22. September 2014

Fahrbericht Sieben Jahre Garantie Kia Soul EV: Strom für die Seele

Der Kia Soul EV verfügt über eine Reichweite von über 200 Kilometern. Fotos ▶
Der Kia Soul EV verfügt über eine Reichweite von über 200 Kilometern. © Kia

Ab November steigt Kia in die elektrische Welt ein. Der Soul EV bietet eine Menge Fahrspaß und unter bestimmten Voraussetzungen sind auch die Reichweitenängste kein Problem mehr.




Von Thomas Flehmer

Es gehört eine Portion Mut dazu, ein Elektroauto in Deutschland einzuführen. Denn Elektroauto und Deutschland passen nicht ganz zusammen. Etwas mehr als 6100 rein elektrisch angetriebene Fahrzeuge, die im vergangenen Jahr verkauft wurden, reichen nicht mal aus, um von einer Nische zu sprechen - geschweige denn die Forderung der Kanzlerin nach einer Million Elektrofahrzeugen bis 2020 zu erfüllen. Während in Norwegen dank zahlreicher finanzieller und praktischer Unterstützungen das Segment boomt, greifen in unserem Land zumeist Flotten- oder Gewerbekunden bei dem auch noch begrenzten Angebot zu.


Kia Soul EV in 25 Minuten aufgeladen

Von daher sind die Ansprüche der Verantwortlichen von Kia hinsichtlich des ab November angebotenen Soul EV auch auf niedrigem Niveau angesiedelt. Sollte der niedrige dreistellige Bereich erreicht werden, wäre man in der europäischen Konzernzentrale in Frankfurt am Main schon froh. Gerade dort – in der Zentrale – gibt es die Lösung für etwaige Reichweitenängste, die neben den hohen Preisen höhere Verkaufszahlen von Elektroautos verhindern. Denn Kia hat dort in der vergangenen Woche die ersten Ladestationen mit 100 kW aufgestellt, mit denen der Soul innerhalb von 25 Minuten wieder bis zu 80 Prozent aufgeladen werden kann – bis die Fahrt dann wieder fortgesetzt werden kann.

Kia Soul EV mit über 200 Kilometer Reichweite

An der Schnellladesäule ist der Kia Soul EV in 25 Minuten aufgeladen
An der Schnellladesäule ist der Kia Soul EV in 25 Minuten aufgeladen © Kia

Rund 160 Kilometer stünden dann wieder zur Verfügung – mehr als genug für die meisten täglichen Bedürfnisse im Stadtverkehr. Insgesamt soll der Soul mehr als 200 Kilometer schaffen, aber das ist – wie auch bei den Verbrennungsmotoren – immer vom Fahrer abhängig. Und beim Soul wird der Fahrer ganz schön auf die Probe gestellt.

Denn von Beginn an stehen 285 Newtonmeter Drehmoment für die 27 kWh starke Lithium-Ionen-Polymer-Batterie an, mit denen selbst Porschefahrer an der Ampel abgehängt werden können. Ja, es macht immer wieder Freude, den 81 kW/110 PS starken Kia Soul EV auf Touren zu bringen, auch wenn der lange Sprint bis zur 100 km/h-Marke 11,2 Sekunden dauert. Doch beim Soul EV, der sich durch ein eigenständiges Frontdesign samt Grill von den Soul-Modellen mit Verbrennern unterscheidet, sind es die ersten Meter, die den Spaßfaktor erhöhen.

Viel Fahrspaß im Kia Soul EV

Schickes Design im Kia Soul EV
Schickes Design im Kia Soul EV © Kia

Dass dieses nicht der Sinn und Zweck von Elektroautos ist, sollte klar sein, wird dem Fahrer aber nach der Beschleunigungsorgie auch schnell wieder klar. Vor allem dann, wenn er in der Stadt statt im normalen "D"-Modus den Schalthebel auf "B" stellt. Dann wird der Grad der Rekuperation derart verschärft, dass ein Bremsen nicht mehr notwendig ist. Im Gegenteil: Selbst beim Ausrollen an eine Ampel geht die Geschwindigkeit sehr schnell auf zehn, elf km/h runter und führt der Batterie so wieder Saft zu. Wer also vorausschauend fährt, wird nicht viel von seiner Reichweite einbüßen.

Auf der Autobahn dagegen – wenn es Richtung 145 km/h Höchstgeschwindigkeit geht – schmilzt die Reichweite natürlich schneller. Doch Reichweitenängste sollten auch nicht mit an Bord sein. Denn das Navigationssystem warnt vor, sollte das eingegebene Ziel außer Reichweite sein oder es knapp werden könnte mit dem Strom. Zugleich zeigt das Navi auch die nächsten Ladesäulen an. In den kommenden Monaten werden noch einige mehr hinzukommen, denn Kia wird weitere 233 Schnellladesäulen in Europa installieren.

Kia Soul EV für 30.790 Euro

Auch beim Kia Soul EV gibt es sieben Jahre Garantie
Auch beim Kia Soul EV gibt es sieben Jahre Garantie © Kia

Trotz der wachsenden Zahl an Ladestationen wird auch der Kia Soul EV das Schicksal der Elektroautos in Deutschland teilen und trotz des hohen Fahrspaßes kaum auf den Straßen zu sehen sein. Denn 30.790 Euro für den dann auch schon fast komplett eingerichteten Soul EV – es gibt lediglich noch ein Optionspaket mit Teilledersitzen für 990 Euro - sind eine Ansage, auch wenn sich der Preis mit denen der Mitbewerber deckt, die das reine Auto zwar viel günstiger anbieten, dann aber monatliche Leasingraten für die Batterie verlangen.

Dass sich diese Kosten im Laufe des Soul-Lebens – auch die Elektrovariante verfügt über sieben Jahre Garantie – amortisieren, ist auch klar. Aber fehlende finanzielle Anreize schrecken potenzielle Kunden ab, sodass auch der Soul EV eher als gewerbliches Fahrzeug zu sehen sein wird – jedenfalls in Deutschland, wo es immer noch mutig ist, ein Elektrofahrzeug auf den Markt zu bringen.






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