Mini Paceman: Lifestyle hat seinen Preis

Dreitürer teurer als Countryman

Der Mini Paceman ist die siebte Baureihe des BMW-Tochter.
Der Mini Paceman. © BMW

Der Mini Paceman ist die siebte Baureihe der BMW-Tochter. Sie ist teurer als der technisch baugleiche Countryman, macht dabei jedoch auf Lifestyle. Doch das hat seinen Preis. Ob sich das lohnt, zeigt unser Test.

Von Frank Mertens

Es ist jetzt ziemlich genau ein Jahr her, da hat die BMW-Tochter Mini den Paceman auf den Markt gebracht. Die Reaktionen auf die siebte Baureihe der Münchner waren damals ähnlich wie beim Mini Countryman, auf dem der Paceman beruht: Wozu braucht man ein solches Auto, das Mini als Sports Activity Coupé bezeichnet?

Nun ja, die Frage erübrigt sich. Er hat sich zwar nicht zu einem Volumenmodell entwickelt wie der Countryman, doch seit seiner Markteinführung Mitte März entschieden sich bis zum September bereits über 9000 Kunden für dieses Modell. Damit trägt er dazu bei, dass sich die BMW-Tochter im bisherigen Jahresverlauf nach zehn Monaten mit einem Gesamtabsatz von 249.702 Einheiten leicht mit 0,8 Prozent im Plus bewegt. Immerhin.

Mini Paceman teurer als Countryman

Dass sich nicht noch mehr Kunden für den Paceman als bisher entschieden, mag auch darin liegen, dass er schlicht teurer als der Countryman ist. Während der Countryman Cooper mit 122 PS mit 22.650 Euro in der Preisliste steht, müssen für den Paceman mit der gleichen Motorisierung 23.800 Euro bezahlt werden. Dass man über 1000 Euro mehr auf den Tisch des Händlers für ein Auto legen soll, dass im Gegensatz zum Countryman über zwei Türen weniger verfügt, dafür mit seiner abfallenden Dachlinie aber auf Lifestyle macht, scheint nicht allen Kunden wirklich einzuleuchten. Doch denjenigen, denen solche Preisdifferenzen egal sind und gerade einen Zweitürer ihr Eigen nennen wollen und auf Coupé stehen, werden mit dem Paceman bestens bedient, wie unser Test mit dem Cooper D mit 112 PS und Allradantrieb (ab 27.200 Euro) zeigt.

Das Cockpit im Mini Paceman unterscheidet sich nicht vom Countryman.
Das Cockpit des Mini Paceman BMW

Das Fahrverhalten des Paceman ist so, wie man es bereits vom Countryman kennt, mit dem er sich die technische Basis teilt: er ist sportlich abgestimmt und ließe sich mit Blick auf sein straff abgestimmtes Fahrwerk auch genauso bewegen. Wenn man denn mit dem richtigen Motor unterwegs ist. Denn an den von uns gefahrenen Vierzylinder-Diesel sollte man nicht allzu sportliche Erwartungen knüpfen. Mit seinen 112 PS bietet er zwar ausreichend Leistung, um auch mal etwas flotter von A nach B zu kommen, doch zum Dynamiker taugt er damit nicht. Dafür kommt der so motorisierte Paceman doch etwas zu zäh und zu vernehmlich auf Touren. Tempo 100 erreicht er übrigens in 11,5 Sekunden, die Höchstgeschwindigkeit wird mit ausreichenden 182 km/h angegeben.

Das reicht, wenn es einem nur darum geht, grundsolide von A nach B zu kommen. Wem es nach mehr Leistung verlangt, dem sei der Cooper S mit 184 PS empfohlen. Mit Blick auf den Verbrauch standen am Ende 6,5 Liter auf dem Bordcomputer, bei teils flotter Fahrweise und mit Allradantrieb. Wer spritsparender mit dem Gaspedal umgeht, der kommt auch auf knapp unter sechs Liter, ein guter Wert, auch wenn 4.9 Liter nach dem NEFZ in Aussicht gestellt werden.

330 Liter Kofferraumvolumen für den Mini Paceman

Das Heck des Mini Paceman.
Das Heck des Mini Paceman BMW

Mit Blick auf den Innenraum bietet der Paceman für einen Mini ein akzeptables Kofferraum-Volumen von 330 Litern, bei umgelegter Rückbank lässt es sich auf 1080 Liter vergrößern. Im Fond können zwei mittelgroße Erwachsene gut sitzen, so sie es erst einmal auf die Rückbank geschafft haben. Größere Mitreisenden jenseits der 1,80 Meter sollten es sich indes überlegen, hier längere Strecken zurückzulegen. Nicht wegen der Kniefreiheit, die ist okay, sondern wegen der Kopffreiheit. Die abfallende Dachlinie fordert halt ihren Tribut. Erfreulich ist in diesem Mini zudem, dass die Schalter der elektrischen Fensterheber aus der Mittelkonsole endlich dorthin gewandert sind, wo sie hingehören: an die Türgriffe.

Lohnt es sich, einen Paceman statt eines Countryman zu kaufen? Das ist wie so häufig eine Geschmacksache. Doch der Viertürer bietet schlicht mehr Alltagstauglichkeit – und schlecht sieht der Countryman auch nicht aus, Lifestyle hin oder her. Vor allem bleibt die Frage, weshalb der Paceman teurer als der Countryman ist.

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Nach dem Sport- und Publizistikstudium hat er sein Handwerk in einer Nachrichtenagentur (ddp/ADN) gelernt. Danach war er jahrelang Sportjournalist und hat drei Olympische Spiele (Sydney, Salt Lake City, Athen) als Berichterstatter begleitet. Bereits damals interessierten ihn mehr die Hintergründe als das bloße Ergebnis. Seit 2005 berichtet er über die Autobranche. Neben der Autogazette verantwortet er auch den redaktionellen Teil des Magazins electrified (Print und Online).