28. Januar 2016

Fahrbericht Preis unter 20.000 Euro Kia Sportage: Gestylt ins Gelände

Der Kia Sportage kommt nun in vierter Generation.
Der Kia Sportage kommt nun in vierter Generation. © Kia

Der Kia Sportage ist in der vierten Generation sportlicher und auf den ersten Blick auch günstiger geworden. Was das SUV der Koreaner zu bieten hat, zeigt unser Fahrbericht.




Nach nur gut fünf Jahren legt Kia sein Kompakt-SUV Sportage neu auf. Die vierte Generation des in Europa entwickelten und gebauten Koreaners kommt optisch deutlich sportlicher daher und ist auf den ersten Blick ein Schnäppchen. Doch die 19.990 Euro, die Kia für den Basis-Sportage ausruft, entpuppen sich bei genauer Betrachtung als Lockvogelangebot.

Wer den soliden Pseudo-Offroader etwas stärker motorisiert und auch noch hübsch ausgestattet ordert, landet schnell bei über 30.000 Euro und damit in der Preisregion eines (etwas schlechter bestückten) VW Tiguans.


Vier Zentimeter länger geworden

Die Neuauflage des Kias ist um vier Zentimeter auf 4,48 Meter gewachsen, bietet den Passagieren etwas mehr Platz und wirkt deutlich muskulöser als der Vorgänger. Ins Fitnessstudio habe man das SUV geschickt, betont die Marketingabteilung des Autobauers. Der typische, knochenförmige Kühlergrill ist gewachsen, die Motorhaube stark konturiert, dazu kommen schnittige Scheinwerfer und deutlich abgesetzte Nebelleuchten. In der Heckansicht fällt das Training besonders auf, hier werden die kräftigen Schultern deutlich, die durch breite Heckleuchten noch zusätzlich betont werden. Hinter die auf Wunsch elektrisch betätigte Kofferraumklappe passen nun 503 Liter, klappt man die Rücksitze um, gehen knapp tausend Liter mehr rein.

Das Cockpit im Sportage
Das Cockpit im Sportage © Kia

Innen präsentiert sich der Kia unspektakulär aber solide: Die Sitze sind auf allen Plätzen ordentlich, die Lehne der Rückbank lässt sich für mehr Komfort in der Neigung justieren und der Verstellbereich von Fahrersitz und Lenkrad ist weit genug, damit jeder schnell eine ordentliche Sitzposition findet. Unter dem großen Infotainment-Touchscreen auf der Mittelkonsole – und auf dem Lenkrad – finden sich noch zahlreiche Tasten und Schalter, deren Anordnung man aber schnell begreift und die für viele Kunden sicher verständlicher sind, als ein zentraler Steuerknubbel. Im oberen Teil, auf dem Dashboard, hat Kia weiche Materialien verbaut, darunter dominiert leider Hartplastik.

Drei Diesel und zwei Benziner

Das Motorenangebot umfasst drei Diesel und zwei Benziner: Der 97 kW/132 PS starke Einstiegs-Otto ist der einzige, der im 19.990-Euro-Basis-Paket mit Frontantrieb, magerer Ausstattung und ohne Option auf Extras erhältlich ist, sein gleich großer, aber dank Turbo auf 133 kW/177 PS erstarkter Bruder kommt dagegen nur in der sowohl sportlichen aber auch teuren GT-Linie (unter anderem mit LED-Tagfahrlicht, Chromdekor und serienmäßigen 19-Zöllern) mit Allradantrieb – und schlägt mit 34.190 Euro zu Buche.

Bei den Selbstzündern besteht die Wahl zwischen dem 1.7er mit Zweirad-Antrieb (85 kW/115 PS), einem 100 kW/136-PS-Zweiliter, der wahlweise mit Front- oder Allradantrieb vorfährt, und der immer vierradgetriebenen Top-Version des 2.0 CRDi mit 136 kW/185 PS. Der günstigste Diesel kostet mit mindestens 23.390 Euro schon deutlich mehr als der kleine Otto, die Preisliste reicht bis 42.190 Euro für das komplett ausgestattete Platinum-Paket. In den schon gut bestückten mittleren Ausstattungs-Linien Vision und Spirit stehen weitere Wahlmöglichkeiten zur Verfügung, die den Sportage angenehmer gestalten; sei es die Lenkradheizung, ein umfangreiches Sicherheitspaket unter anderem mit Notbremsassistent und Querverkehrwarner oder das Panoramadach. Bis auf die beiden Einstiegsmotoren fahren alle Selbstzünder übrigens standardmäßig schon mit Navigationssystem vor, eine Stopp-Start-Automatik gibt es dagegen nur in der Spirit-Ausstattung und ausschließlich für die frontgetriebenen Modelle.

Wenig dynamisch

Ist etwas länger geworden, der Kia Sportage
Ist etwas länger geworden, der Kia Sportage © Kia

Dass der stärkste Selbstzünder 185 PS und ordentliche 400 Newtonmeter Drehmoment in die Waagschaale wirft, ist – zumindest in Kombination mit der für die Allrad-Diesel optionalen Sechsgang-Wandlerautomatik – nicht besonders spürbar. 9,5 Sekunden dauert der Standardsprint, bei 201 km/h streicht der gut 1,6 Tonnen schwere Kia die Segel und wirkt insgesamt wenig dynamisch: Im Getriebe scheint ein Teil der Leistung zu verpuffen, hin und wieder sucht der Automat unambitioniert nach dem richtigen Gang. Besserung bringt der Sportmodus, der die Gänge reichlich lange ausdreht; noch besser wäre das Siebengang-Doppelkupplungsgetriebe aus dem großen Benziner. Zu Gute halten muss man dem Aggregat, dass es kaum zu hören ist, was vor allem den umfangreichen Maßnahmen zur Geräuschdämmung zu verdanken ist.

Deutlich mehr Fahrspaß bietet der mittlere Selbstzünder mit Handschaltung, der trotz weniger Kraft deutlich spritziger ans Werk geht und dem starken Bruder nur bei der Höchstgeschwindigkeit (184 km/h) deutlich hinterher hinkt. Verzichtet man auch noch auf den Allradantrieb, wirkt der Kia noch einen Deut agiler und wird sparsamer. 4,9 Liter soll sich der Selbstzünder nehmen. Zum SUV-Charakter des Sportages passen die relativ langen Schaltwege des manuellen Getriebes genauso wie das neu abgestimmte Fahrtwerk, das eher auf Komfort getrimmt ist und nur bei Querfugen ins Schwitzen beziehungsweise Hoppeln kommt.

Zum Cruisen und für die Langstrecke eignet sich der Kia mit dieser Abstimmung hervorragend, wer dagegen wie etwa mit einem Audi Q5 zackig ums Eck will, dem dürfte der Unterbau zu unverbindlich sein. An der Lenkung scheitert die Kurvenhatz dagegen nicht, sie ist vorbildlich leichtgängig und direkt. (SP-X)






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