1. Dezember 2014

Fahrbericht Mit Benziner von Mercedes Infiniti Q50 2.0t: Liebe zum Detail

Infiniti bietet den Q50 nun auch als Benziner an.
Infiniti bietet den Q50 nun auch als Benziner an. © Infiniti

Der Infiniti Q50 muss sich gerade in Deutschland der heimischen Mittelklasse-Premiumkonkurrenz stellen. Dabei beweist der Japaner von Nissans Edel-Ableger durchaus Qualitäten.




Wer einen Infiniti fährt hat es gut, oder auch schlecht, je nach Blickwinkel. Denn er darf oder soll eigentlich ständig erklären, was für ein Auto er da gerade bewegt. Und muss Missverständnissen vorbeugen: „Sieht gut aus, ist das der neue Lexus“, fragte ein uns aufsuchender Handwerker im Vorbeigehen. Nein, ist es nicht, aber das Problem des Fahrzeugs hat der Kollege im Blaumann trotzdem intuitiv richtig erkannt. Denn ähnlich wie die Toyota-Premiumtochter Lexus hat auch die Nissan-Edelmarke Infiniti in Europa und speziell in Deutschland einen schweren Stand, zumal gerade mal fünf (!) Händler die Marke führen. Hierzulande regieren spätestens ab der Mittelklasse die deutschen Marken und zur Mittelklasse zählt unser Testwagen, der neue Infiniti Q50. Er tritt also gegen Ikonen wie den BMW 3er, den Audi A4 und die Mercedes C-Klasse an.


Gefällige Optik des Infiniti Q50

Optisch wirkt der Q50 durchaus gefällig, die Designer sind kein Risiko eingegangen und haben dem Blech den heute typischen Mix aus aggressiver Front und fließenden Seitenlinien verpasst. Nur das Heck, jenes Fahrzeugteil, an dem sich die Designer-Spreu vom -Weizen trennt, hinterlässt prompt die wenigsten Spuren im Tester-Gedächtnis.

Der Innenraum glänzt dagegen mit einer ausgeprägten Liebe zu Detail und allerbester Verarbeitung. Hier kann der Q50 am ehesten mit den deutschen Wettbewerbern mithalten oder sogar – Stichwort BMW-Innenraumqualität – in die Schranken weisen.

Forderndes Navi des Infiniti Q50

Zwei Bildschirme erleichtern die Fahrt im Infiniti Q50
Zwei Bildschirme erleichtern die Fahrt im Infiniti Q50 © Infiniti

Besonders gefallen haben uns die beiden untereinander angebrachten Bildschirme. Der obere zeigt die Karten des Navis an, auf das untere Display kann man sich alle anderen Infos laden, also etwa Telefonlisten oder die Übersicht der Radiostationen. Das ist im Alltag hilfreich, muss man das Navi-Bild doch nicht ständig wegdrücken, um an andere Infos zu kommen.

Apropos Navigation: Infiniti hat sich einen Platz auf der Liste der Systeme mit den skurrilsten Eigenheiten verdient. In diesem Fall geht es um die Spracheingabe, bei der die nette Frauenstimme uns zur Eingabe der vollständigen Adresse auffordert „mit Präfix und Sufix“. Sicher weiß der geneigte Leser ja noch aus grauer Schulzeit, was das bedeutet. Für die wenigen, die es nicht mehr hinkriegen: Es handelt sich hier um die grammatikalischen Begriffe für Vor- und Nachsilbe. Das hätten wir also geklärt.

Benzinmotor von Mercedes

© Infiniti

Unser Testfahrzeug war mit dem 2,0-Liter-Turbobenziner ausgerüstet, der erst seit einigen Wochen im Programm ist. Bisher waren nur ein Diesel mit 170 PS und die leistungsstarke, aber teure Hybridvariante (364 PS) im Angebot. Der Ottomotor wird zwar von Infiniti produziert, es handelt sich dabei aber um einen, etwa aus der C-Klasse, bekannten Mercedes-Motor. Im Q50 leistet er 211 PS und ist an ein sauber arbeitendes Siebengang-Automatikgetriebe gekoppelt. Die Fahrleistungen (7,2 s von 0 auf 100 km/h) sind überzeugend, und 350 Newtonmeter an maximalem Drehmoment ebenfalls. Im Schnitt brauchten wir 8,3 Liter, der Normwert liegt bei 6,5 davon. Ähnlich wie Lexus setzt aber auch Infiniti darauf, dem Fahrer diese Leistung möglich unauffällig und entspannt zur Verfügung zu stellen. Für Audi- oder BMW-Fahrer könnte das ein wenig irritierend sein.

Der Infiniti Q50 verfügt dafür über eine Weltneuheit, die bisher noch kein anderes Fahrzeug aufzuweisen hat. Erstmals ist das Lenkrad nicht mehr direkt mit den Rädern verbunden, die Lenkbefehle werden vielmehr elektronisch „by wire“ übertragen. Aber keine Angst: Das System ist nicht nur dreifach elektronisch gesichert, bei einem Ausfall koppelt sich die Lenkung automatisch wieder an ein mechanisches System. Was natürlich heißt, dass das gesamte Equipment einer normalen Lenkung mitgeschleppt werden muss. In Sachen Gewicht und Verbrauch ein Nachteil.

Infiniti Q50 als typischer Vertreter der japanischen Edelliga

Der Vorteil soll gerade in der Entkoppelung liegen, denn der Straßenzustand schlägt so nicht mehr auf das Lenkrad durch. Zudem kann man sich die Lenkung in vielen Stufen einstellen. Ganz ehrlich: Anders als andere Tester, haben wir in der straffsten Einstellung kaum den Unterschied zu einer normalen Lenkung gespürt. Andererseits: Ist dann der von Infiniti betriebene Aufwand überhaupt notwendig?

Unter dem Strich stellt sich der Q50 auch in der Version 2.0t als typischer Vertreter der japanischen Edelliga dar. Er ist top verarbeitet, offeriert einen vorzüglichen Innenraum (mit tollen Sitzen), bringt gute Fahrleistungen ist mit 39.260 Euro in der Premium-Variante etwas günstiger als ähnliche deutsche Wettbewerber, aber sein Design macht nicht wirklich an und er füllt als Auto eine Lücke, die man bisher noch gar nicht bemerkt hatte. (SP-X)






Mehr zur Marke Infiniti

Moderner Retro-RoadsterInfiniti elektrisiert Pebble Beach

Infiniti fährt auf dem Concours d’Elegance mit einem besonderen Rennwagen vor. Der Prototype 9 erinnert an die legendären Silberpfeile, ist aber mit einem modernen Antrieb ausgestattet.


Auch neuer Q50 in GenfInfiniti Projekt Black S: Formel 1 für die Straße

Infiniti verwandelt das Q60 Sportcoupé in einen Boliden für den Alltag. Die neue Modellfamilie bildet damit den oberen Leistungspunkt im Portfolio des Edel-Ablegers von Nissan.


Emanzipation vom DieselInfiniti setzt auf variable Verdichtung

Infiniti will die Verdichtung im Benzinmotor variabel einsetzen. Der VC-T könnte dann für jede Fahrsituation entweder Leistung oder Sparsamkeit abrufen und den Selbstzünder mittelfristig damit aus dem Programm werfen.



Mehr aus dem Ressort

Der VW Golf GTI TCR darf nur auf Rennkursen bewegt werden
Bei Seat gebautVW Golf GTI TCR: Nur für die Rennstrecke

65 Prozent aller Bauteile sind identisch mit einem normalen Serienmodell. Trotzdem darf der VW Golf GTI TCR nicht am Alltagsverkehr teilnehmen – und das ist auch gut so.


Porsche hat auch den Panamera Kombi hybridisiert
Turbo S E-Hybrid Sport Turismo mit 680 PSHybrider Porsche Panamera Kombi: Teilzeit-Stromer der Superlative

Porsche hat die Kombivariante des Panamera an den Stecker gepackt. Die hybride Zufuhr dient dem Turbo S E-Hybrid Sport Turismo dabei sowohl der Leistungssteigerung als auch der emissionsfreien Fahrt durch urbane Umweltzonen.


Japaner polarisiertHonda Civic Type R: Fast and Furios

Dieses Auto polarisiert: Die einen fahren auf das Design des Honda Civic Type R ab, für die anderen wirkt es schlicht prollig. Dabei hat der Japaner abseits seines Aussehen viele Stärken.