13. Februar 2014

Fahrbericht SUV kommt im März Mercedes GLA: Start zur Aufholjagd

Der Mercedes GLA macht auch im Gelände eine gute Figur. Fotos ▶
Der Mercedes GLA macht auch im Gelände eine gute Figur. © Daimler

Mercedes ist der Spätzünder im Segment der kompakten SUVs. Nun bringen die Schwaben den GLA auf den Markt. Was der kleine Geländewagen zu bieten hat, zeigt unser Fahrbericht.




Von Frank Mertens

Das Segment der kompakten Geländewagen boomt und das seit Jahren. Davon profitieren bei den Absatzzahlen BMW mit dem X1 (seit 2009) oder Audi mit dem Q3 (seit 2011). Doch der dritte deutschen Premiumhersteller Mercedes hatte hier seinen Kunden bislang nichts anzubieten; im Portfolio der Stuttgarter klaffte eine Lücke - nun wird sie mit dem Kompakt-SUV GLA geschlossen. Er rollt im März mit einem Einstiegspreis von 29.300 Euro zu den Händlern.


Mercedes fehlte Plattform

Dass Mercedes in diesem Segment im Gegensatz zu seinen Mitbewerbern nichts anzubieten hatte, lag schlichtweg an der fehlenden Plattform für diese Fahrzeugkategorie, wie Daimler-Chef Dieter Zetsche bei der Fahrpräsentation im spanischen Granada sagte. Mit der alten Generation der A- und B-Klasse habe schlichtweg keine Architektur zur Verfügung gestanden, die ein solches Modell ermöglicht hätte.

Doch nachdem Mercedes nun seine neue Kompaktklasse-Familie mit der A- und B-Klasse und dem CLA eingeführt hatte, war auch der Weg frei für ein Fahrzeug wie dem GLA. Man hätte sich zwar noch Gedanken machen können, ob man dieses Fahrzeug nun als zweites oder drittes Modell der neuen Familie einführt, doch mit Blick auf die Absatzzahlen habe man hier nicht viel falsch gemacht, ließ Zetsche wissen. So verkauften sich im Vorjahr von den neuen Kompaktklasse-Modellen der Stuttgarter weltweit über 371.000 Fahrzeuge, ein Plus von 64 Prozent.

Neue Kunden gewonnen

Blick in den Innenraum des Mercdes GLA
Blick in den Innenraum des Mercdes GLA © Daimler

Und was dabei für Zetsche noch wichtiger als der reine Absatz ist, ist die Eroberungsrate. So zählen beispielsweise in den USA 80 Prozent der CLA-Käufer zu Kunden, die bislang keinen Mercedes gefahren haben. Zudem wurde auch das Alter der Kundschaft deutlich gesenkt. Der CLA- und A-Klasse-Kunde ist durchschnittlich zehn Jahre jünger als andere Mercedes-Käufer. Das sind Fakten, die Zetsche auch mit Blick auf den GLA zuversichtlich stimmen.

Wer im Gegensatz zu den Wettbewerbern so verspätet ein Fahrzeugsegment bedient wie nun Mercedes mit dem GLA, der muss seiner Kundschaft dann indes auch etwas bieten, was die Konkurrenz nicht zu bieten hat. Er muss Alternativen aufzeigen. Und, ist das den Schwaben gelungen? Schon, beispielsweise bei der Aerodynamik. Mit einem Cw-Wert von 0,29 setzt Mercedes hier wie bereits beim CLA oder zuletzt der S-Klasse wieder einmal den Bestwert – und darüber kann sich der Käufer freuen. Denn durch den geringen Luftwiderstandsbeiwert sinkt der Realverbrauch deutlich: so lässt sich der GLA 200 CDI mit einem Verbrauch von 4,3 Litern bewegen. Das ist eine Ansage, die neben einer guten Aerodynamik zudem durch moderne Vierzylinder-Motoren mit Turboaufladung und einem Start-Stopp-System erzielt wird.

Mercedes GLA gleicht A-Klasse

Mit Blick auf das Design des Neuen zeigt Mercedes Kante, so wie man es bereits mit dem GLK getan hat. Der GLA verfügt im Vergleich zur Konkurrenz über eigenständige Formen, mit denen er sich zu differenzieren versucht. Das täuscht indes nicht darüber hinweg, dass der GLA von vorn doch arg der neuen A-Klasse ähnelt, auch wenn er rund vier Zentimeter höher baut.

Akzente setzt er auch beim Innenraum. Das Interieur sieht wertig aus, ist gut verarbeitet – und fühlt sich auch gut an. So versprüht der GLA Wohlfühlatmosphäre. Das liegt auch an seinen Abmessungen: mit seiner Länge von 4,41 Metern, einer Breite von 1,80 Meter und einer Höhe von 1,49 Meter bietet er den Passagieren ein gutes Raumgefühl – dabei können sogar im Fond zwei Erwachsene recht kommod sitzen, auch wenn sie beim Einsteigen ob der abfallenden Dachlinie den Kopf einziehen müssen. Das Kofferraumvolumen von 421 Litern ist nicht phänomenal, geht aber in Ordnung. Zum Glück bietet der GLA im Vergleich zur A-Klasse eine bessere Rundumsicht – das Heckfenster ist glücklicherweise größer ausgefallen als das Guckloch der A-Klasse.

Gutes Fahrwerk

Gut unterwegs im Gelände, der GLA
Gut unterwegs im Gelände, der GLA © Daimler

Doch wie fährt sich der GLA nun? Gut, wirklich gut, wie unsere Testfahrten mit dem CDI 220 (ab 37.000 Euro) mit 170 PS zeigten. Das 2,2 Liter-Aggregat erweist sich als laufruhig, wenngleich es im kalten Zustand doch vernehmlich zu hören ist. Doch das gibt sich, sobald der Motor seine Betriebstemperatur erreicht hat. Wenn es soweit ist, lässt es sich in dem GLA in Kombination mit dem Siebengang-Doppelkupplungsgetriebe entspannt cruisen. Wer es auch einmal etwas kraftvoller mag, sollte indes nicht zu viel erwarten.

Zwar liegt das maximale Drehmoment von 350 Nm zwischen 1400 und 3400 Touren an, doch trotz dieser Leistung hat man das subjektive Gefühl den fast 1,6 Tonnen schweren GLA richtig flott auf Touren zu bringen. Der Blick auf die reinen Leistungsdaten spricht hier eine andere Sprache: bis Tempo 100 vergehen nur 8,3 Sekunden, die Spitzengeschwindigkeit ist bei 215 km/h erreicht. Das hört sich besser an als es sich anfühlt. Nicht zu beanstanden ist indes das gute Fahrwerk, das einen guten Kompromiss zwischen Sportlichkeit und Komfort bietet. Natürlich hat Mercedes auch die Kunden nicht vergessen, die es besonders sportlich haben wollen – ihnen bietet der Hersteller den 360 PS starken GLA 45 AMG an. Hier muss sich keiner über einen zu müden Antritt beschweren, ganz im Gegenteil. Für diesen Spaß werden dann indes auch 55.870 Euro fällig. Sportlichkeit hat halt seinen Preis.

Allrad als Option

Natürlich, das ist nicht zu vergessen, kann man den GLA auch mit einem Allradantrieb bestellen, der bei Mercedes 4matic heißt. Der kostet etwas mehr als 2200 Euro Aufpreis, doch der lohnt sich, sollten sich die GLA-Kunden doch einmal ins Gelände verirren. Er verteilt die Antriebskräfte, je nach Untergrund, variabel an der Räder der Vorder- und Hinterachse. Dank einer serienmäßigen Bergabfahrhilfe und eines Offroad-Fahrprogramms meistert er so auch anspruchsvolle steile Bergabfahrten bei rutschigem Untergrund. Auch wenn die wenigsten Kunden das jemals erfahren werden, ist es gut zu wissen, dass der GLA durchaus auch Offroad seine Qualitäten hat.

Nun bleibt abzuwarten, wie sich der Spätstarter gegen einen X1 oder einen Q3 schlägt. Er kommt zwar spät, aber nicht zu spät. Daimler-Chef Zetsche jedenfalls ist sicher, dass der GLA das Wachstum der Marke weiter befördern wird. Nach dem Erfolg der A-, B- und CLA-Klasse würde es schon verwundern, wenn nicht auch der GLA bei den Kunden ankommen würde.






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