14. August 2017

Fahrbericht Um 20 Zentimeter gewachsen Mini Countryman: Alles andere als Mini

Der Mini Countryman ist länger als ein VW Golf
Der Mini Countryman ist länger als ein VW Golf © Mini

Die zweite Generation des Mini Countryman hat nicht nur an Länge zugelegt. Das Fahrzeug lässt sich kaum noch einer Kategorie zuordnen, was den Erfolg bei den finanziell sehr potenten Interessenten nicht schmälert.




Kennt man ja noch von früher; Tante Adele strich übers Haar und sagte den klassischen Oma/Tante-Satz: „Junge, bist du groß geworden“. Obwohl man sich nur mal eben vier Wochen nicht gesehen hatte. Unsere Begegnung mit einem Mini Countryman liegt da deutlich länger zurück, einige Jahre schon. Und daher dürfen wir nun mit Fug und Recht klarstellen: Kleiner, was bist du gewachsen! Genau genommen um 20 Zentimeter, von kleinwagenüblichen 4,10 Meter auf satt-kompakte 4,30 Meter in der der Länge. Und dies sei auch gleich gesagt: Mini gehört zum BMW-Konzern und lässt sich seine Arbeit traditionell gut entlohnen. Die zweite, seit Februar in Deutschland angebotene Generation des Countryman muss mit ungefähr 3 000 zusätzlichen Euro bezahlt werden. Was bei unserem Testwagen, der Version Cooper S mit Achtgang-Automatikgetriebe, schon mal einen satten Grundpreis von 32.450 Euro macht.

Der Name „Mini“ führt bei diesem Fahrzeug eigentlich komplett in die Irre. Während die Standardmodelle 3- und 5-Türer mit unter vier Metern Länge noch unter den meisten Kleinwagen bleiben, streckt sich ein Countryman sogar noch eine Handbreit länger als ein VW Golf. Den Platzverhältnissen im Innenraum sollte das nur gut tun – und das ist auch so. Man sitzt vorne sowieso aber auch hinten bequem, zumal man die Rückbank verstellen und sich somit noch mehr Fußraum verschaffen kann. Aber das Kompakt-SUV kann auch Ladung: 450 Liter Volumen im Kofferraum sind schon gut, aber man kann den Laderaum über die 40:20:40 teilbare Rückenlehne auch prima erweitern, bis zu knapp 1400 Liter Gepäck passen dann rein.


Ernsthaftes Auto mit echten Alltagstugenden

Hier präsentiert sich dieser Mini also ernsthaftes Auto mit echten Alltagstugenden. Im Cockpit zeigt sich allerdings wieder die markentypische Verspieltheit. Zwar hat man sich ja schon länger vom mittigen und schlecht ablesbaren Zentraldisplay verabschiedet, dort findet sich jetzt die Navi-Karte, aber auch die Instrumente hinter dem Lenkrad sind nicht einfach abzulesen und gewissen Funktionen erschließen sich doch erst nach Eingewöhnung. Eine schöne Spielerei ist der als roter Kippschalter ausgelegte Starter.

Für ein Fahrzeug dieser Länge und Höhe fährt sich auch der Countryman ausgesprochen agil, auch wenn er naturgemäß an das häufig beschworene „Go-Kart-Fahrgefühl“ des normalen Minis nicht heranreicht. Die Federung ist straff, aber nicht unkommod, die Lenkung direkt. In Verbindung mit dem starken 2,0-Liter-Benziner (141 kW/192 PS) im sogenannten Cooper S sorgt das für mächtig Fahrspaß. Der Motor hängt toll am Gas und gibt sein maximales Drehmoment von 280 Newtonmetern fast kontinuierlich über das gesamte Drehzahlband ab. Für recht faire 280 Euro gibt es zudem die Möglichkeit, den Countryman auf eine sportliche, ausgewogene oder ökologische Gangart einzustellen.

Mini Countryman sehr durstig

Das Cockpit wirkt noch verspielt
Das Cockpit wirkt noch verspielt © Mini

Ein Wunder wäre es gewesen, wenn angesichts der Leistungen des Motors, dessen Realverbrauch auch nur in der Nähe des Versprochenen geblieben wäre. Das wären dann sechs Liter gewesen, sieben oder auch 7,5 Liter hätten wir auch noch als in Ordnung empfunden. Wir kamen allerdings auf einen Schnitt von über neun Litern, satte 50 Prozent mehr als ausgewiesen. Das ist dann doch des guten E10 zu viel.

Der Mini ist in all seinen Varianten, auch als Countryman, ein Lifestyle-Auto, Kosten scheinen für die Käufer nicht die große Rolle zu spielen. Das gilt nicht nur an der Tankstelle, sondern auch schon für den Preis: Mit der sehr schönen Achtgang-Automatik kommt man in dieser Motorversion schon auf knapp 32.500 Euro, mit einigen, durchaus sinnvollen und notwendigen Extras sind 40.000 Euro schneller erreicht, als man denken möchte.

Mini Countryman passt in keine Kategorie

Den Countryman gibt es auch als Plugin-Hybriden
Den Countryman gibt es auch als Plugin-Hybriden © Mini

Dafür bekommt man ein Fahrzeug, das sich letztlich in keine Kategorie richtig einordnen lässt. Der Countryman ist kein Kombi, diese Nische wird vom Clubman gefüllt, er ist aber auch kein klassisches SUV, selbst wenn das noch als Einordnung der Wahrheit am nächsten kommt und man für 2000 Euro Aufpreis immerhin sogar Allrad ordern kann.

Vor allem aber ist er alles andere als ein „Mini“, dafür ist er schlicht zu mächtig geworden und verliert durch die schiere Größe an Charme. Seinem Erfolg wird diese vor allem in einer urban-schicken Lifestyle-Umgebung keinen Abbruch tun. (SP-X)






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