Mazda3 MPS: Spaßmacher mit breitem Kreuz

260 PS für 28.390 Euro

Mit 28.390 Euro zählt der MPS zu den Schnäppchen seiner Klasse.
Mit 28.390 Euro zählt der MPS zu den Schnäppchen seiner Klasse. © Mazda

Der erste Anblick lässt einen erschauern. Doch der Mazda3 MPS präsentiert sich nicht als Krawallmacher, sondern als kompakter Sportler mit guten Manieren – bis auf den Durst.

Bücher soll man nicht nach ihrem Umschlag, Menschen nicht nach ihrem Äußeren beurteilen. Auch bei Autos führt der erste Blick schon mal zu einem Fehlurteil. Wer etwa den Mazda3 MPS allein auf seinen zugegeben krawalligen Auftritt reduziert, tut ihm wirklich unrecht.

Mazda3 MPS mit Halbstarken-Auftritt

Bei der ersten Begegnung wirkt das Top-Modell der japanischen Kompakt-Baureihe wie die automobile Entsprechung des Schulhof-Rüpels. Breitbeinig, aufgepumpt und mit Vokuhila-Dachspoiler am Heck. Die aufgeblähte Lufthutze auf der Motorhaube und der zu einem Grinsen verzogene Grill scheinen einem kalt freundlich eine Tracht Prügel anbieten zu wollen.

Neben deutschen PS-Boliden, wo die Kraftdarstellung in der Regel eine Spur ernsthafter und kühler, aber auch aggressiver erfolgt, wirkt der Mazda tatsächlich wie ein Halbstarker. Bedrohlich, aber eher in Richtung blaues Auge als gebrochener Kiefer.

Mazda3 MPS mit ganz starker Leistung

An Kraft würde es dem Mazda allerdings nicht mangeln. Mit 191 kW/260 PS Leistung aus 2,3 Litern Hubraum – per Turbo mit der zweiten Luft versorgt - zählt der MPS zu den stärksten Kompaktmodellen mit Frontantrieb überhaupt. Kein Wunder, dass er die Kraft kaum im Zaum halten kann. Beim Anfahren auf schlechtem Untergrund und beim Herausbeschleunigen aus der Kurve ruckt und muckt das Lenkrad, dass man gut daran tut, es fest im Griff zu halten. Beim Schalten in den niedrigen Gängen ist Feingefühl gefragt, sonst lässt das mächtig einsetzende Drehmoment (380 Nm) den MPS torkeln wie einen Zehntklässler nach der Abi-Party auf dem Schulhof.

Wer das jedoch weiß und entsprechend reagiert, hat den Kompakten im Griff. Da muss man gar nicht abgenutzte Metaphern wie "mit strenger Hand" oder "hart anpacken" bemühen, denn mit Ausnahme der bauartbedingten Macken gehört der Mazda in Sachen Fahrverhalten zu den Braven. Auch in schnellen Kurven überraschen keine Zicken, die feine Lenkung gibt gute Rückmeldung und die Bremsen packen zuverlässig zu.

Sanfter Fahrkomfort im Mazda3 MPS

Mit 28.390 Euro zählt der MPS zu den Schnäppchen seiner Klasse.
Gute Sportsitze im Innenraum des Mazda3 MPS Mazda

Beim Fahrkomfort zeigt der MPS eine Sanftmut, den man ihm kaum zugetraut hätte. Das Fahrwerk ist zwar straff und trocken, kommt mit den üblichen Straßenunebenheiten aber gut klar. Auch lange Autobahnetappen sind keine Qual, nicht zuletzt wegen der guten Serien-Sportsitze. Der Motor bleibt zwar immer akustisch präsent, nutzt dabei aber - zumindest subjektiv – angenehm sonore Frequenzen. Alter Klassenzimmer-Trick halt: eine tiefes Grollen geht im Hintergrundrauschen eben eher unter als ein helles Kieksen.

Wirklich als schlechte Manieren lassen sich lediglich die Trinkgewohnheiten des Mazda bezeichnen. Im Schnitt genehmigten sich die vier Zylinder gut 12 Liter, mit Mühe waren weniger als zehn möglich. Ein wenig ausgleichen kann das der faire Preis: Mit 28.390 Euro zählt der MPS zu den Schnäppchen in seiner Klasse, vor allem angesichts der umfangreichen Ausstattung mit Klimaautomatik, CD-Radio und Tot-Winkel-Warner. In Sachen Wiederverkaufswert dürfte der Japaner aber im Vergleich mit der europäischen Konkurrenz nur mäßig abschneiden.

Mazda3 MPS für duldsame Autofahrer

Mit 28.390 Euro zählt der MPS zu den Schnäppchen seiner Klasse.
Der Mazda3 MPS sorgt für viel Fahrspaß Mazda

Der Mazda3 MPS ist also etwas für die Freundlichen und Duldsamen unter den Autofahrern. Mit etwas Verständnis für großspuriges Auftreten und ein aufbrausendes Wesen kann man hinter die Fassade blicken und sieht ein Auto, das vor allem eins will: Spaß machen.

Wer einen perfekten Kompakt-Kraftprotz will, sollte sich aber ohnehin nicht in der Exoten-Ecke, sondern in der Streber-Mensa bei VW Golf GTI und seinesgleichen umschauen. (SP-X)

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Der diplomierte Religionspädagoge arbeitete neben seiner Tätigkeit als Gemeindereferent einer katholischen Kirchengemeinde in Berlin in der Sportredaktion der dpa. Anfang des Jahrtausends wechselte er zur Netzeitung. Seine Spezialgebiete waren die Fußball-Nationalelf sowie der Wintersport. Ab 2004 kam noch das Autoressort hinzu, ehe er 2006 die Autogazette mitgründete. Seit Beginn 2018 ist er als freier Journalist unterwegs.