6. November 2017

Fahrbericht SUV auf Mainstream-Kurs Land Rover Discovery: Adieu Abenteuer

Der Land Rover Discovery nimmt Abschied von der Entdeckungstour
Der Land Rover Discovery nimmt Abschied von der Entdeckungstour © AG/Flehmer

Der Land Rover Discovery galt immer als der Arbeiter unter den Premium-SUV der Briten. Mit der fünften Auflage verändert sich das Image und auch das Einsatzgebiet, neue Orte zu entdecken.




Von Thomas Flehmer

Der Mainstream tanzt Disco. Waren die ersten vier Generationen des Land Rover Discovery polarisierend und rustikal gestaltet, so reiht sich Nummer fünf ein in das Segment der Premium-SUV. Für Traditionalisten ein Frevel, für den Hersteller ein Gewinn. Wie in anderen Segmenten verkaufen sich auch in der Geländewagen-Oberklasse optisch eher unauffällig gestaltete Fahrzeuge besser als vom Trend abweichende.

Wobei unauffällig für den Discovery weiterhin ein Fremdwort ist. Denn der 4,97 Meter lange Geländegänger unterstreicht allein schon durch die hoch angelegte Motorhaube sein Potenzial. Aber auch auf den folgenden Metern zum Heck hin ist Understatement nicht gerade die Stärke des Discos. Die Höhe von 1,89 Metern wird durch die Dachkante hinter der B-Säule erreicht, die ein Überbleibsel alter Generationen ist und vor allem den Personen in der dritten Reihe genügend Kopffreiheit bescheren soll.


Starke Verwandtschaft zu Range Rover

Den traditionellen Knick am Heckfenster hat der Disco nun allerdings zu Grabe getragen. Gerade dieser optische Kniff unterschied den Discovery von anderen Geländegängern und war das Markenzeichen, mit dem der Disco am stärksten polarisierte. Jetzt prangt der Schriftzug Discovery am Heck, um ihn von den anderen Modellen von Range Rover unterscheiden zu können. Denn der Land Rover hat sich der Premium-Schwester ganz stark angenähert.

Das wird auch im Innenraum deutlich. Gerade in der Version Luxury ist der Charakter des einstiegen Raubeins Geschichte. Ledersitze in Ebony/Glacier, klar angelegte Instrumente mit einem großen Touchscreen kommen ganz nah an das Flaggschiff Range Rover. Hier strahlt alles in Edel, sodass der Gang ins Gelände – für die Vorgänger-Generationen selbstverständlich – dem neuen Discovery erspart bleibt. Wer unbedingt ins Gelände will, kann den Disco für knapp 5000 Euro zum Offroader umgestalten. Doch der Allradler wird sich zumeist darauf beschränken, auf dem Boulevard entdeckt zu werden statt zu entdecken.

Land Rover Discovery verzichtet auf zwei Töpfe

Bei den Assistenten herrscht Nachholbedarf
Bei den Assistenten herrscht Nachholbedarf © AG/Flehmer

Dafür verzichtet dann auch auf zwei zusätzliche Zylinder. Aus vier Töpfen kramt der 2.0 SD4 HSE Luxury 177 kW/244 PS hervor. 500 bei 1500 Umdrehungen anliegende Newtonmeter bringen das trotz mächtiger Diät von bis zu 480 Kilogramm aufgrund des Verzichts auf Geländetechnik und zwei Töpfe immer noch 2,3 Tonnen wiegende Getüm innerhalb von 9,1 Sekunden auf 100. Auch bei der Höchstgeschwindigkeit von 207 km/h hält der Vierzylinder länger durch als so manch anderer Mitbewerber.

Die Achtgang-Automatik von ZF schaltet sich dabei geschmeidig hoch und runter, das Fahrwerk bewahrt den Fahrkomfort selbst bei Unwegsamkeiten. Entspannung pur ist während der Fahrt angesagt – auch hier nähert sich der Disco dem Range Rover an. Dass noch kein adaptiver Tempomat und ein Spurhalte-Assistent serienmäßig an Bord sind, ist unverständlich.

Land Rover Discovery SD4 ab 54.400 Euro

Umständlich ist die Bedienung des Navis
Umständlich ist die Bedienung des Navis © AG/Flehmer

Umständlich ist die Bedienung des Navis, deren Zielpunkt auf der Karte nach der Adresseingabe noch angetippt werden muss, ehe der Start-Button aufleuchtet. Wer einmal in den neuen Fahrzeuge von Jaguar Land Rover gesessen hat weiß dieses, der Neuling nimmt zunächst die Bedienungsanleitung in die Hand, um sich auf die Suche nach dem unsinnigen Bedienungsschritt zu machen. Auch eine Art von Discovery.

Ansonsten findet sich der Disco-Fahrer gut zurecht und erfreut sich über die Digitalisierung des Armaturenbretts, deren Informationen über das Lenkrad leicht und intuitiv abgerufen werden können. Zum Beispiel den Verbrauch, der nicht unter 8,5 Liter rutschte – trotz vernünftigen Fahrens. Und wird der Wagen erst einmal losgelassen, ist der zweistellige Bereich in greifbarer Nähe. Angegeben sind 6,9 Liter auf der Rolle. Dafür ist der Alltagswert für diesen Brummer nicht schlecht.

Die schon öfter zitierte Nähe zum Range Rover kommt auch bei der Preisgestaltung zum Vorschein. Bei 54.400 Euro beginnen die Preise für den SD4. In der Version HSE Luxury sind es zum Anfang schon 71.700 Euro. Versehen mit Sicherheits- und Technikpaketen, Einparkhilfe, Dachreling, sieben Sitzen und der Metallic-Farbe Scotia Grey werden 82.145 Euro notiert. Auch hier tanzt der Mainstream Disco.






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