13. März 2017

Fahrbericht Gene vom Mercedes GLA Infiniti QX30: Englischer Japaner mit Stuttgarter Herzen

Der Infiniti QX30 wird fast gänzlich außer Acht gelassen
Der Infiniti QX30 wird fast gänzlich außer Acht gelassen © AG/Flehmer

Der Infiniti QX30 führt in deutschen Landen ein bisher absolutes Nischendasein. Eigentlich schade, denn das Kompakt-SUV mit Mercedes-Genen hätte ein wenig mehr Aufmerksamkeit verdient.




Von Thomas Flehmer

Kooperationen sind in der Autobranche derzeit recht hip. Es muss ja nicht immer in einer Übernahme enden. Zumeist versprechen sich die Verantwortlichen zumindest eine Win-Win-Situation. Doch nicht immer läuft es so, wie es sich die Partner wünschen. Daimler und die Renault-Nissan-Allianz kooperieren seit Jahren miteinander und haben so schon gemeinsam den Smart/Twingo oder den Kangoo/Citan erfolgreich aus der Taufe gehoben.

Nicht ganz so viel Aufmerksamkeit hat bisher die Q30-Familie von Nissans Edel-Ableger Infiniti erhalten. Während das Basismodell Q30 von der A-Klasse die Gene erhalten hat, fußt der um zwei Zentimeter erhöhte und im englischen Nissan-Werk in Sunderland produzierte QX30 auf dem GLA, auch wenn das von außen nicht ganz sichtbar ist.


Kompakte Verhältnisse im Innenraum des Infiniti QX30

Recht gedrungen ist die Ansicht mit der für Infiniti typischen langen, gewölbten Motorhaube und der geschwungenen Seitenlinie. Am Heck durften sich die Japaner austoben – was scheinbar bei vielen asiatischen Modellen meist zur designerischen Abschlussfeier gerät.

Die Kompaktheit des QX30 macht sich auch im Innenraum bemerkbar. Während Fahrer und Beifahrer recht kommode Platzverhältnisse vorfinden, müssen sich die Personen in Reihe zwei etwas einschränken, allerdings ohne sich zu verrenken. 430 Liter Kofferraumvolumen sind dagegen für ein lediglich 4,25 Meter langes Fahrzeug kein schlechter Wert.

Schmale Sichtverhältnisse für den Fahrer

Mercedes lässt grüßen
Mercedes lässt grüßen © AG/Flehmer

Sollte der Fahrer ein ehemaliger Mercedes-Kunde gewesen sein, wird er sich im Infiniti sehr schnell zurecht finden. Hier wurden Instrumente und Anzeigen von Mercedes einfach übernommen und mit dem etwas altbackenen Infotainmentsystem, dafür mit grandioser Rückfahrkamera von Infiniti-Mutter Nissan kombiniert. Und die Kombination passt gut. Hinzu kommen Sitze in Nappaleder, die in Verbindung mit den hochwertigen Materialien den Premium-Eindruck verifizieren.

Angesichts der abfallenden Dachlinie bleibt für den Fahrer nach hinten nur ein kleiner Ausguck, doch der Totwinkel-Warner hilft. Auch Notbremsassistent, Spurhaltewarner und adaptiver Tempomat sowie ein gut funktionierender Fernlichtassistent verschaffen weitere Sicherheiten im QX30, der sich zudem wunderbar fahren lässt.

Entspannte Überlandfahrt mit dem Infiniti QX30

Der Infiniti QX30 gibt sich nicht übermäßig durstig
Der Infiniti QX30 gibt sich nicht übermäßig durstig © AG/Flehmer

Die Siebengang-Doppelkupplung übernimmt unauffällig die Arbeit, sodass der Fahrer nur noch die 350 Newtonmeter anschieben muss, um die insgesamt 170 PS locker zu machen. Dabei verharrt der 2,2 Liter große Diesel nächst ein wenig im Turboloch, um im kalten Zustand nagelnd vom Fleck zu kommen. Die kleine Behäbigkeit lässt im Stadtverkehr zunächst ein wenig an der Leistung zweifeln.

Ist das Aggregat auf Betriebstemperatur, sind die Motorengeräusche fast gänzlich verschwunden und tauchen auch nicht auf, wenn es in höheren Geschwindigkeiten auf lange Fahrt geht. Dank des guten Fahrwerks bügelt der Allradler die Unebenheiten des Asphalts aus und verschafft den Insassen eine entspannte Überfahrt, die bei Tempo 180 nicht in Stress ausartet. Bis immerhin 215 Km/h könnte der QX30 ziehen. Doch wer das SUV nicht ausfährt und auch die 8,5 Sekunden Sprintzeit nicht ständig bemüht, wird an der Tankstelle belohnt. 6,2 Liter hatte der Infiniti nach knapp 300 Kilometern auf der Uhr, was für den Alltag in der Stadt noch okay ist. Ebenso die 7,5 Liter für die auch flott gefahrenen Autobahnkilometer.

Infiniti QX30 mit bescheidenen Verkaufszahlen

Auch der Preis gestaltet sich angesichts des Premium-Angebotes recht fair. 38.600 Euro klingen zunächst viel für den Einstieg, doch gibt es das GLA-Derivat nur in der höchsten Ausstattung, womit sich der Preis auch im Vergleich zum Genspender relativiert, für den mindestens ein Tausender mehr gezahlt werden muss.

Doch noch hat das „Schnäppchen“ nicht gezündet. Während vom GLA in den ersten beiden Monaten des neuen Jahres über 2500 Einheiten verkauft wurden, musste sich der Infiniti mit gerade mal 22 Verkäufen des QX30 bescheiden. Immerhin können die 22 Kunden des Jahres 2017 die Win-Win-Situation genießen.






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