6. Juni 2016

Fahrbericht Alltagstauglicher Supersportwagen Nissan GT-R: Godzilla beißt wieder zu

Der Nissan GT-R greift nun auf 570 PS zurück Fotos ▶
Der Nissan GT-R greift nun auf 570 PS zurück © Nissan

Nissan hat den GT-R mehr als nur geliftet. Der Supersportwagen mit dem zärtlichen Spitznamen Godzilla erhielt dabei nicht nur mehr Kraft, sondern auch ein Plus an Alltagsnutzen.




Von Thomas Flehmer

Es begann mit 160 PS. Die Leistung, die in heutiger Zeit bereits in Kompaktmodellen verbaut ist, war damals ein extremer Wert. Damals markiert das Jahr 1969. Während die ersten Menschen den Mond betraten, brachte Nissan die erste Erd-Rakete auf den Markt. Mit den 160 Pferdestärken erreichte der erste GT-R beträchtliche 200 Stundenkilometer.

Die 160 Pferde waren noch recht zivil verpackt. Ein wenig kantig wirkte der Bolide der vergangenen Zeit mit Ähnlichkeiten zum anderen Sushi-Bomber, der Celica von Toyota. Im Laufe der folgenden knapp 50 Jahre nahm die Leistung grandios zu und auch das Aussehen verwandelte sich ebenso wie der Charakter. Aus einer für den Rennsport konzipierten Limousine erwuchs nach und nach ein Supersportwagen, der locker mit den Modellen aus Italien oder Ingolstadt mithalten kann.


Nissan GT-R unter drei Sekunden auf 100 km/h

Für das neue Modelljahr haben die japanischen Ingenieure den GT-R, der auch zärtlich „Godzilla“ genannt wird, das bereits sehr ausdrucksstarke Design belassen und hauptsächlich technisch weiter verschärft und weitere 20 Pferdestärken spendiert. Auf 419 kW/570 PS sowie ein ausdrucksstarkes Drehmoment von 637 Newtonmetern kommt nun der Bolide, der nunmehr bis zu einer Geschwindigkeit von 315 Kilometern den Ton auf der linken Autobahnspur angibt.

Wie schnell der rund 1750 Kilogramm schwere GT-R diese Werte erreicht, darüber schweigt sich Nissan aus. Auch zur Sprintgeschwindigkeit von Null auf 100 gibt es keine offizielle Angabe. Chef-Spezialist Hiroshi Tamura verweist darauf, dass mit verschiedenen Reifen und unterschiedliche äußere Bedingungen verschiedene Geschwindigkeiten erzielt werden können. Aber unter drei Sekunden soll sich Godzilla entfalten. Beim Vorgängermodell wurde die Zeit mit 2,7 Sekunden angegeben.

Die Eau Rouge bereitet dem Nissan GT-R keine Probleme
Die Eau Rouge bereitet dem Nissan GT-R keine Probleme © Nissan

Allein von der Geschwindigkeit ist der schnellste Serien-Nissan Rennstrecken tauglich. Aber die Ingenieure setzten auch bei der Aerodynamik an und verstärkten den Abtrieb, reduzierten den Luftwiderstand und optimierten die Kühlung. Zudem wurde die Karosseriestruktur versteift und das Fahrwerk weiter modifiziert.

Auf der Formel 1-Strecke von Spa-Franchorchamps stellt der GT-R seine Neuerungen eindeutig unter Beweis. Den Achterbahn-Kurs in den Ardennen bewältigt der Allradler souverän. Egal ob die berühmte Eau Rouge mit der anschließenden, aber zunächst nicht einsehbaren Radillion-Kurve noch die immer wieder einsetzenden Schauer können die Kraft des 3,8 Liter großen TwinTurbo-Sechszylinder, der Stück für Stück handmontiert wird, bändigen. Einzig die Unerfahrenheit des Fahrers bremst den 4,71 Meter langen Rennwagen ein – der Fahrspaß auf dieser schnellen Strecke bleibt aber trotzdem immens hoch.

Alltagstauglicher Supersportwagen

Doch Godzilla kann auch anders. Trotz der bärigen Kräfte kann der GT-R auch den Alltagsverkehr schaffen. In der Stadt sind 50 Stundenkilometer schnell erreicht, die Doppelkupplung legt dabei den sechsten und höchsten Gang ein. Sicher sprudelt dabei etwas mehr Sound aus den vier Endtöpfen als bei normalen Serienautos, doch der Klang ist kernig und auf keinen Fall prollig, wie man es aufgrund des martialischen Erscheinungsbildes des GT-R zunächst annehmen würde.

Die beiden Insassen – zwar gibt es noch zwei Rücksitze, aber die können nicht einmal Kleinkinder besetzen, weil durch Fahrer und Beifahrer so gut wie keine Beinfreiheit vorhanden ist – können sich im wertiger gestalteten Cockpit wohlfühlen. Diese geben viel Halt und sind trotzdem sehr bequem. Dadurch ergibt sich eine ungewöhnliche Situation. Zumeist geben Autos Platz für vier, aber nur Gepäckraumvolumen für zwei Personen. Der GT-R bietet faktisch zwei Personen Platz, in den Tiefen des 315 Liter großen Kofferraumes finden zwei große Koffer und zwei Trolleys Platz.

Bequemer Ein- und Ausstieg

Somit können die mit Leder bezogenen Rücksitze auch noch als Gepäckabteil fungieren. Leder – und zwar Nappa – dominiert auch das Armaturenbrett. Die Instrumente sind gut ablesbar – Spielereien wie Turboladerdruck oder Motoröltemperatur können über das Display abgerufen werden. Die Sicherheitssysteme beschränken sich auf die bewährten Lebensretter wie ABS oder ESP.

Im Gegensatz zu manch einem Kompaktsportler bietet der GT-R auch auf unwegsamen Strecken genügend Komfort, ohne dass die Wirbelsäule und deren Ausläufer beansprucht werden. Dazu gehört auch, dass der Ein- und Ausstieg gelingt, ohne dass der Körper yogaähnliche Figuren abgeben muss. Für einen Sportwagen ungewöhnlich.

Ungewöhnlich bleibt auch der Preis. Der ab August erhältliche Bolide kostet gerade mal 99.900 Euro, als Black Edition 103.450 Euro und als Prestige 104.650 Euro. Das sind angesichts der Leistung des GT-R Schnäppchenpreise im Supersportwagensegment. Auch hier geht der GT-R ab wie eine Erd-Rakete.






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