10. November 2017

Fahrbericht Kleinstwagen nicht nur für die Stadt Kia Picanto GT Line: Kurzer Blender mit langen Fähigkeiten

Der Kia Picanto kann auch auf längeren Strecken eingesetzt werden
Der Kia Picanto kann auch auf längeren Strecken eingesetzt werden © AG/Flehmer

Der Kia Picanto ist auch in seiner dritten Generation hauptsächlich ein Auto für den urbanen Verkehr. Doch der Kleinstwagen bewältigt auch längere Strecken recht gut - wenn die Insassen sich einschränken.




Von Thomas Flehmer

Dass das Einsatzgebiet von Kleinstwagen hauptsächlich der städtische Alltag ist, kann auch der Kia Picanto nicht verleugnen. Doch nicht nur als optische sehr ansprechende GT Line schafft der gerade einmal 3,67 Meter kurze Kleinstwagen auch längere Strecken in höheren Geschwindigkeiten - wenn diverse Kompromisse eingegangen werden, je nachdem, wie lang die Reise andauert.

Das beginnt mit der Anzahl der Personen. Ein Wochenendausflug mit insgesamt vier Insassen ist machbar. Dauert der Aufenthalt am Erholungsort länger, schrumpft die Anzahl der Mitreisenden ebenso sehr wie sich die Anzahl der Wochen vermehrt.




Drei Personen für eine Woche

Dauert der Aufenthalt eine Woche, ist bei drei Personen Schluss, da neben einem Koffer und einer großen Tasche im 255 Liter fassenden Kofferraum auch der vierte Sitzplatz im Fond mit einem Gepäckstück belegt wird. Die hinten sitzende Person verfügt dann über weiterhin genügend Platz und kann die jeweiligen Reisetaschen auch zum Anlehnen benutzen. Man sollte ja immer das Nützliche mit dem Angenehmen verbinden.

Bei zwei Wochen Aufenthalt, empfiehlt es sich, die Rücksitze gleich ganz umzuklappen und dann die bereit stehenden 1010 Liter als Gepäckaufbewahrung zu nutzen. Fahrer und Beifahrer bleibt dann genügend Raum, um bequem die Fahrt anzugehen. Der Innenraum der Variante GT Line ist dabei etwas farbenfroher gestaltet als die normale Variante ohne dabei die Praktikabilität aus den Augen zu verlieren.

Unerreichbare Höchstgeschwindigkeit

Das Cockpit des Picanto sorgt für gewisse Fabrtupfer
Das Cockpit des Picanto sorgt für gewisse Fabrtupfer © AG/Flehmer

So sind die Instrumente gut ablesbar und der Bordcomputer leicht über die Tasten am Lenkrad steuerbar. Der Touchscreen in der Mittelkonsole kann ebenso intuitv gesteuert werden. Die Sitze sind etwas weicher ausgefallen, aber die zwei Stunden bis zur nächsten Pause werden in ihnen nicht zur Qual. Und man sollte sich immer vor Augen halten, dass man in einem Kleinstwagen sitzt.

Das trifft auch auf den 1,2 Liter großen Vierzylinder zu. Mit seinen 62 kW/84 PS ist der Picanto trotz der lediglich knapp 1000 Kilogramm, die der Kleinwagen auf die Waage bringt, kein Sportler. Glatte zwölf Sekunden dauert es, bis Tempo 100 erreicht wird. Immerhin hält er bis 173 km/h durch, auch wenn die Spitze praktisch nie erreicht wird. Auf dem Weg dorthin nimmt die Beschleunigung immer mehr ab, sodass lediglich eine freie Autobahn Vmax garantieren könnte.

Zum anderen nimmt im gleichen Maße die Dezibelzahl des Motors zu, sodass der Fahrer mit völlig ausreichenden 150 km/h vorlieb nimmt. Dann ist die Unterhaltung mit dem oder den Nachbarn weiterhin gegeben ohne dass das Aggregat störend wirkt. Viel störender ist die Entwicklung auf der Tankuhr. Denn selbst bei Geschwindigkeiten zwischen 140 und 150 km/h steht ein Verbrauch von 7,2 Litern unterm Strich. Und selbst zwischen 120 und 130 km/h bei rund 2500 Umdrehungen müssen 6,6 Liter eingerechnet werden, da der - allerdings mit drei Personen und Gepäck vollbesetzte - kleine Vierzylinder halt Kurbellenwellen benötigt, um auf Draht zu bleiben.

Kia Picanto als König der Parklücke

Somit fallen auch Kurvenjagden weitgehend aus, auch wenn lediglich 2,40 Meter Radstand ein gewisses Maß an Agilität garantieren. Die fünf Gänge, der höchste Gang bereits bei 50 - 55 km/h, können dabei gut eingelegt werden, der Rückwärtsgang sperrt sich manchmal. Im zweiten Versuch klappt es dann aber.

Auch wenn längere Fahrten mit dem Picanto angegangen werden können, fühlt sich der Picanto in der Stadt doch wohler. Das Mitschwimmen im Verkehr, die besseren Aussichten auf keine Parklücken, deren Ansteuern dank einer sehr scharfen Rückfahrkamera zum Kinderspiel avanciert, sind die Trümpfe für Kias Kleinsten, der mittlerweile in der dritten Generation durch über den Asphalt rast.

Kia Picanto GT Line ab 14.990 Euro

Sehr schick sieht der Kia Picanto aus
Sehr schick sieht der Kia Picanto aus © AG/Flehmer

Nicht nur für die Stadt ist die optische Ausstattung der GT Line gedacht. Rote Umrandungen an der Front sowie an den Seiten strahlen eine sportliche Dynamik aus, die der kleine Motor aber gar nicht erfüllen kann und auch nicht muss. Doch verleiht die Ausstattung dem Picanto etwas Erhabenes innerhalb der Kleinwagenklasse.

Diese Erhabenheit lässt sich Kia aber auch bezahlen. Während die Basisvariante bei den üblichen 9900 Euro beginnt, werden für den GT Line schon 5000 Euro mehr fällig. Kommen noch Komfort-Paket für 790 Euro und das 990 Euro teure Navi (wer es braucht) hinzu, müssen schon 16.770 Euro investiert werden. Dann ist der Kleinwagen aber auch schon fast komplett ausgestattet. Und seine Tauglichkeit für einen längeren Atem beweist der Picanto nicht nur auf der Fahrt in den Urlaub, sondern auch mit Kias unschlagbarer Garantie von sieben Jahren, die natürlich auch im Haupteinsatzgebiet der Stadt gilt.






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