21. April 2017

Fahrbericht Kompaktklasse aus Russland Lada Vesta: Von der römischen Göttin zum russischen Stufenheck

Der Vesta soll Lada neuen Schwung bringen Fotos ▶
Der Vesta soll Lada neuen Schwung bringen © AG/Flehmer

Mit dem Vesta will Lada das angestaubte Image ablegen. Zwar wird der Kompakte in für hiesige Längengrade zunächst nur in der ungewöhnlichen Stufenheck-Variante angeboten, bietet dabei aber doch einige Farbtupfer.




Von Thomas Flehmer

Außergewöhnlich war bisher ein Fremdwort für Lada. Die russische Traditionsmarke, die vor allem durch den Niva Kultstatus erlangte, versucht mit dem Vesta ein wenig Extravaganz zu erlangen, auch wenn der Name selbst fast schon zu gebräuchlich ist. Der Name Vesta steht anfangs für eine römische Göttin, später ebenso wie für einen Asteroiden, eine Rakete, diverse Schiffe und Lokomotiven, Nähmaschinenwerke oder diverse Orte in Deutschland, Italien oder den USA – und dort gleich zehn Mal.

Als Friedensbotschafter nach dem kalten Krieg taugt der 4,41 Meter lange Kompakte aus Russland sicherlich dort nicht, vor allem auch, weil Präsident Donald Trump erhebliche Strafzölle für fremde Fabrikate angekündigt hat. Doch steht der Vesta für einen neuen Aufbruch, dem auch ein Eintritt in neue Märkte folgen soll – von den ehemaligen Sowjetrepubliken über den nahen Osten und Afrika bis nach Kuba.


Lada Vesta gibt neue Designlinie vor

Der Neuanfang ist auch sichtbar. Zwar gibt es den Vesta bisher nur als in unseren Gefilden eher unübliches Stufenheck, doch sticht das vom neuen Chefdesigner Steve Mattin entworfene X-Design sehr stark heraus. An der Front laufen die beiden Hälften des Buchstabens unterhalb von Kühlergrill und Scheinwerfer aufeinander zu und werden zudem die folgenden Modelle prägen.

Noch stärker prägt sich das X in die Seitenlinie und lenkt damit zugleich vom Heck ab, das natürlich nicht den Ansprüchen der angepeilten 1200 deutschen Kunden im Jahr folgt, sondern von den russischen Bedürfnissen beeinflusst wird, für die ein Stufenheck halt attraktiver und nützlicher erscheint als ein Fließheck – vor allem bei einem Kofferraumvolumen von 480 Litern – glatte hundert Liter mehr als beim VW Golf. Der im kommenden Jahr auf den Markt kommende Kombi wird den eher westeuropäischen Wünschen dann sehr viel gerechter.

Topmodell für nur 1000 Euro Aufpreis

Gut ausgestattet ist bereits die Basisvariante des Lada Vesta
Gut ausgestattet ist bereits die Basisvariante des Lada Vesta © AG/Flehmer

Auch der Innenraum hat den Mief vergangener Jahrzehnte abgeschüttelt. Zwar ist viel in Plastik gehalten und die Sitze ein wenig zu weich ausgefallen, doch sind die Geräte gut angeordnet und ablesbar - die Technik aus den 80 Jahren gehört der Vergangenheit an. Von Beginn an sind auch Klimaanlage, Bordcomputer, Sitzheizung, Parksensoren, Freisprecheinrichtung und Tempomat mit an Bord – ein weiteres Plus, das nicht viele Hersteller bieten.

Und wer auf den Basispreis von 12.490 Euro noch einen weiteren Tausender drauflegt, erhält schon die Topvariante. Dann sorgen Frontscheibenheizung, ein sehr gut ablesbares und klar strukturiertes Multimediasystem mit Navi und sehr guter Rückfahrkamera sowie eine Klimaautomatik für mehr Komfort, auch wenn beim Navi mit einem Knopfdruck von der russischen auf die deutsche Sprache umgeschaltet werden muss.

Lada Vesta schon mit Notruf-System unterwegs

Lada setzt auf den eigenen Motor
Lada setzt auf den eigenen Motor © AG/Flehmer

Moderne Fahrsicherheitsassistenten gibt es für den Preis noch nicht, sind aber auch noch nicht im Programm der russischen Marke aufgetaucht. Auch ein Stopp-Start-System sowie Apple CarPlay oder Android Auto sucht man noch vergeblich. Dafür verbirgt sich hinter einem Blindstopfen ein Notruf, der erst ab dem kommenden Jahr in allen Neuwagen enthalten sein muss.

Zwar ist seit knapp zehn Jahren die Renault-Nissan-Allianz Anteilseigner von Lada-Mutter Avtovaz, doch bedient sich Lada für den Motor und das Getriebe nicht bei der französisch-japanischen Kombination, sondern setzt allein auf den in Eigenbau produzierten 1,6 Liter Saugbenziner mit 78 kW/106 PS und 148 Newtonmetern Drehmoment.

Damit erreicht der Vesta nach 11,8 Sekunden den dreistelligen km/h-Bereich und schafft eine Höchstgeschwindigkeit von 180 km/h. Diese wurden auf der Autobahn auch erreicht – und zwar mit einer sehr niedrigen Lautstärke, die auch in höheren Bereichen nicht sehr viel lauter wurde. Das Fahrwerk federt dabei nicht alle Unebenheiten aus, sorgt aber auch nicht für Unmut im Innenraum.

Lada erstmals mit automatisierten Schaltgetriebe

Für Unmut könnte – gerade in den höheren Geschwindigkeitsbereichen – der Verbrauch sorgen. Lediglich fünf Gänge gibt es, egal ob beim Handschalter oder bei dem erstmals zum Einsatz kommenden automatisierten Schaltgetriebe. Auch wenn der fünfte Gang in der Stadt bei knapp über 50 km/h eingelegt werden kann, sind die auf der Rolle erzielten fünf Liter Verbrauch in Kombination von Stadt und Land eher Schall und Rauch, was aber in einem späteren längeren Test erst verifiziert werden könnte.

Mit dem Vesta hat Lada die Zutaten für einen neuen Aufbruch gemeinsam mit dem fairen Preis-Leistungs-Verhältnis so gut gemischt, dass der Vesta Außergewöhnliches leisten könnte. Erstmals könnte die Pkw-Sparte von Lada den kultigen Niva, der jetzt als 4x4 Urban oder 4x4 Taiga nicht nur Förster begeistert, an der unternehmenseigenen Spitze ablösen.






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