28. Juni 2017

Fahrbericht Vierzylinder mit 194 PS Mercedes E220d: Diesel und Cabrio in Harmonie vereint

Das Mercedes E222d Cabrio Fotos ▶
Das Mercedes E222d Cabrio © Daimler

Nach Limousine, T-Modell und Coupé kommt nun auch das E-Klasse Cabrio von Mercedes auf den Markt. Der offene Viersitzer glänzt mit einer Vielzahl von Stärken – und einem laufruhigen Vierzylinder-Diesel.




Von Frank Mertens

Cabrio und Diesel? Geht das? in Zeiten wie diesen, in denen dem Selbstzünder Fahrverbote drohen? Offensichtlich ist dies kein Widerspruch – zumindest nicht bei den Mercedes-Kunden. Denn bei denen gehörte bei der bisherigen Generation der E220d zu den beliebtesten Motorisierungen. Und die Verantwortlichen aus dem Produktmanagement gehen davon aus, dass der 220d auch bei der im Herbst auf den Markt rollenden neuen Generation von den Kunden besonders gefragt sein wird.

Trotz aller Abgesänge auf den Diesel schöpft Mercedes seine Zuversicht daraus, dass in dem E-Klasse Cabrio eine neue Dieselgeneration mit der internen Bezeichnung OM 654 zum Einsatz kommt. Mercedes hat eine Milliarden-Summe für diese neuen Motoren investiert, die bereits für die künftigen Abgasregelungen ausgelegt sein sollen. Vor diesem Hintergrund haben wir uns für die Testfahrten mit dem neuen E-Klasse-Cabrio in Genf auch für den 220d entschieden, einen Vierzylinder-Selbstzünder mit 194 PS.


Angenehme Laufruhe

Weshalb sich Mercedes so viel von diesem Motor verspricht, wird bereits kurz nach dem Start deutlich. Selbst bei offenem Verdeck ist dieses Aggregat kaum als Diesel auszumachen, so laufruhig präsentiert er sich. Doch Akkustik ist das eine – wenngleich sie gerade bei einem Cabrio wichtig ist – doch die Fahrleistungen sind das andere. Doch auch hier braucht sich der Selbstzünder nicht zu verstecken. Mit seinem maximalen Drehmoment von 400 Nm sorgt er in Kombination mit der Neungang-Automatik nicht nur für einen kraftvollen Antritt dieses 1,8 Tonnen schweren Fahrzeuges, sondern auch für ausgesprochen flotte Beschleunigungswerte: so vergehen bis Tempo 100 gerade einmal 7,7 Sekunden und die Höchstgeschwindigkeit ist bei 237 km/h erreicht.

Und der Verbrauch? Der wird mit 4,3 Litern (CO2-Wert 113 g/km) angegeben. In der Praxis standen bei gemächlicher Fahrweise 5,8 Liter auf dem Bordcomputer, dennoch ein guter Wert. Das hört sich alles gut an, doch fühlt es sich noch besser an, vor allem bei 33 Grad Außentemperaturen in Genf und Umgebung. Ideales Cabriowetter also.

Verdeck öffnet in 20 Sekunden

Im Fond kann man durchaus bequem sitzen
Im Fond kann man durchaus bequem sitzen © Daimler

Dieses Cabriofeeling kann man in 20 Sekunden erleben, denn so lange dauert es, bis sich das Verdeck geöffnet hat und sich im Kofferraum mehr oder minder Platzsparend verstaut hat. Bei geöffnetem Verdeck stehen 385 Liter Kofferraumvolumen bereit, bei geschlossenem sind es noch 310 Liter. Öffnen und schließen lässt sich das Stoffverdeck übrigens bis Tempo 50 km/h. Mercedes bietet das Verdeck in den Farben Dunkelbraun, Dunkelblau, Rot und Schwarz an – damit dürfte für fast jeden Geschmack etwas dabei sein. Doch viel wichtiger als die Farbe des Verdecks ist dessen Dämmung.

Das Akkustikverdeck sorgt selbst bei schneller Autobahnfahrt dafür, dass man sich im Innenraum noch recht komfortabel unterhalten kann. Doch im Idealfall fährt man ja offen, deshalb kauft man ja ein Cabrio. Und damit die Passagiere dann möglichst wenig von Windverwirbelungen mitbekommen, ist ein so genanntes Aircap im Angebot. Dabei handelt es sich um ein im Dachrahmen integriertes Lamellenmodul, das sich an der Frontscheibe aufrichtet und den Wind über den Innenraum leitet. Das hinterlässt alles einen wirklich überzeugenden Eindruck.

An Länge zugelegt

Den Sommer genießen
Den Sommer genießen © Daimler

Ohnehin braucht man sich über zu wenig Komfort in diesem Mercedes mit seinem guten Fahrwerk nicht beklagen. Dafür sorgen auch die Abmessungen. Denn in der Länge hat das E-Klasse Cabrio um 12,3 Zentimeter auf 4,82 Meter zugelegt, in der Breite sind es 7,4 Zentimeter (1,86 Meter) und beim Radstand 11,3 Zentimeter (2,87 Meter). Das spürt man deutlich im Innenraum, wo Erwachsene mehr oder minder bequem auch im Fond Platz nehmen können, ohne dort allzu große gymnastische Einlagen veranstalten zu müssen.

Wer sich für das E-Klasse Cabrio entscheidet, der entscheidet sich zugleich auch für ein gehöriges Maß an Sicherheit. Denn die E-Klasse verfügt über eine Vielzahl von Fahrassistenzsystemen wie beispielsweise einem Notbremsassistenten, Pre-Safe, Spurwechselassistent oder einer adaptiven Geschwindigkeitskontrolle. Mit ihr kann man bereits teilautonom unterwegs sein. Bis Tempo 210 kann man so einem vorausfahrenden Fahrzeug folgen – ohne dabei zu Bremsen oder Gas zu geben. Das übernimmt das System selbst. Wer das System auf längeren Fahrten einmal ausprobiert hat, wird es nicht mehr missen mögen. Denn es sorgt für eine deutliche Entlastung des Fahrers. Dass das Fahren eines E-Klasse Cabrios kein günstiger Spaß ist, versteht sich ja von selbst. So startet der E220d bei mindestens 56.049 Euro. Für den Einstiegsbenziner werden 54.228 Euro fällig. Viel Geld, stimmt. Doch dafür bekommt man gerade im Sommer auch einiges geboten.






Mehr zur Marke Mercedes

Zahlen von Kartellvorwürfen überschatttetDaimler mit glänzender Halbjahresbilanz

Die Diskussion um Diese-Manipulationen und Fahrverbote haben keinen Einfluss auf der Geschäft von Daimler gehabt. Der Autobauer legte bei Umsatz und Gewinn zu.


Bisher noch ein EinzelstückMercedes E-Klasse All-Terrain: Auf den Spuren des G 500 4X4²

Der G 500 4X4² hat einen Entwicklungsingenieur von Mercedes auf den Geschmack kommen lassen. Heraus kam eine sehr extreme E-Klasse.


Mercedes Van-Chef über die neue X-KlasseMornhinweg: «Es ist ein Mercedes»

Mit der neuen X-Klasse will Mercedes eine Lücke im eigenen Van-Portfolio schließen. Von dem bisherigen Markt soll sich der Pickup absetzen, sagte Van-Chef Volker Mornhinweg der Autogazette.



Mehr aus dem Ressort

Briten bringen weiteres SUVRange Rover Velar: Sportlichkeit als große Stärke

SUV liegen bei den Kunden im Trend. Das Segment boomt. Davon profitiert auch Land Rover. Nun bringen die Briten mit dem Velar die vierte Range-Rover-Baureihe auf den Markt.


Porsche Panamera Sport Turismo neu Aufmacher Porsche
Nach Limousine nun auch als KombiPorsche Panamera Sport Turismo: Der schönere Panamera

Braucht man das? Einen Kombi von Porsche? Braucht man nicht, ist die erste Reaktion. Doch wenn man erst einmal im neuen Sport Turismo gesessen hat, ändert man schnell seine Meinung. Auch wegen seines Designs.


Das BMW M240i xDrive Coupé verspricht eine Menge Fahrspaß
Kompakter BolideBMW 2er Coupé: Aufgewertet bis ins Detail

BMW hat das 2er Coupé dezent überarbeitet. Das Kompaktmodell begeistert weiterhin durch präzise Fahrdynamik gepaart mit homogener Leistungsentfaltung. Aber auch der Preis entfaltet sich.