22. Februar 2016

Fahrbericht Komfortabler SUV Land Rover Discovery Sport: Alles, nur nicht sportlich

Der Land Rover Discovery Sport ist kein Dynamiker
Der Land Rover Discovery Sport ist kein Dynamiker © Land Rover

Der Name des Land Rover Discovery Sport verspricht viel Dynamik. Doch Sportlichkeit sollte man von ihm nicht erwarten, dafür hat er eine Menge anderer Qualitäten.




Es soll ja durchaus Menschen geben, die unter „Sport“ den samstäglichen 18-Uhr-Griff zur Fernbedienung verstehen, um sich an Fußball satt zu sehen. Ganz so selbstbetrügerisch geht der Fahrer eines Land Rover Discovery Sport nicht vor, trotzdem sei so viel Fazit vorweg gestattet: Mit „Sport“ hat dieser Landy in etwa so viel zu tun, wie die beiden wohlbeleibten Damen, die wir fast jeden Morgen beim Walking – besser gesagt „Talking“ am Wanderpfad vor unserem Haus beobachten dürfen.

Das heißt nun nicht, dass der Disco ein schlechtes Auto wäre. Ganz im Gegenteil sogar, aber er ist nun eben auch kein Dynamiker. Und dies ganz besonders nicht mit der Motorisierung unseres Testwagens, dem kleineren der beiden zur Verfügung stehenden Diesel. Dessen 150 Pferde haben mit dem Leergewicht von rund 1,8 Tonnen schon merklich Probleme. Dazu kommt eine turbodieseltypische, kleine Anfahrtsschwäche, die in unserem Fall nicht von der hochmodernen Neungang-Automatik (für stolze 2350 Euro) überspielt wird, sondern mit dem manuellen, sauber schaltbaren Sechsgang-Getriebe voll zur Geltung kommt.


Nachfolger des Freelander

Ein Jahr ist der Land Rover Discovery in der Variante „Sport“ nun auf dem Markt. Von den Range-Rover-Modellen abgesehen, war er der erste vollkommen neue Land Rover seit über zehn Jahren. Dabei ist er nicht als besonders durchtrainierte Version des normalen, schon seit 2004 bei uns erhältlichen Discovery zu sehen, die käme dann ja auch arg spät.

Nein, der „Sport“ ist vielmehr der Nachfolger des Freelander, übertrifft diesen aber in der Länge um 10 und beim Radstand um 8 Zentimeter. Mit seiner Gesamtlänge von 4,59 Meter passt er nicht mehr wirklich in die Kompaktklasse, ist aber für die heutige Mittelklasse etwas zu klein.

Das Cockpit des Discovery Sport
Das Cockpit des Discovery Sport © Land Rover

Das Raumempfinden und der real zur Verfügung stehende Platz sind tatsächlich eine große Stärke des Briten. Das fängt auf den Vordersitzen an, wo man luftig-aufrecht sitzt und erhaben über dem Verkehr thront. Das geht weiter bei der großzügigen Rückbank, auf der tatsächlich auch mal drei Personen sitzen dürfen. Daran schließt sich ein alltagstauglicher Kofferraum an, der 541 Liter Gepäck schluckt. Wenn man auf die Passagiere hinten verzichtet, kann das Kofferraumabteil auf bis zu knapp 1.700 Liter ausgebaut werden.

Wer nur etwas mehr Platz braucht, verschiebt dagegen die Rückbank um bis zu 16 Zentimeter nach vorne. Eine sehr praktische Lösung. Wenig Sinn macht es dagegen, gegen Aufpreis die dritte Sitzreihe zu bestellen. Dort kommen sowieso nur kleinere Kinder unter und der Kofferraum hat dann das Volumen eines Kleinwagens.

Echte Geländetauglichkeit

Was man bei einem Landy außerdem immer bekommt, ist echte Geländetauglichkeit. Zumindest wollen wir das gerne glauben, denn ausprobiert haben wir das Terrain-Response-System nicht. Mangels Gelände und mangels Gelegenheit. Doch aus Erfahrung wissen wir: Stock und Stein können die Briten zumindest fast immer besser als die Konkurrenz. Also fürs Protokoll: Permanenter Allradantrieb per Haldex-Kupplung ist an Bord. Obwohl es – kaum zu glauben – für dieses Modell auch eine reine Frontantriebsvariante gibt.

Eigentlich ist der Discovery Sport aber ein Fahrzeug für souveränes Gleiten. Wie schon erwähnt ist der Motor sowieso kein Muskelprotz. Das Drehmoment von 380 Newtonmetern, anliegend schon bei 1.750 Umdrehungen, hört sich zwar gut an, 11,7 Sekunden vergehen aber trotzdem, bis man auf Tempo 100 gekommen ist. Und bei 190 km/h ist schon Schluss. Nicht, dass wir mit dem Landy gerne 190 Sachen gefahren wären. Das ist irgendwie nicht ganz seine Tempo-Liga.

Guter Komfort

Das Heck des Discovery
Das Heck des Discovery © Land Rover

Zum gemütlicheren Fahren verleitet auch das eher auf Komfort denn auf Dynamik ausgelegte Fahrwerk des Allraders, was zum Gesamtkonzept des Autos – und auch zu seinem eher rundlichen als sportlichem Design - sowieso besser passt. Nur halt nicht zu seinem Namen. Aber das hatten wir ja schon.

Dieser Land Rover hat das neue Bediensystem für die Elektronik an Bord. Das ist nichts weniger als ein riesiger Fortschritt im Vergleich zu früheren Modellen. Klare Kachelgrafiken und ein vernünftiges Navi sind hier zuvorderst zu nennen. Die Anbindung ans Smartphone klappte problemlos, alle wichtigen Inhalte wie Anruflisten und Kontakte fanden wir auf dem Bildschirm wieder. Im Vergleich zu den besten Wettbewerbern – als Beispiel sei hier BMW genannt – fehlt allerdings immer noch ein gutes Stück, etwa was Bedienungsfreundlichkeit aber auch Rechnergeschwindigkeit angeht.

Aber wir haben ja Zeit. Der Land Rover Discovery Sport verleitete nicht zur Hektik, sondern zum gelassenen Reisen. Dass man das SUV leider gar nicht so häufig auf der Autobahn antrifft, dafür umso eher in Innenstädten, ist wohl der kaum nachvollziehbaren überwiegenden Nutzung dieser Fahrzeuggattung als falsch verstandenes Lifestyle-Vehikel zu verdanken. Aber das kann man dem lässigen Briten nun wirklich nicht vorwerfen. Höchstens seinen Fahrern. (SP-X)






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