10. Oktober 2014

Fahrbericht Kleiner Geländewagen aus Stuttgart Mercedes GLA: Kompakt-SUV mit Coolness-Faktor

Der Mercedes GLA gefällt auch außerhalb der Stadt. Fotos ▶
Der Mercedes GLA gefällt auch außerhalb der Stadt. © AG/Mertens

Es hat gedauert, aber nun hat auch Mercedes mit dem GLA ein Kompakt-SUV im Angebot. Was der kleine Geländewagen der Stuttgarter zu bieten hat, zeigt unser Fahrbericht.




Von Frank Mertens

Mercedes-Kunden suchten lange Zeit vergeblich nach einem Kompakt-SUV im Portfolio des Stuttgarter Autobauers. Während BMW und Audi ihrem Klientel einen X1 beziehungsweise Q3 anbieten konnten, musste Mercedes mangels Angebots zusehen, wie die Konkurrenz damit kräftig Absatz machte. Doch seit März kann auch Mercedes mit dem GLA ein Modell in diesem Boom-Segment anbieten. Das Warten hat sich gelohnt.


Ein SUV mit Ecken und Kanten

Denn die Schwaben haben die Zeit genutzt, einen eigenständigen SUV auf die Räder zu stellen. Der GLA ist kein gebügelter Vertreter seiner Zunft, sondern fällt mit Ecken und Kanten auf - und hebt sich damit von den Konkurrenzmodellen ab. Damit polarisiert der GLA zwar, zeigt damit aber auch Charakter. So etwas muss man mögen, keine Frage. Doch das hat auch den Vorteil, dass man sich an ihm nicht so schnell satt sieht.

Wer meint, mit dem GLA jedoch einen ausgesprochen geräumigen SUV zu bekommen, irrt. Er sollte ihn sich dann doch noch einmal etwas genauer anschauen, um Enttäuschungen zu vermeiden.

Wirklich großzügig ist der Innenraum nämlich nicht. Ihm merkt man an, dass bei der Gestaltung die Sportlichkeit eine wichtige Rolle spielte. So sind auch die vorderen als auch die hinteren Seitenscheiben recht schmal ausgefallen und die Heckscheibe ist so ausgefallen, dass das Einparken ohne Bedenken nur mit der Rückfahrkamera funktioniert. Von der Seite wirkt der GLA dann auch leicht gedrungen.

Kofferraum bietet 421 Liter Ladevolumen

Die Seitenansicht des GLA
Die Seitenansicht des GLA © AG/Mertens

Gut, zwei Erwachsene können auf dem Fahrer- und Beifahrersitz bequem sitzen, aber nur solange, wie sie den Sitz nicht wegen weiterer im Fond sitzender Erwachsener verstellen müssen. Dann muss man in Absprache mit ihnen die Sitzposition finden, die für beide Seiten noch einigermaßen erträglich ist. In Situationen wie denen wird einen dann schnell bewusst, dass man schließlich auch nur in einem Kompaktklasse-Modell unterwegs ist. Das merkt man dann auch beim Kofferraum: er bietet Platz für 421 Liter Gepäck. Das ist okay, mehr aber auch nicht. Beim X1 sind es 420 Liter, beim Q3 fasst der Kofferraum 460 Liter.

Ansonsten bekommt man im Innenraum alles, was man auch von anderen Mercedes-Modellen kennt: gute Materialien, eine wertige Verarbeitung und funktional und intuitiv zu bedienende Instrumente. Schick sieht die Mittelkonsole aus: hier befinden sich unter dem frei stehenden Navigationsdisplay drei schön gestaltetete Luftaustrittsdüsen, darunter findet man das Bedienfeld für Radio, Telefon und Navigationssystem, die sich natürlich auch über den Dreh-Drück-Schalter ansteuern lassen. Das Comand Online-System, mit dem unser Testwagen ausgestattet war, macht einen guten Job und lässt sich über den Drehschalter auf dem Mitteltunnel gut und mehr oder weniger intuitiv bedienen, wenn man es ein paar Mal ausprobiert hat-

Sportlicher Kompakt-SUV

Das Heck des GLA 250 von Mercedes
Das Heck des GLA 250 von Mercedes © AG/Mertens

Doch wie fährt sich der von uns getestete 250 GLA 4matic mit AMG-Paket nun? Für einen Kompakt-SUV ausgesprochen sportlich. Dafür sorgt neben dem 211 PS starken Vierzylinder mit einem maximalen Drehmoment von 350 Nm ein sehr straff abgestimmtes Fahrwerk, das den sportlichen Anstrich des GLA unterstreicht. Das Fahrwerk ist dabei zwar recht straff ausgefallen, dabei aber komfortabel geblieben. Die Lenkung passt sich diesem Eindruck an: es spricht direkt an, vermittelt dem Fahrer eine gute Rückmeldung zur Straße. Wer möchte, der kann über einen kleinen Druckknopf an der Mittelkonsole zwischen den Fahrmodi Eco, Sport und Manuell wählen.

Wer möchte, der kann es mit dem GLA auch flotter angehen lassen, in 7,1 Sekunden ist Tempo 100 erreicht. Die Spitzengeschwindigkeit liegt bei 230 km/h. Der Allradantrieb sorgt für eine gute Bodenhaftung und lässt so einen souveräner Fahreindruck aufkommen. Die Sportsitze sehen dabei nicht nicht nur gut aus, sondern sorgen auch bei schnelleren Kurvenfahrten für einen guten Seitenhalt. Und wie schaut es mit dem Verbrauch aus? Er weicht deutlich von dem vom Hersteller und nach dem NEFZ-Fahrzyklus ermittelten Durchschnittsverbrauch von 6,5 Litern auf 100 Kilometern ab. Am Ende unserer Testfahrten zeigte der Bordcomputer einen Mixedverbrauch von 8,2 Litern an, trotz eines gut funktionierenden Start-Stopp-Systems.

Nach dem Ende der Testfahrten hinterlässt der GLA einen rundum guten Eindruck - und an das Aussehen des schwäbischen Geländewagens hat man sich nach zwei Wochen bereits so gewöhnt, dass doch etwas Trennungsschmerz aufkommt - vor allem beim Sohn des Autors, der den GLA "einfach nur cool" fand. Für diesen Coolness-Faktor ruft Mercedes mindestens 29.303 Euro für den GLA 200 mit 156 PS auf. Unser Testwagen steht mit rund 37.500 Euro in der Preisliste. Manchmal muss man sich Coolness halt teuer erkaufen.






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