24. Juni 2013

Fahrbericht Kleiner Bruder des Quattroporte Maserati Ghibli: Premiere für den Diesel

Der Maserati Ghibli ist der kleine Bruder des Quattroporte.
Der Maserati Ghibli ist der kleine Bruder des Quattroporte. © Maserati

Maserati bringt ein neues Einstiegsmodell auf den Markt. Beim Ghibli brechen die Italiener erstmals in der fast hundertjährigen Geschichte mit einem Tabu.




Über Geld spricht man nicht, Geld hat man und gerne auch ein wenig mehr davon. Das war über viele Jahre auch die Divise von Maserati, dem kleinen, aber feinen italienischen Hersteller von Luxusautomobilen. Wer sich die Fahrzeuge mit dem Dreizack im Logo leistet, gilt als gut betucht. Das wirkt sich zwar einerseits positiv aufs Image aus, andererseits verstellt es aber auch den Blick auf die Marke, die ab September mit dem Ghilbi ein Einstiegsmodell weit unter der 100.000-Euro-Marke zu positionieren versucht. Die neue Business-Limousine startet zu Preisen ab 65.000 Euro und soll neue Käuferschichten für Maserati generieren.


Diesel-Maserati in 6,3 Sekunden auf Tempo 100

Doch mit einem halbwegs attraktiven Preis allein ist es nicht getan, um im von den deutschen Platzhirschen Audi, BMW und Mercedes dominierten und prestigeträchtigen sowie umsatzstarken Business-Segment überhaupt ein Chance haben zu können. Deshalb debütiert im Ghilbli erstmals in der fast hundertjährigen Geschichte von Maserati ein Diesel, den die italienische Motorenschmiede VM Motori beisteuert. Der 3,0-Liter-Sechszylinder leistet 202 kW/275 PS und stemmt 600 Nm an die Kurbelwelle.

Die Kraftübertragung erfolgt wie bei den zwei ebenfalls angebotenen Benzinern über eine Achtgang-Automatik von ZF. Dass Maserati auch bei einem Selbstzünder die Sportlichkeit nicht vernachlässigt, zeigt ein Blick aufs Datenblatt. Der Spurt von 0 auf 100 km/h gelingt mit der mindestens 1,8 Tonnen schweren Limousine in 6,3 Sekunden, die Höchstgeschwindigkeit ist bei Tempo 250 erreicht.

Maserati Ghibli mit Soundunterstützung

Fahrwerk und Lenkung sind leistungsgerecht hart ausgelegt, Kurven und enge Kehren ein Vergnügen und die Automatik schaltet bei allen gefahrenen Tempi mühelos und je nach gewähltem Fahrmodus gelassener oder sportiver. Bei aller Sportlichkeit muss man jedoch nicht befürchten, anschließend nur noch über Rücken- und Bandscheiben-Themen referieren zu können.

Damit sich die Kunden nicht am fehlenden Wohlklang des Selbstzünders im Vergleich zu den V6-Benzinern stören müssen, greifen die Italiener zu zwei Soundgeneratoren. Diese sind in der Nähe der Abgasendrohe platziert und sorgen auf Tastendruck dafür, dass der Diesel mit einer markant, satten– man könnte auch schreiben – dezent kreischenden – Arie die Umstehenden über die Zündungsart des Triebwerks im Unklaren lässt. Schöner Klang ist fast so wichtig wie schöner Schein.

Wenig Assistenten für den Maserati Ghibli

Das Maserati-Interieur bleibt hinter den deutschen Herstellern zurück.
Das Maserati-Interieur bleibt hinter den deutschen Herstellern zurück. © Maserati

Von letzterem bietet der kleine Bruder des Quattroporte eine ganz Menge. Er teilt sich nicht nur rund 50 Prozent der Bauteile mit dem Flaggschiff der Marke, sondern auch viele seiner Designvorgaben. Mit seiner langen Motorhaube, dem kurzen Heck sowie der gestreckten Seitenlinie dürfte er unter den Business-Limousinen zu einem Hingucker werden. Etwas kürzer zwar - "nur" 4,97 Meter lang – wirkt der Ghibli auch dank der leicht abfallenden Dachlinie dynamischer. Platz ist dennoch reichlich vorhanden, die Insassen lassen sich auf bequemen Ledersesseln nieder. Selbst für Urlaubsfahrten taugt er. Zwar ist die Luke des Kofferraums etwas schmal geschnitten, das Gepäckteil fasst indes 500 Liter.

Das Interieur überzeugt mit solider Verarbeitung, gut ablesbaren Instrumenten sowie einem großen in der Mittelkonsole platzierten Touchscreen-Display. Die Komfortausstattung bewegt sich auf klassentypischem Niveau. Die Auswahl der Materialien bleibt indes hinter den Vorgaben der deutschen Wettbewerber zurück. Auch hinsichtlich des Angebots an Assistenzsystemen hinken die Italiener der Konkurrenz hinterher. Maserati hat nichts, was über den Tempomat sowie die Rückfahrkamera hinausgeht, im Angebot.

Maserati Ghibli mit Platz für Achtzylinder vom Quattroporte

4,97 Meter misst der Maserati Ghibli
4,97 Meter misst der Maserati Ghibli © Maserati

Natürlich setzt Maserati nicht ausschließlich auf die Diesel-Karte. Zwei V6-Triebwerke aus der Zusammenarbeit mit Ferrari stehen ebenfalls zur Wahl. Das zu Preisen ab 79.500 Euro erhältliche Top-Triebwerk leistet 301 kW/410 PS und kann wahlweise mit Allrad geordert werden. Zum Jahresbeginn 2014 schiebt Maserati noch einen weiteren Sechszylinder mit 243 kW/330 PS nach. Dieser ist mit einem Normwert von 9,6 Litern einen knappen Liter sparsamer als sein stärkeres Pendant. Der Preis für den schwächeren Sechszylinder dürfte bei ca. 65.000 Euro liegen. Für die Leistungshungrigen: Es ist nicht unwahrscheinlich, dass die Italiener den V8 aus dem Quattroporte unter die Haube des Ghibli pflanzen. Genügend Platz dafür ist vorhanden. Und auch beim Dieselangebot werden sie nachlegen. Eine Variante mit mehr Leistung ist in Planung.

Sportlich und sehr schick, dem Ghibli könnte gegen A6, 5er BMW oder E-Klasse-Mercedes ein kleiner Achtungserfolg gelingen - auch wenn, oder vielleicht auch weil - sich Maserati bei der Preisgestaltung durchaus selbstbewusst gibt. Als Schnäppchen-Käufer werden die Kunden sicherlich nicht verdächtig. Das wiederum ist weiterhin gut fürs Image. (SP-X)






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Maserati

Fünf Brüder gründeten 1914 die Marke mit dem Dreizack, der eine Hommage an die Heimatstadt Bologna ist und im richtigen Leben den Neptunbrunnen der Stadt ziert. Bereits zur Gründung hatten sich die Brüder ausschließlich dem Rennsport verschrieben, die größten Erfolge kamen allerdings erst in den 50er Jahren. Der Argentinier Juan Manuel Fangio gewann 1957 auf einem Maserati sein fünftes Championat. Nachdem Citroen Ende der 60er Jahre 60 Prozent an dem italienischen Unternehmen hielt, übernahm Fiat 1993 das Kommando und gliederte vier Jahre später Maserati bei Ferrari ein. Seit 2005 ist Maserati aber wieder ein eigenständiges Unternehmen im Fiat-Konzern, arbeitet aber weiterhin eng mit Ferrari zusammen.



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