31. Oktober 2016

Fahrbericht In der Nachfolge des Freelanders Land Rover Discovery Sport: Schickes Vorzimmer vom Chef

Der Land Rover Discovery Sport ist das noble Einstiegsmodell der Marke
Der Land Rover Discovery Sport ist das noble Einstiegsmodell der Marke © AG/Flehmer

Mit dem Discovery Sport offeriert Land Rover den eleganteren Einstieg in die Marke als der eher burschikose Freelander. Das neue Einstiegsmodell entpuppt sich als Mix zwischen dem Topmodell Range Rover und dem lifestyligen Evoque – leider auch beim Preis.




Von Thomas Flehmer

Mit dem Erfolg steigen auch die Ansprüche. Durch die Erfolge der letzten Jahre, die Land Rover zu Recht einheimste, muss natürlich auch das Angebot dementsprechend herausgeputzt werden. Die einstmals robuste Geländewagenmarke entwickelt sich immer mehr hin zum Boulevard-Posierer ohne die traditionellen Eigenschaften aufzugeben.

So gesehen hatte der burschikose Freelander bei Land Rover kaum noch eine Chance, als Einstiegsmodell der Marke zu fungieren und wurde im vergangenen Jahr durch den Discovery Sport abgelöst, der viele Range Rover-Gene in sich verbirgt und als ein Mix aus dem Topmodell Range Rover und dem Baby-Range Evoque vorfährt.


Ähnlichkeiten mit dem Range Rover Evoque

Die Front muss man sich zwei Mal anschauen, um der Unterschiede zwischen Evoque und Discovery Sport gewahr zu werden. Auch die Seitenansicht ist fast identisch – während beim Evoque die Dachlinie hinter der B-Säule sich absenkt, hält der kleine Disco die Linie, was sich dann auch auf den Sitzkomfort in der zweiten Reihe auswirkt.

Doch auch in der ersten Reihe ist genügend Platz vorhanden. Das Weiß der Glacier Windsor-Lederausstattung erinnert stark an das Ambiente des Range Rover. Und wie beim „Chef“ verströmt auch das Cockpit des Discovery Sport diese noble Wohlfühlatmosphäre – quasi als kleines Vorzimmer des Chefs.

Hohe Verweildauer im Land Rover Discovery Sport

Aussteigen ist beim Land Rover Discovery Sport nicht erwünscht
Aussteigen ist beim Land Rover Discovery Sport nicht erwünscht © AG/Flehmer

Und ebenso wie man nach langen Fahrten den Range Rover gar nicht verlassen mochte, so lädt auch der 4,60 Meter lange Disco Sport zum Verweilen ein – bei einem Radstand von 2,72 Metern bleiben auch die Mitfahrer in der zweiten Reihe länger sitzen. Bei den beiden Insassen einer optional bestellbaren dritten Sitzreihe sähe es wohl anders aus. Ohne die Notsitze können zwischen 689 und 1698 Liter Gepäck verstaut werden.

Das Fahrwerk, das auch für die Fahrten im Gelände ausgelegt ist (und bei Land Rover bedeutet Gelände auch wirklich Gelände), verwandelt den Allradler in eine Sänfte, die Bodenunebenheiten im Vorbeifahren ausbügelt. Die stufenlose Dämpfereinstellung findet die richtigen Lösungen für unwegsame Fahrten, die aber selbst mit Einsteiger eher selten begangen werden, auch wenn die Luxus-Variante mit Kameras das Umfeld des Fahrzeugs auf dem Monitor anzeigt.

Annehmlichkeiten zum Preis eines Freelander

Der Land Rover Discovery Sport ist eher ein Cruiser denn Sportler
Der Land Rover Discovery Sport ist eher ein Cruiser denn Sportler © AG/Flehmer

Zum Säumen im Innern trägt auch das neue Aggregat der so genannten Ingenium-Motorenfamilie bei. Ausgestattet mit 132 kW/180 PS sowie 430 Newtonmetern fährt der Discovery Sport allerdings weniger behende an als man meinen möchte. Die Turbodiesel-Gedenksekunde legt auch das Kompakt-SUV ein, ehe nach 8,9 Sekunden Tempo 100 erreicht sein soll. Die Neungang-Automatik, die in der Ausstattungsvariante HSE Luxury serienmäßig ist und in den anderen Linien mit 2350 Euro berechnet wird, verrichtet fast unmerklich ihren Dienst.

Trotz des Namenszusatzes „Sport“ sollte der neue Einstiegs-Landy eher als „Cruise“ angesehen, auch wenn die Höchstgeschwindigkeit mit 200 km/h angegeben wurde. Auf der Autobahn vergehen auch 160/170 km/h wie im Flug. Mit dem angegebenen Verbrauch von 5,3 Litern darf man dabei nicht rechnen, 8,6 Liter forderte die zügige Fahrt. Für einen 1,9 Tonner ein gerade noch akzeptabler Wert.

Die Akzeptanz endet aber in einem anderen Bereich. Mit einem Preis von 33.250 Euro ist der Discovery Sport viel höher angesiedelt als der burschikose Vorgänger und befindet sich im Umfeld des Evoque. Für die Variante HSE Luxury mit allem Schnickschnack kommen weitere 23.000 Euro auf den Käufer zu, der für diesen Preis schon fast einen Freelander erhalten hätte. Aber auch das Vorzimmer vom Chef muss einen guten Eindruck hinterlassen, wenn die robusten Gene mehr und mehr verschwinden.






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