16. Oktober 2015

Fahrbericht Sportwagen mit 550 PS Jaguar F-Type R Cabrio AWD: König von England

Geballte Power im Jaguar F-Type R Cabrio AWD
Geballte Power im Jaguar F-Type R Cabrio AWD © Jaguar

Mit dem F-Type ist Jaguar bereits das Comeback in der Sportwagenliga mehr als nur gelungen. Der Zweisitzer mit Allradantrieb setzt nun nicht nur akustisch dem Ganzen die Krone auf.




Von Thomas Flehmer

Wer ist schon James Bond? Wenn der Geheimagent Ihrer Majestät demnächst im neuen Abenteuer „Spectre“ in einem noch futuristisch anmutenden Jaguar C-X75 über die Leinwände flattert, können nicht nur eingefleischte Fans der traditionellen Marke aus dem Königreich sich ganz real gewisse Abenteuergefühle um die Ohren blasen lassen. Denn zwei Jahre nach der Markteinführung des F-Type hat Jaguar mit dem Allrad-Sportwagen die Baureihe gekrönt.


Jaguar F-Type zieht Zurückhaltung zurück

405 kW/550 PS drücken die beiden Insassen von Beginn an in die Sitze wie ein Flugzeug beim Starten. Zuvor allerdings hören Fahrer und Beifahrer sowie die annähernden Verkehrsteilnehmer eine kurze, Symphonie aus acht Töpfen. Der Sound wird dabei nicht einfach durch die vier Endrohre gejagt, sondern regelrecht herausposaunt, damit auch jeder vernimmt, wer nun an den Start geht.

Verstärkt werden kann die Symphonie durch die Klappensteuerung der Sport-Abgasanlage – auch „Prolltaste“ genannt – mit der die vornehme englische Zurückhaltung sich völlig zurückzieht. Dann kann sich keiner dem F-Type entziehen, der trotz anderer Konstitution die Blicke auf sich zieht wie in früheren Zeiten sein Vorgänger E-Type.

Jaguar F-Type R Cabrio AWD in 4,1 Sekunden auf 100

Bis 300 km/h schafft der Jaguar F-Type R Cabrio AWD
Bis 300 km/h schafft der Jaguar F-Type R Cabrio AWD © Jaguar

Aber auch die beiden Insassen selbst kommen aus dem Staunen nicht heraus, denn die mittlerweile 14. und höchste Variante des Sportwagens bietet Faszination pur. 4,1 Sekunden dauert es bis Tempo 100 und auf freien Strecken auf dem östlichen Berliner Autobahnring gelingt auf freier Strecke auch der Eintritt in den 300er Club, begleitet von mörderischen 680 Newtonmetern, die bei 3500 Umdrehungen anliegen.

Doch die Hochgeschwindigkeitsfahrt setzt nicht immer nur Glücksgefühle frei. Sehr viele „vorausschauende Bürger“ sorgen sich um das Wohl des Fahrers des Jaguar F-Type R Cabrio AWD und platzieren ihr Fahrzeug kurzerhand – egal ob mit oder ohne zu blinken – auf der linken Autobahnspur. Doch die 9200 Euro teure Karbon-Keramik-Bremsanlage ist jeden Cent wert. Verbunden mit dem Allrad-System bremst der 4,47 Meter lange Sportler, der aufgrund der lang gezogenen Motorhaube viel länger wirkt, auch in hohen Geschwindigkeiten sicher und besonnen ab. Zudem helfen diverse Sicherheitssysteme vor einem möglichen Aufprall.

Gemütliches Cruisen mit 170 km/h

143.760 Euro kostet der gut ausgestattete Testwagen
143.760 Euro kostet der gut ausgestattete Testwagen © Jaguar

Doch auch im niedrigeren Geschwindigkeitsbereich auf den rechten Spuren bereitet das Cruisen um die 160/170 km/h Freude, da auch dann immer noch die geballte Potenz des Achtzylinders wahrgenommen wird. Und überraschender Weise begegnet man auf diesen Spuren einige weitere Sportwagenfahrer, die wohl zuvor auch schon häufiger Kontakt mit den „besorgten Bürgern“ hatten. So mutiert man schnell zu „den Guten“.

Übrigens kommt bei dieser Fahrweise der tatsächliche Verbrauch dem angegebenen Verbrauch von 11,3 Litern entgegen. 11,7 Liter flossen zwischen Berlin und Dresden durch die Schläuche. Für die Fahrer, die mit mindestens 119.800 Euro für den Kauf eines F-Type AWD kalkulieren und dann 143.760 Euro für ein wie den Testwagen ausgestattetes Cabrio ausgeben, eine wahrscheinlich zu vernachlässigende Größe, obwohl auch im Sportwagenbereich die CO2-Grenzen die Ingenieure immer wieder vor neue Aufgaben stellen.

Neu gestaltetes Cockpit des Jaguar F-Type

In 15 Sekunden ist der Jaguar F-Type offen
In 15 Sekunden ist der Jaguar F-Type offen © Jaguar

Doch das langsamere Fahren verstärkt auch den Genuss und das nicht nur auf der Autobahn, sondern auch auf Landstraßen oder auch in der Stadt – jedenfalls wenn das Wetter sich noch von der besten Seite zeigt. Bis Tempo 50 lässt sich der F-Type innerhalb von 15 Sekunden in einen offenen Zweisitzer verwandeln und natürlich auch wieder schließen.

Das Kofferraumvolumen von lediglich knapp 200 Litern bleibt davon unberührt. Zwei Trolley passen hinein – genug für ein paar Tage Ausflug, die in dem edlen Cockpit natürlich genossen werden können. Einziger Wermutstropfen ist das etwas langsam agierende Navi der ansonsten schön und neu gestalteten Instrumente auf der Mittelkonsole. Und natürlich fehlen auch die ganzen Armaturen wie der Flammenwerfer, mit denen Agent 007 seine Gegner schachmatt setzt. Doch darüber kann der Fahrer des F-Type R Cabrio AWD nur müde lächeln: In der Realität fährt er den derzeitigen König von England.






Mehr zur Marke Jaguar

Comeback des Mittelklasse-KombisJaguar XF Sportbrake: Rückkehr des Lust-Lasters

Mit der Einführung der neuen Jaguar XF-Generation verschwand die Kombivariante von der Bildfläche. Jetzt holt der Sportbrake zum Comeback aus.


Sportwagen mit vier ZylindernJaguar vollzieht Downgrade beim F-Type

Jaguar schafft eine neue Basis für den F-Type. Rund 7000 Euro weniger müssen potenzielle Kunden weniger zahlen als bisher und erhalten dafür nur vier statt sechs Töpfe.


Reborn-ProgrammJaguar E-Type: Wiedergeburt des Klassikers

Freunde restaurierter Autoklassiker wird es freuen: Jaguar bietet für E-Types der Serie 1 ein Programm an, bei dem nach originalgetreuen Plänen der Oldtimer wieder auf Vordermann gebracht wird.



Mehr aus dem Ressort

BMW hat die Vierer-Baureihe dezent überarbeitet
Facelift der MittelklasseGelifteter 4er BMW: Schärfer in den Sommer

BMW hat die Vierer-Baureihe vier Jahre nach dem Marktstart überarbeitet. Während die Optik dezent verändert wurde, schärften die Ingenieure das Fahrwerk sehr viel spürbarer nach.


Der Seat Leon gibt sich sportlich und sparsam zugleich
Kompakter mit ZylinderabschaltungSeat Leon 1.4 TSI ACT: Streicheleinheiten für den spanischen Löwen

Der Seat Leon spendet als sportliche Alternative des VW Golf mit dem 1.4 TSI und Zylinderabschaltung eine Menge Fahrspaß. Die Farbe Lila ist dagegen im Vergleich zu früheren Botschaften verblasst - trotz edlem Auftritts.


Mercedes GLE Coupe neu Aufmacher AG/Mertens
Kein Auto für die StadtMercedes GLE Coupé: Ein großes Missverständnis

Es gibt Autos, mit denen wird man persönlich nicht warm. Man versucht es, man bemüht sich, doch letztlich scheitert man. Das kommt ziemlich selten vor, doch beim Mercedes GLE Coupé war das der Fall. Warum? Lesen Sie unseren Fahrbericht