6. März 2009

Fahrbericht Ford Fiesta 1.6 TDCi Econetic Grünes Feigenblatt

Der Ford Fiesta Econetic
Der Ford Fiesta Econetic © Ford

Ähnlich wie VW mit seinem Bluemotion-Programm will Ford die Econetic-Modelle als marketingwirksame Sparmodelle positionieren. Die Hoffnungen ruhen auf dem Fiesta-Diesel.




Von Stefan Grundhoff

Zunächst einmal klingt ein Normverbrauch von 3,7 Litern Diesel auf 100 Kilometern eindrucksvoll. Doch im besonders preissensiblen Segment der Kleinwagen sind 15.000 Euro für einen allzu karg ausgestatteten Dreitürer eine stramme Ansage. Real sind es mit Radio und manueller Klimaanlage sogar 16.250 Euro, die ein Ford Fiesta Econetic mindestens kostet. Und ohne diese beiden Details dürfte wohl kein Fiesta die Kölner Produktionshallen verlassen.


Kleiner Krümelverbrauch

Da gerät ein Krümelverbrauch von versprochenen 3,7 Litern nicht nur angesichts der jährlich zu erwartenden Kleinwagenlaufleistung zur Nebensache. Insbesondere, weil Ford sich den blauen Econetic-Schriftzug inklusiv grünem Feigenblatt mit 250 Euro extra bezahlen lässt. Schließlich gibt es den normalen 90-PS-Diesel bereits für 14.750 Euro. Der ebenfalls neu eingeführte kleinere 75-PS-Diesel kostet im Vergleich als Trend-Version nochmals 500 Euro weniger.

Für den Econetic-Mehrpreis gibt es ein geändertes Motormanagement, ein tiefer gelegtes Sportfahrwerk, müde 14-Zoll-Stahlfelgen mit allzu dünnen 175er Reifen und eine Schaltpunktanzeige. Der Normverbrauch des normalen TDCi liegt mit 4,2 Litern Diesel pro 100 Kilometer einen halben Liter über dem der Sparversion. In der Realität lässt sich der Mehrpreis für den Econetic in dieser Fahrzeugklasse daher kaum herausfahren.

Angenehm leise

Leise Fahrten garantiert
Leise Fahrten garantiert © Foto: Ford

Am Steuer merkt der Pilot wenig von den Sparmaßnahmen der Kölner Triebwerksmeisterei. Der Motor läuft angenehm leise und zurückhaltend. Mit 66 kW / 90 PS ist mehr als genug Leistung für ein Fahrzeug dieser Liga vorhanden. Bleibt die Frage, ob es für ein echtes Öko-Modell wie den Fiesta Econetic nicht auch eine angepasste 75-PS-Version getan hätte. Die 185 Nm Drehmoment des 1,6 Liter großen Vierzylinders erlaubt jenes schaltfaule Fahren, das man für einen sparsamen Verbrauch benötigt. Früh hoch schalten ist Mittel zum Zweck und so überrascht es, dass die Schaltpunktanzeige im Vergleich zu anderen Herstellern ungewöhnlich spät den Hinweis zum Hochschalten gibt.

Überhaupt hat man sich eine Anzeige mit der richtigen Gangwahl bzw. zum herunterschalten bei dem kleinen Kölner schlicht gespart. Einzig ein grüner Pfeil im Cockpit zeigt dem Piloten, wann hoch zu schalten ist. Dabei hat Ford jedoch nicht den Fehler gemacht, den fünften Gang allzu lang und damit allzu müde auszulegen. Daran krankt es bei einigen anderen Öko-Versionen.

Knapp fünf Liter nötig

Angegebener Verbrauch in weiter Ferne
Angegebener Verbrauch in weiter Ferne © Foto: Ford

Bei den ersten Testfahrten lag der avisierte Durchschnittsverbrauch von deutlich unter vier Litern Diesel auf 100 Kilometern in weiter Ferne. Trotz überaus zurückhaltender Fahrweise wanderte der sinnigerweise nur optional erhältliche Bordcomputer mit Mühe knapp unter die Fünf-Liter-Marke. Kein Ruhmesblatt für einen Kleinwagen der Fiesta-Klasse. In diesen Regionen kann man mit vorsichtigem Gasfuß bereits ein Fahrzeug der Kompakt- oder gar Mittelklasse bewegen.

Den Spurt 0 auf 100 km/h schafft der Fiesta Econetic in 11,9 Sekunden; die Höchstgeschwindigkeit liegt bei 175 km/h. «Für das Jahr 2009 rechnen wir damit, insgesamt 4000 Fahrzeuge unserer Econetic-Serie, bestehend aus Fiesta, Focus und Mondeo absetzen zu können», so Jürgen Stackmann, bei Ford Geschäftsführer Marketing und Verkauf. Warten müssen die Kunden jedoch auf die Einführung einer Start-Stopp-Automatik bei den Econetic-Modellen. Diese dürfte frühestens zur IAA im Herbst vorgestellt werden.

Gewohnte Stärken

Plastikwelten im Innenraum
Plastikwelten im Innenraum © Foto: Ford

Das Fiesta-Fahrwerk zeigt sich in der gewohnten Ford-Stärke. Etwas breitere Reifen würden dem Econetlic-Modell jedoch nicht nur optisch gut tun. Der Innenraum zeigt sich angenehm dimensioniert und das Cockpit übersichtlich. Keine Augenweide sind jedoch große Teile der Kunststoffwelt, die gerade im unteren Teil des Armaturenbrettes und in der Mittelkonsole verbaut wurde. Das geht auch in einem Kleinwagen schmucker und weitaus hochwertiger. So muten Teile des Innenraums eher wie ein Gewerbemodell Marke Transit an. Zeitgemäß ist dagegen die Sicherheitsausstattung mit ESP, fünf Airbags und beheizbaren Außenspiegeln. Um einen ordentlich ausgestatteten Ford Fiesta 1.6 TDCi Econetic bewegen zu können, sollten es neben dem 1250 Euro teuren Klangpaket jedoch zumindest die Kopf-Schulter-Airbags (255 Euro) und die Nebelscheinwerfer (160 Euro) sein.

Dass bei einem Sparmodell wie dem Econetic der sinnvolle Bordcomputer mit 145 Euro extra bezahlt werden muss, mag dagegen ebenso wenig einleuchten wie der Aufpreis von 50 Euro für einen zweiten Funkschlüssel. In Sachen Navigation bietet Ford ebenso sinnvolle wie preiswerte Alternativen an. Praktisch ist die Halterung (ab 90 Euro) für ein mobiles Navigationssystem an der A-Säule sowie das Modul zur Mobiltelefon-Navigation für 185 Euro, die zusammen mit Novero entwickelt wurde. Hierbei greift der Fiesta via Bluetooth auf die Navigationssoftware eines Smartphones zu. Unter dem Strich ist der Ford Fiesta 1.6 TDCi Econetic ein richtig guter Kleinwagen. Zum echten Sparmobil taugt er jedoch nicht. Dafür ist der Kraftstoffknauser angesichts des Nutzerprofils zu teuer. So sind die meisten Kunden mit dem mindestens 12.750 Euro teuren Fiesta 1.2 Trend besser aufgehoben. Egal ob mit Flatrate oder ohne. Denn ein Erfolg ist er mit 20.000 seit Oktober verkauften Fahrzeugen allemal.






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