12. April 2016

Fahrbericht Ende der Wartezeit Mercedes S-Klasse Cabrio: Dream on

Elegant und sportlich - das Mercedes S 63 AMG Cabrio. Fotos ▶
Elegant und sportlich - das Mercedes S 63 AMG Cabrio. © Daimler

Erstmals seit 45 Jahren bietet Mercedes wieder ein S-Klasse Cabrio an. Es ist ein Auto, das keine Wünsche offen lässt. Es ist ein Traumwagen, wie der Hersteller sagt. Stimmt, leider bleibt dieses Auto für die meisten von uns in unerreichbarer Ferne. Oder haben Sie zufällig mindestens 139.051 Euro übrig?




Von Frank Mertens

Es hat lange gedauert. Sehr lange. Doch die Zeit des Wartens ist vorbei. Erstmals seit 45 Jahren bietet Mercedes wieder ein S-Klasse Cabrio an. Es ist ein Auto, das den Kunden zum Träumen anregen soll. Das mit dem Träumen kann man wörtlich nehmen. Denn für Otto-Normalverbraucher wird ein S-Klasse Cabrio angesichts eines Preises von mindestens 139.051 Euro unerschwinglich bleiben. Schade. Das neue S-Klasse Cabrio von Mercedes tritt damit die Nachfolge des W111 und des W112 an, die zwischen 1961 und 1971 gebaut wurden und als Traumwagen der damaligen Zeit galten.

Kunden, die sich für das neue S-Klasse Cabrio entscheiden, gehören zu den Besserverdienenden. Man kann auch sagen, zu den Reichen. Das Haushaltsnetto-Einkommen dieser Klientel liegt zwischen 200.000 bis 400.000 Euro. Sie haben, so mutmaßen die Produktstrategen aus dem Hause Mercedes, noch zwei bis drei andere Modelle in der Garage stehen. Das S-Klasse Cabrio fungiert für diese Käufer als Dritt- oder Viertwagen. Wie zu hören ist, werden wohl 50 Prozent der S-Klasse-Cabrio-Kunden aus den USA kommen, idealtypischerweise aus Kalifornien, wo dieses Luxusgefährt dann wohl vor allem in Weiß mit roten Dach herumfahren wird.


Mercedes S 500 mit 455 PS

Diejenigen, die das nötige Kleingeld in der Portokasse haben, können sich auf ein Auto freuen, dass wirklich keine Wünsche offen lässt. Wer beispielsweise in den S 500 einsteigt, darf sich über einen V8-Motor mit einer Leistung von 455 PS und ein maximales Drehmoment von 700 Nm freuen. Wer mit so viel Kraft unterwegs ist, der wird dank einer gut abgestimmten Neungang-Automatik in gerade einmal 4,6 Sekunden auf Tempo 100 katapultiert, ehe das Ende der Glückseligkeit bei einer abgeregelten Höchstgeschwindigkeit von 250 km/h erreicht ist. Doch Topspeed ist bei einem Cabrio eher nebensächlich.

Was zählt, ist der Fahrgenuss - und das natürlich möglichst offen. Dazu lässt sich das vom Zulieferer Magna entwickelte Stoffverdeck bis Tempo 50 und sogar noch etwas darüber hinaus in zwanzig Sekunden öffnen und schließen. Das hinter den Rücksitzen positionierte Windschott lässt sich separat herausfahren - und sorgt in Kombination mit dem Windabweiser (Aircap) über der Frontscheibe für moderate Windverwirbelungen im Innenraum.

Intelligente Klimaregelung

Ledersitze - in dezentem Rot
Ledersitze - in dezentem Rot © Daimler

Damit der Fahrer auch bei etwas kühleren Temperaturen das Verdeck öffnet, kann er sich dank einer Nackenheizung (von Mercedes Airscarf genannt) von warmer Luft anpusten lassen. Das mag vielleicht für hartgesottene zum Purismus neigende Cabriofans zuviel des Komforts sein, doch wer es einmal ausprobiert hat, mag es nicht missen. Warum frieren, wenn es auch anders geht?

Wer das Verdeck geschlossen lässt, der kann sich selbst bei höherem Tempo über nur geringe Geräusche freuen – dieses Verdeck ist wirklich gut gedämpft. Halt so, wie man es von einem Cabrio im Oberklasse-Segment erwarten kann. Einen direkten Mitbewerber hat das S-Klasse Cabrio nicht. Bei BMW gibt es den 7er ebenso wenig als offene Version wie bei Audi den A8. Keine schlechten Voraussetzungen also, die betuchte Kundschaft gerade von einem Kauf eines S-Klasse Cabrios zu überzeugen.

Dem Thema Komfort kommt bei einer S-Klasse ohnehin eine besondere Bedeutung bei, insbesondere auch bei einem Cabrio, bei dem mit der Thermotronic eine neue Klimaregelung zum Einsatz kommt. Sie arbeitet vollautomatisch. Das bedeutet, dass der Fahrer beim Übergang vom geschlossenen zum geöffneten Verdeck nicht manuell die Temperatur regeln muss. Eine so genannte Überblendungsfunktion soll für einen unmerklichen Übergang für einen hohen Klimakomfort sorgen.

Airmatic sorgt für mehr Komfort

So wird man den S 63 AMG meisten sehen, von hinten
So wird man den S 63 AMG meisten sehen, von hinten © Daimler

So wie das neue Klimakonzept für Wohlfühlatmosphäre im Innenraum sorgt, sorgt das Luftfederungssystem Airmatic für einen guten Fahrkomfort und Fahrdynamik. Es schluckt selbst schlechte Fahrbahnverhältnisse souverän und lässt den Fahrer somit fast unbehelligt von irgendwelchen unangenehmen Ruckeleien. Je nachdem, mit welcher Geschwindigkeit man unterwegs ist, senkt sich das Fahrzeug zudem automatisch um einen Zentimeter ab. Die Vierlenker-Vorderachse sorgt für eine exakte Radführung und die elektromechanische Direktlenkung bietet eine wirklich gute Rückmeldung des Fahrzeugs an den Fahrer. Wer so mit dem neuen S-Klasse Cabrio durchs bergige Hinterland Nizzas unterwegs ist, zeigt sich schon recht angetan von dem, was dieses Auto seinem Fahrer zu bieten hat.

Das S 500 Cabrio mit seinem V8 und 455 PS stellt einen mit seiner Leistung mehr als zufrieden. Doch gerade in diesem Segment gibt es Kunden, die lechzen geradezu nach noch mehr PS – und die können sie auch bekommen, und das gepaart mit noch mehr Sportlichkeit. Dafür sorgt der S 63 AMG (ab 187.484 Euro). Er weist dann noch einmal 130 PS mehr auf als der S 500, kommt auf ein Drehmoment von 900 Nm und braucht für den Sprint von 0 auf 100 km/h dann auch nur 3,9 Sekunden. Das ist alles eine Ansage, ebenso wie der Allradantrieb, der dem Fahrer dann noch mehr Traktion und ein noch besseres Gefühl bei der Flotten Kurvenfahrt bietet.

Am obersten Ende der Träumerein im Jahr der „Dream Cars“, wie Mercedes das Jahr 2016 für sich deklariert hat, steht der S 65 AMG. Er hat statt acht sogar zwölf Zylinder, kommt auf 630 PS und ein Drehmoment von 1000 Nm. Aber das ist dann auch wirklich das Ende der Fahnenstange. Die genannten Preise verstehen sich natürlich nur als Anhaltspunkt.

Denn wer sich noch einige Nettigkeiten aus der Aufpreisliste hinzubestellt, der kann locker noch 10.000 Euro (die AMG-Keramikbremsanlage kostet allein 8270 Euro) oder auch 20.000 Euro auf den Tisch des Händlers legen, um sich seinen Traum vom Traumwagen zu erfüllen. Für alle anderen, die nicht zur klassischen Zielgruppe des neuen S-Klasse Cabrio zählen heißt es indes weiter: Dream on.






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