18. August 2015

Fahrbericht Geringes Interesse in Deutschland Honda CR-V: Auf Suche nach Anerkennung

Honda CR-V - in Deutschland ein Außenseiter.
Honda CR-V - in Deutschland ein Außenseiter. © Honda

Der Honda CR-V ist weltweit ein Erfolg. In Deutschland sieht das ganz anders aus – hier fristet er ein Schattendasein. Doch warum nur? Schließlich bringt er eine Vielzahl von Stärken mit sich.




Unter den Erfolgreichen ist er der erfolgreichste: der Honda CR-V war im vergangenen Jahr das meistverkaufte SUV der Welt. Hierzulande hingegen rangiert er genau am entgegengesetzten Ende der Neuzulassungsstatistik, empfindlich geschlagen von Wettbewerbern wie VW Tiguan, Ford Kuga oder Nissan Qashqai. Wie kann das sein?

Anders als viele Wettbewerber nimmt sich der Honda CR-V nicht das sportliche „S“, sondern das „U“ aus SUV zu Herzen. Prägendes Merkmal ist sein gigantischer Kofferraum mit der niedrigen und breiten Ladekante. Drei große Koffer, zwei Kinderfahrräder oder eine Sommerparty-Ausstattung an Bier und Grillkohle lassen sich dort ohne Rumräumerei unterbringen. Wer noch mehr Platz braucht, versenkt die Rücksitze im Boden und ist so sogar für den Großeinkauf im Selbstabholer-Möbelhaus gewappnet. Geräumig geht es auch im Passagierabteil zu, wo nicht nur Fahrer und Beifahrer kommod auf bequemen Sitzen Platz nehmen.


Verzicht auf übertriebene Härte

„Bequem“ ist auch das Stichwort, wenn das vergleichsweise lange (4,57 Meter) Kompakt-SUV sich in Bewegung setzt. Wo die Konkurrenz häufig versucht, ihre schweren Hochsitze mit starren Federn und rigiden Dämpfern zu Sportwagen zu dopen, verzichtet Honda auf übertriebene Fahrwerkshärte. Der CR-V bügelt weich über Unebenheiten, schwingt dabei zwar gelegentlich stark nach, wirkt aber immer ruhig und beherrschbar. Dass er Kurven eher behäbig nimmt, stört nicht. Wer zackig unterwegs sein will, findet im Angebot der Japaner sicherlich passendere Modelle.

Der Tacho im Honda CR-V
Der Tacho im Honda CR-V © Honda

Dabei ist der CR-V alles andere als untermotorisiert. 118 kW/160 PS leistet der neue, sehr kultivierte 1,6-Liter-Vierzylinderdiesel, kräftige 350 Nm schickt er an die Kurbelwelle. Die drücken den mehr als zwei Tonnen schweren Allrader auch noch mit voller Besatzung durchaus energisch nach vorn – jedenfalls, sobald der Zeiger des Drehzahlmessers die 2.000er-Marke passiert. Darunter herrscht eine leichte Anfahrschwäche. Wer richtig mit dem durchaus knackigen Sechsgang-Schaltgetriebe umgeht, hat den CR-V nach knapp zehn Sekunden auf Tempo 100, um sich dann bei Autobahn-Richtgeschwindigkeit mit ausreichenden Überhol-Reserven in den Verkehr einzufädeln. Wer es mit dem Gasgeben nicht übertreibt, hält die Verbrauchsanzeige dabei ohne weitere Sparanstrengungen auch im ordentlichen Sechseinhalb- bis Sieben-Liter-Bereich.

Einfachere Bedienung

Das Heck des Honda
Das Heck des Honda © Honda

Sucht man nach Fehlern beim CR-V, wird man am ehesten im (dafür hervorragend verarbeiteten) Cockpit fündig. Schon vor dem Facelift nervte dort die teilweise umständliche Bedienung. Dass nun auch noch ein neues Infotainment-System mit Handy-Einbindung dazu gekommen ist, macht die ganze Sache eher noch komplizierter. Zu kleine Icons auf dem Touchscreen und nicht immer intuitive Menü-Strukturen zählen genauso zu den Schwächen wie die Lautstärkenregelung über einen Drückschalter. Der übliche Drehknopf wäre hier praktischer gewesen.

Das - markentypisch – teils gewöhnungsbedürftige Bedienkonzept und andere Schwächen wie die schlechte Sicht beim Schulterblick allein reichen als Erklärung für den überschaubaren Erfolg des Weltbestsellers hierzulande aber kaum aus. Vielleicht liegt die maue Nachfrage eher am Preis. 23.490 Euro kostet bereits das mager ausgestattete Basismodell (114 kW/155 PS, Frontantrieb). Radio und Klimaanlage zählen nicht zum Umfang und lassen sich auch nicht nachbestellen. Ein reines Lockangebot. Möchte man einen Diesel (88 kW/120 PS, Frontantrieb) mit den wichtigsten Extras, werden bereits 26.655 Euro fällig. Der starke Diesel (118 kW/160 PS, Allradantrieb) schlägt mit mindestens 32.590 Euro ins Kontor. Wer ein solches Budget zur Verfügung hat, kann auch schon bei der imageträchtigeren deutschen Konkurrenz zuschlagen. Selbst ein Audi Q3 (2.0 TDI Quattro, 110 kW/150 PS, 33.950 Euro) ist da preislich nicht mehr weit entfernt. Direkte Konkurrenten wie Nissan Qashqai, Kia Sportage oder Hyundai Tucson gibt es hingegen schon für kleineres Geld.

Davon abgesehen ist der CR-V ein im Ganzen und im Detail gut gemachtes SUV. Wer die Fahrzeuggattung mag und keinen Wert auf künstliches Dynamik-Gehubere legt, wird hier optimal bedient. Das gilt vor allem für Kunden, bei denen ein großer und gut nutzbarer Laderaum neben einem kultivierten und sparsamen Diesel ganz oben auf der Wunschliste steht. (SP-X)






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