Mercedes A-Klasse: Ende mit bieder

Gute Verbrauchswerte

Die neue Mercedes A-Klasse
Die Mercedes A-Klasse spricht jüngere Kunden an. © Daimler

Die Mercedes A-Klasse polarisiert mit ihrem Design: Die einen verschreckt sie, die anderen zieht sie an. Was das Kompaktklassemodell der Stuttgarter kann, zeigt unser Fahrbericht mit dem A 180 CDI.

Von Frank Mertens

Die Mercedes A-Klasse ist ein Hoffnungsträger für die Schwaben. Mit ihr will der Autobauer neue Kunden für die Marke mit dem Stern gewinnen. Vor allem sollen sich mit ihr jüngere Käufer für die Modelle der Kernmarke der Stuttgarter interessieren und damit die Wachstumsstrategie von Daimler befördern. Schließlich hat sich Konzernchef Dieter Zetsche zum Ziel gesetzt, Mercedes bis zum Jahr 2020 zum erfolgreichsten Premiumhersteller zu machen.

Angesichts der Bedeutung dieses Kompaktklassemodells kommt eine Meldung wie die über einen Rückruf der Mercedes A-Klasse in dieser Woche wegen Problemen mit dem Beifahrer-Airbag zur Unzeit. Denn neue A-Klasse kommt bei den Kunden glänzend an. In Deutschland ist sie in den ersten vier Monaten des Jahres mit fast 18.000 Einheiten knapp vor der B-Klasse das beliebteste Mercedes-Modell. Auf sie entfallen im Modellmix genau 20 Prozent der Verkäufe.

Mercedes A-Klasse mit radikalem Modellwechsel

Dass die A-Klasse derart gut bei den Kunden ankommt, hat sich abgezeichnet. Denn Mercedes hatte den Mut, sich komplett von dem altbacken daher kommenden Design des Vorgängermodells zu verabschieden und ein dynamisch gestaltetes Fahrzeug auf die Straße zu schicken. Einen derart radikalen Modellwechsel hat es selten zuvor gegeben.

Doch was bietet die A-Klasse dem Kunden denn nun? Mehr als ein wirklich ansprechendes Design? Ja, sie bietet ihm deutlich mehr als nur ein schönes Äußeres. Aber das sollte man von einem Auto auch erwarten, dessen Einstiegspreis für den A180 mit 122 PS und manuellem Sechsganggetriebe bei 24.335 Euro beginnt. Für den von uns getesteten A 180 CDI mit 7 Gang-Doppelkupplungsgetriebe und 109 PS muss man indes schon mindestens 29.000 Euro beim Händler lassen. Keine Frage, dass sich die Schwaben ihren Premiumanspruch bei der A-Klasse kräftig bezahlen lassen. Denn für locker 5000 Euro weniger kann man sich eine bereits sehr gut ausgestatteten VW Golf vor die Tür stellen lassen. Doch der ist weder Premium noch von außen ein Dynamiker.

Nachteile beim Design

Die A-Klasse will beides sein – und nimmt durch ihr progressives Design bestimmt einige Nachteile in Kauf. So sorgen die schräg stehende Frontscheibe, die arg kleinen Seitenscheiben und die breite C-Säule für eine schlechte Rundumsicht. Das nervt, gerade beim rückwärts Einparken. Ohne Rückfahrkamera sind Parkrempler unvermeidbar, so schlecht ist die Sicht nach hinten. Doch dank der optionalen Kamera (369 Euro) lässt sich dieses Problem in den Griff bekommen. Wer mag, kann sich natürlich auch für rund 804 Euro einen aktiven Parkassistenten samt Parktronic aus der sehr langen (!) Zubehörliste auswählen. Dort finden sich dann natürlich auch eine Vielzahl weiterer Fahrassistenzsysteme wie ein Spurhalte-Assistent (536 Euro), ein Totwinkel-Assistent (536 Euro) oder der empfehlenswerte Abstandregeltempomat mit Kollisionswarner (1023 Euro).

Das Cockpit in der der Mercedes A-Klasse
Das Cockpit der A-Klasse von Mercedes Daimler

So beschränkt die Sicht nach hinten, ist auch das Platzangebot im Kofferraum. Hier stehen gerade einmal 341 Liter zur Verfügung, zugleich lässt er sich durch den schmalen Ausschnitt nicht wirklich optimal beladen. Ein VW Golf kommt hier übrigens auf 380 Liter. Wer auf dynamisch ausschauende Autos steht, muss halt Abstriche machen.
Besser sieht es dafür beim Platzangebot im Innenraum aus, vor allem Fahrer und Beifahrer sitzen hier ausgesprochen bequem. Im Fond geht es indes etwas beengter zu, insbesondere für Großgewachsene. Dafür gibt es wenig zu Meckern an den guten, straff konturierten Sitzen mit ausreichend Einstellmöglichkeiten. Die Verarbeitungsqualität ist wertig, halt so, wie man es von einem Auto eines Premiumherstellers erwartet.

Sportliche Gene

Und wie fährt sich die neue A-Klasse? So, wie sie ausschaut: recht sportlich. So sorgt das maximale Drehmoment von 250 Nm des laufruhigen Vierzylinder-Motors für einen kraftvollen Antritt. Den Spurt auf Tempo 100 vollzieht die A-Klasse in anständigen 10,6 Sekunden, die Höchstgeschwindigkeit liegt bei ausreichenden 190 km/h an.

Doch die Zahlen sind das eine, die Fahreigenschaften das andere – und hier offenbart das Stuttgarter Kompaktklassemodell seine Stärken. Denn mit seinem durchaus knackig abgestimmten Fahrwerk kann man in der A-Klasse auch einmal etwas flotter durch die Kurven fahren, so souverän verhält sie sich bei sportlicher Gangart, ohne dabei ihren Passagieren nicht ausreichenden Komfort für längere Strecken zu bieten. Einen guten Eindruck hinterlässt auch die direkt abgestimmte Lenkung, die eine gute Rückmeldung zur Straße vermittelt. Vor allem erfreut die A-Klasse den Fahrer beim Blick auf die Verbrauchsanzeige des Bordcomputers.

Gute Verbrauchswerte

Mercedes A-Klasse
Das Heck der A-Klasse Daimler

Zwar verfehlt sie den nach unrealistischen Bedingungen ermittelten Durchschnittsverbrauch nach NEFZ von 4,1 Litern, doch mit einem Drittelmix von 5,4 Liter nach den Testfahrten macht die A-Klasse eine wirklich gute Figur. Wer bestrebt ist, unter fünf Litern zu bleiben, der kann dies im Übrigen auch schaffen, wenn er denn bewusster unterwegs ist.

Auch wenn die A-Klasse hier und da einige Schwächen offenbart wie beispielsweise bei der schlechten Rundumsicht, hinterlässt sich nach den Testfahrten einen guten Eindruck. Auch deshalb, weil sie mit ihrem Aussehen polarisiert. Doch damit setzt sie einen erfreulichen Kontrapunkt zu den im Segment doch arg bieder daherkommenden Mitbewerbern. Offensichtlich kommt dies bei den Kunden gut an, wie die Zulassungszahlen von Januar bis April beweisen. Und das Problem mit dem Beifahrer-Airbag wird daran kaum etwas ändern.