14. Juli 2016

Fahrbericht Crossover mit Hybrid-Antrieb Kia Niro: Der ungleiche Zwilling

Kia feiert mit Niro Premiere im Hybrid- und Crossoversegment. Fotos ▶
Kia feiert mit Niro Premiere im Hybrid- und Crossoversegment. © AG/Flehmer

Kia feiert gleich zwei Premieren mit einem Auto. Der Niro ist nicht nur der erste Crossover der Koreaner, sondern zugleich der erste Kia mit einem Hybrid-Antrieb.




Von Thomas Flehmer

Erst kürzlich stellte Hyundai mit dem Ioniq ein komplett neues Fahrzeug vor, das gleich mit drei Antrieben gefahren werden kann. Tochter Kia stellt mit dem technisch auf einer Plattform stehenden Niro den Zwilling hinzu. Trotz der innigen Verwandtschaft fahren beide Fahrzeuge mit völlig unterschiedlichen Ansätzen in verschiedene Richtungen.

So setzt Kia ab dem 24. September auf den Hybrid und ab dem letzten Quartal 2017 auf den Plugin-Hybrid und verzichtet auf die Elektrovariante, die Hyundai im Ioniq anbietet, da Kia mit dem Soul EV schon im Elektrosegment vertreten ist. Doch auch sonst unterscheiden sich die koreanischen Zwillinge völlig.


Bulliger Auftritt mit dem Kia Niro

Kia setzt mit dem Niro auf das boomende Trendsegment der Crossover und SUV. In der Tat verspricht die äußere Hülle eine gewisse Sportlichkeit, während der Ioniq sich vom Design her eher dem Toyota Prius annähert. Mit 4,36 Metern Länge und 1,81 Meter Breite füllt der Niro dabei die Lücke zwischen dem kompakten Ceed und dem Kompakt-SUV Sportage.

Der bullige Auftritt mit einer längeren Motorhaube und erhöhter Bodenfreiheit sowie Dachheckspoiler und Heckdiffusor gaukelt eine gewisse Geländegängigkeit vor. Im Innenraum selbst fühlt man sich nicht höher sitzen als in einem normalen Kompaktwagen. Das „Hoheitsgefühl“ fehlt also, dafür können sich die Insassen ansonsten aber sehr wohl fühlen. Denn die Koreaner haben den Niro mit vielen Soft-Touch-Oberflächen wertig gestaltet.

Kia Niro mit 2,70 Metern Radstand

Das Cockpit des Kia Niro ist sehr wertig ausgefallen
Das Cockpit des Kia Niro ist sehr wertig ausgefallen © Kia

Bei einem Radstand von 2,70 Metern – mehr als im Sportage – können sich nicht nur Fahrer und Beifahrer über viel Platz in den gut konturierten Sitzen freuen, auch die hinten sitzenden Personen verfügen über genügend Raum. Und auch das Gepäck findet auf 427 Litern seinen Platz. Ist die Rückbank umgeklappt, vergrößert sich das Volumen um weitere 1000 Liter.

Das Cockpit ist auf Intuition ausgelegt. Frühere Spielereien mit viel Schnickschnack um die Instrumente herum bietet der Niro zum Glück nicht. Alles ist übersichtlich angelegt und schnell erreichbar. Je nach Ausstattungsvariante variiert die Größe des Screens in der Mittelkonsole zwischen fünf und acht Zoll.

Kia Niro innerhalb von 11,5 Sekunden auf 100 km/h

Der Kia Niro kommt auf eine Systemleistung von 141 PS
Der Kia Niro kommt auf eine Systemleistung von 141 PS © AG/Flehmer

Bereits in der Basisversion Edition 7 sind Zwei-Zonen-Klimaautomatik, Zentralverriegelung mit Fernbedienung, LED-Tagfahrlicht und LED-Rückleuchten vorhanden. Hinzu kommen optional ein Notbremsassistent, ein adaptiver Abstandstempomat und Spurhalteassistent, sodass der Niro von Anfang an gut geschützt über die Straßen fahren kann.

Und das macht er zu Beginn sehr ruhig. Je nach der Stellung des rechten Fußes fährt der 1,5 Tonner rein elektrisch an. Doch ansonsten dient der 32 kW/44 PS starke Elektromotor der Unterstützung des 1,6 Liter großen Benziners mit 78 kW/105 PS. Gemeinsam erbringen Otto- und Elektromotor eine Systemleistung über 103 kW/141 PS, mit der der Niro innerhalb von 11,5 Sekunden Tempo 100 erreicht und mindestens 162 km/h auf der linken Autobahnspur schafft.

Zwei unterschiedliche Fahrwerke für den Kia Niro

Ist die Lithium-Ion-Polymer-Batterie aufgeladen und gibt 42 kW ab, kann es der Niro auch gut und gerne 20 km/h schneller angehen lassen. Völlig ausreichend. Straßenunebenheiten bügelt der Niro dabei sehr sanft aus, jedenfalls wenn man mit 16 Zöllern bereift unterwegs ist. Kia bietet seinen Hybriden auch mit 18 Zoll Leichtmetallfelgen und einem verändertem Fahrwerk an.

Der Unterschied zwischen beiden Fahrwerken macht sich deutlich bemerkbar. Angesichts des eigentlichen Spargedankens von hybriden Fahrzeugen ist deshalb dem weicheren Fahrwerk mit den kleineren Pneus der Vorzug zu geben. Mit 3,8 Litern Super soll sich der Niro mit den kleineren Rädern zufrieden geben. 0,6 Liter auf 100 Kilometern mehr benötigt die größere Variante. In der Effizienzklasse A+ bleiben beide.

Kia Niro ab 24.990 Euro

Bei 24.990 Euro geht der Kia Niro ins hybride Rennen, 1700 Euro teurer als das Schwestermodell. Gut ausgestattet ist der Kia dann trotzdem schon. Da bei Kia zumeist die höheren Ausstattungsvarianten gewählt werden, müssen 27.790 Euro für Vision oder 30.390 Euro für Spirit ausgegeben werden. Dafür sind dann schon Elemente an Bord, die in der Basisvariante Aufpreis kosten würden. Und die sieben Jahre Garantie erhält auch der Niro.

Rund 2000 Einheiten will Kia im ersten vollen Verkaufsjahr in Deutschland an den Mann oder die Frau bringen – 1000 mehr als Hyundai mit dem Ioniq Hybrid. Angesichts des viel aufregenderen Designs und des viel trendigeren Segments wird der ungleiche Zwilling wohl die Nase vorn haben.






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