremsfunktion bei drohendem Aufprall. In der Liste der Extras stehen u.a. LED-Scheinwerfer, eine elektrisch öffnende Heckklappe, eine Kamera mit 360-Grad-Rundumsicht oder eine Internet-Anbindung. Wer das nötige Guthaben auf dem Konto hat, kann also gut bis zu 40.000 Euro ausgeben.

Da der X-Trail auch im Innenraum einen mehr als passablen Eindruck macht und gut verarbeitet ist, stößt er auf einige Gegenliebe in der scheinbar ständig wachsenden SUV-Gemeinde; obwohl er später kam als manch wohlsituierte Rivalen, die seit Jahren das Geschäft unter sich ausmachen. Aber: Nissan gehört inzwischen zu den erfolgreichsten Mitspielern in dieser Klasse und wird sicher auch seine reichhaltige Kundenkartei einsetzen, in der zum Beispiel eben jene Besitzer des verblichenen Qashqai+2 als Zielgruppe verzeichnet sind. Und die müssten doch eigentlich recht leicht vom X-Trail zu überzeugen sein. (SP-X)






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