19. November 2014

Fahrbericht Sportwagen kommt im März Mercedes-AMG GT S: Der Porsche-Ärgerer

Der Mercedes AMG GT S kommt im Frühjahr. Fotos ▶
Der Mercedes AMG GT S kommt im Frühjahr. © Daimler

Mercedes schickt ab März kommenden Jahres einen Konkurrenten für den Porsche 911 an den Start. Der AMG GT bringt alles mit, um der Sportwagenikone aus Zuffenhausen arg zuzusetzen.




Von Frank Mertens

Wer bislang an das klassische Sportwagen-Segment dachte, dacht zuerst an den Porsche 911. Doch diese Zeiten sind vorbei. Denn im März schickt Mercedes AMG den GT S an den Start und mischt damit die Karten neu.

Obwohl das neuste Modell von Daimlers Sportwagentochter noch nicht einmal auf dem Markt ist, wird er schon als Porsche-Schreck bezeichnet. "Natürlich freut einen so etwas", sagt AMG-Chef Tobias Moers. "Schließlich gilt der 911er seit Jahrzehnten als Ikone im Segment."


Mercedes-AMG GT – ein großer Wurf

Zwar gibt es auch Ferrari oder Jaguar oder auch einen Audi R8, doch wie man das Blatt auch betrachtet, die Zuffenhausener waren mit ihrem Elfer ziemlich konkurrenzlos unterwegs – vor allem was deutsche Mitbewerber betraf. Doch mit dem zweisitzigen GT ist der Sportwagenschmiede ein großer Wurf gelungen. Das fängt schon beim Design an, bei dem man sich der klassischen Sportwagenrezeptur bediente. Lange Motorhaube, weit nach hinten versetztes Greenhouse und eine klare Linienführung. Der GT verwöhnt das Auge, vor allem von der Seite und vom Heck.



Schaut man sich im Innenraum um, ist alles auf die Bedürfnisse des Fahrers abgestimmt, so wie man es von einem Auto in diesem Segment erwartet. Die Materialien sind hochwertig, die Verarbeitung erstklassig. Aber wer wie für den 462 PS starken Mercedes-AMG GT mindestens 115.430 Euro auf den Tisch des Händlers legt (für den 510 PS starken GT S werden 134.351 Euro fällig), der kann auch Premium erwarten. Vor allem aber erwartet er eine Fahrdynamik und technische Finessen, die nichts zu wünschen übrig lassen. Kein Wunder, dass Moers bei der Fahrpräsentation des neuen GT in Kalifornien selbstbewusst sagt, dass dieses Auto gefahren werden müsste, um seine Stärken wirklich zu erleben. Und das natürlich auch auf der Rennstrecke, weshalb auch ein Abstecher zum Race Track in Laguna Seca zum Fahrprogramm gehörte.

Mercedes-AMG GT S erreicht Spitze bei 310 km/h

Die Seitenline des AMG GT
Die Seitenline des AMG GT © Daimler

Doch schon die technischen Daten des AMG GTS, der vor dem GT auf den Markt kommen wird, hören sich vielversprechend an: unter der langgezogen Motorhaube verbirgt sich ein Vierliter großer V8-Biturbo mit 510 PS und einem satten Drehmoment von 650 Nm, das zwischen 1750 und 4750 Umdrehungen in der Minute anliegt. So motorisiert, katapultiert einen der 1570 Kilogramm schwere GT S in gerade einmal 3,8 Sekunden auf Tempo 100. Das Ende der Glückseligkeit ist bei 310 km/h erreicht. Das Leistungsgewicht liegt übrigens bei 3,08 Kilo pro PS. "Da ist im Segment keiner besser", stellt Moers zufrieden fest.

Damit ist klar, dass dieses Auto nur selten auf öffentlichen Straßen an seine Grenzen geführt werden wird. Deshalb freut man sich über den Abstecher nach Laguna Seca, wo man den 4,55 Meter langen GTS auch mal an seine physikalischen Grenzen bringen kann. Doch das ist gar nicht so einfach. Denn selbst bei gelegentlich zu schnell und nicht in der Ideallinie angefahrenen Kurven lässt sich der GTS nicht aus der Ruhe bringen. Die Gewichtsverteilung von 47:53 ("Damit sind wir schon ziemlich nah am Optimum", so Chefentwickler Jochen Hermann) sorgt für eine glänzende Bodenhaftung – und der Heckspoiler für einen weiteren die Fahrstabilität unterstützenden Aspekt. Nach etlichen Runden in Laguna Seca versteht man, weshalb AMG mit dem Motto "Handcrafted by Racers" wirbt.

Mercedes-AMG GT auch für den Alltag geeignet

Doch natürlich lässt sich dieses Auto auch im Alltag recht kommod bewegen. "Die Alltagstauglichkeit war uns wichtig", sagt Herrmann. Je nach Fahrsituation lässt sich der GT S dann über den am breiten Mitteltunnel angebrachten Drehrad den verschiedenen Fahrmodi anpassen: So kann der Fahrer zwischen Komfort, Sport, Sport+ und Race wählen. Während er im Komfortmodus auch locker über die Landstraße cruisen kann, passen die anderen Modi das Fahrwerk und Getriebe der sportlicheren Fahrweise an – und sorgen ab Sport+ für ein cooles Sounddesign durch die Klappensteuerung im Auspuff. Die Geräuschkulisse hat schon etwas.

Ach ja: Wen der Verbrauch interessiert: Er soll sich bei 9,4 Litern auf 100 Kilometern bewegen. Gut, das hat nichts mit der Realität zu tun. Beim gemütlichen Cruisen waren es 12,9 Liter. Und wer so richtig Gas gibt, der landet irgendwo im Bereich von 18 Litern. Aber für das Klientel eines solchen Autos dürfte der Spritverbrauch nur eine marginale Rolle einnehmen. Natürlich bleibt der AMG GT ein Sportwagen und keine Reiselimousine. Das merkt man dann auch beim Federungskomfort. Bei den teils schlechten Straßenverhältnissen auf den US-amerikanischen Highways machen sich Querfugen im Innenraum doch arg bemerkbar.

Hohe Eroberungsrate erwartet

Das Heck des Mercedes-AMG GT S
Das Heck des Mercedes-AMG GT S © Daimler

Der neue GT jedenfalls kommt bei den Kunden an. Moers zeigte sich mit den Vorbestellungen ausgesprochen zufrieden, ohne jedoch Zahlen zu nennen. Natürlich rechnet er damit, dass die nach dem SLS zweite Eigenentwicklung von AMG auch auf eine hohe Eroberungsrate kommt. Und das bezieht sich, ohne dass Moers das sagt, natürlich auf Porsche. Dass es vom GT auch weitere Derivate geben wird, steht bereits fest. So sei ein GT3 bereits vom Vorstand abgesegnet worden.

Und wie schaut es mit einem Roadster aus, der in idealtypischer Weise zu diesem Modell passen würde? Dazu will Moers nichts sagen und verweist nur darauf, dass Derivate immer vorstellbar seien. Und schiebt noch nach, dass man sich in der nächsten Zeit doch häufiger sehen werde. AMG befinde sich schließlich auf Wachstumskurs – und will in diesem Jahr deutlich mehr als 40.000 Einheiten absetzen.






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