27. Juni 2014

Fahrbericht V8-Biturbo mit 585 PS Mercedes S 63 AMG Coupé: Der Strahlemann

Der Mercedes S63 AMG Coupe. Fotos ▶
Der Mercedes S63 AMG Coupe. © Daimler

Im September ist es soweit, dann schickt Mercedes das neue S-Klasse Coupé auf den Markt. Eines steht schon fest: gut sieht es aus. Was es zu bieten hat, zeigt unser Fahrbericht mit dem S63 AMG.




Von Frank Mertens

Sie kam erst im vergangenen Jahr auf den Markt, doch seither hat sich die Mercedes S-Klasse zum weltweit erfolgreichsten Premiumfahrzeug entwickelt. Bald 100.000 Verkäufe zeugen vom Erfolg des Flaggschiffs der Stuttgarter.

Doch wer bis zum Jahr 2020 erfolgreichster Premium-Hersteller werden will, der darf sich nicht ausruhen. Deshalb bringt Mercedes im September nun auch das zweitürige S-Klasse Coupé auf den Markt. Mit seinem gelungenen Aussehen und seiner dynamischen Form bringt es alles mit, auch ansonsten nicht zu Coupés neigende Kunden zu überzeugen. Während der Limousine etwas der Hauch des leicht Konservativen anhaftet, versprüht dieses Coupé Dynamik. Man sieht es - und mag gleich losfahren.


Leise an die Spitze

Das Coupé der Schwaben zeigt dabei, dass manchmal auch weniger mehr sein kann. Denn mit einer Länge von 5,03 Metern ist es zwar um sieben Zentimeter kürzer als der Vorgänger, doch der Kunde spürt dies nicht. Selbst Menschen mit einer Körpergröße von mehr als 1,85 Metern sitzen im Fond recht angenehm - es steht ausreichend Knie- aber auch Kopffreiheit zur Verfügung. Dank weit nach hinten laufender Seitenscheiben kann man sogar noch recht anständig aus dem Fenster schauen. Das schafft ein gutes Raumgefühl.

Apropos Fenster: Beim neuen Coupé kommt so genanntes VSG-Glas zum Einsatz. Es kommt auf eine Dicke von sechs Millimetern, ein Millimeter mehr als bei der Limousine. Ist das wichtig? Ist es. Denn im Zusammenspiel mit anderen aeroakustischen Maßnahmen sorgt dies für extrem geringe Windgeräusche - und macht das S-Klasse Coupé zum leisesten Auto in seinem Segment, wie Teddy Woll sagt, der bei Daimler die Aerodynamik verantwortet. Mit Blick auf die Aerodynamik kommt der S500 4matic auf einen Cw-Wert von 0,27.

Das Coupe ist etwas länger als fünf Meter
Das Coupe ist etwas länger als fünf Meter © Daimler

Dass das Coupé derart leise unterwegs, trägt zwar zum entspannten Reisen bei, ist aber auch irgendwie schade. Denn so hört man die potenten V8-Bi-Turbo-Motoren nur noch sehr dezent. Vor allem beim S63 AMG 4matic wünscht man sich fast etwas weniger Geräuschdämmung, um den 5.5 Liter großen V8 nicht nur fahrerisch, sondern auch akustisch genießen zu können. Mit Blick auf seine Leistung lässt dieser AMG wieder keine Wünsche offen: 585 PS stehen bei 5500 Touren zur Verfügung und das Drehmoment von satten 900 Nm drückt den Fahrer beim unbedachten Umgang mit dem Gaspedal vehement in die wohl konturierten Sitze. Hier muss man schon sehr abgeklärt sein, um beim Beschleunigen des 2, 1 Tonnen schweren Sportwagens kein zufriedenes Lächeln auf dem Gesicht zu bekommen. Zahlen gefällig? Gerade einmal 4,2 Sekunden vergehen bis Tempo 100. Jetzt bitte nicht aufregen: der Spaß an der Beschleunigung endet bei abgeregelten 250 km/h.

Einstiegspreis bei 126.000 Euro

Wer will, der kann seinen S63 auch noch mit dem entsprechenden Package bis 300 km/h schnell werden lassen. Wirklich brauchen tut man das aber nicht. Der Reiz des S63 liegt doch weniger im Topspeed als in seinen Sprint- und Fahreigenschaften. Man ist verblüfft, wie genau und souverän sich dieses Schwergewicht von Auto durch enge Kurven steuern lässt, ohne sich auch nur andeutungsweise aus der Ruhe bringen zu lassen. Der Allradantrieb bringt die Kraft dann auch auf schlechten Fahrbahnverhältnissen gut auf den Asphalt. Die Lenkung vermittelt dem Fahrer dabei eine wirklich gute Rückmeldung, die Siebengangautomatik verrichtet einen ebenso souveränen Job. Halt so, wie man es von einem Auto erwarten kann, dass ab 170.000 Euro in der Preisliste steht. Etwas günstiger gibt es den S500 4matic mit 455 PS: er kostet rund 126.000 Euro.

Natürlich ist dies nur ein Anhaltspunkt dafür, was man letztlich für so ein Auto ausgeben muss. Denn wenn man sich das Auto noch mit ein paar Nettigkeiten ausstattet - und davon gibt es eine Menge - sollte man sich schon mal auf 200.000 Euro einstellen. Denn zur Steigerung des Fahrspaßes und natürlich Komforts ist das Coupé, so es denn mit Heckantrieb unterwegs ist, mit einer Kurvenneigungsfunktion auf Basis der bekannten "Magic Body Control" unterwegs. Sie trägt dazu bei, die Querbeschleunigungskräfte zu reduzieren. Anders ausgedrückt: Die Federn und Dämpfer gleichen gleichen bei Kurvenfahrten das Wanken der Karosserie aus. Verfügbar sein wird das System ab Beginn des kommenden Jahres und wird dem Fahrer drei Fahrmodis bieten, mit denen er sich das Auto in einem Geschwindigkeitsbereich von 15 bis 180 km/h seinen persönlichen Bedürfnissen anpassen kann.

Strahlkraft auch ohne Kristalle

Das Heck des S 63 AMG
Das Heck des S 63 AMG © Daimler

Natürlich gibt es beim Coupé mit Blick auf Fahrassistenzsysteme nichts, was es nicht auch schon in der Limousine gibt: dazu gehören beispielsweise neben einem Nachtsichtassistenten, eine Distronic Plus mit integriertem Staupiloten oder ein Kollisionswarner. Er ist in der Lage, auch bei Geschwindigkeiten über 100 Kilometern autonome Bremsungen einzuleiten, sollte der Fahrer nicht reagieren.

Bei dieser S-Klasse gibt es aber nicht nur Nützliches, sondern auch Dinge, die man nicht unbedingt mögen muss wie das Lichtdesign, bei dem der Kunde optional Kristalle von Swarowski erstrahlen lassen kann; beim Blinker sind es 30, beim Tagfahrlicht 17. Nun ja, Geschmäcker sind halt verschieden. Doch auch ohne Kristalle von Swarowski strahlt dieses neue S-Klasse Coupé bereits genug.







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