19. März 2015

Fahrbericht SUV mit bis zu 5,70 Metern Länge Cadillac Escalade: Der Schattenwerfer

Der Cadillac Escalade bringt es bis auf eine Länge von 5,70 Metern. Fotos ▶
Der Cadillac Escalade bringt es bis auf eine Länge von 5,70 Metern. © Cadillac

Der Cadillac Escalade ist das Schlachtschiff der SUV-Garde schlechthin. Auch in neuer Generation soll der Trumm wieder zum Bestseller der GM-Tochter avancieren – mit neuen Attitüden.




Von Thomas Flehmer

Schwarze Anzüge und Sonnenbrillen gehören nicht zur Serienausstattung. Den Cadillac Escalade kennt man als bevorzugtes Fahrzeug der Bodyguards des amerikanischen Präsidenten oder als Dienstwagen des Federal Bureau of Investigation (FBI). Wobei Dienstwagen ziemlich stark untertrieben ist. Denn das erneut gewachsene SUV stellt selbst Dickschiffe wie den VW Touareg oder einen Range Rover so deutlich in den Schatten, dass man meinen möchte, die Aushängeschilder aus Wolfsburg oder Großbritannien würden dem Segment der Kompakt-SUV angehören.


Cadillac Escalade bis zu 5,70 Meter lang

Dabei ist das amerikanische Modell gerade mal 18 Zentimeter länger als ein Range Rover. Doch das Gesamtpaket wirkt viel viel bulliger. Vor allem, wenn das mit 2200 Euro Aufpreis verhältnismäßig günstige ESV-Paket gewählt wird, das den Escalade um sagenhafte 50 Zentimeter auf 5,70 Meter verlängert. Dass die bullige Frontpartie durch ebenso bullige Scheinwerfer mit LED-Tagfahrlicht ebenso aus der Masse herausstechen wie die überdimensional langegezogenen Rückleuchten, wird dabei fast schon erwartet. Eigentlich würde der Name Titan zu dem Escalade besser passen, vor allem in der ESV-Variante.

Dann haben in dem Schlachtschiff bis zu acht Personen bequem Platz, die über elektrisch ausfahrende Trittbretter förmlich zum Einsteigen eingeladen werden. Die drei Insassen der dritten Reihe sollten allerdings eine Länge von unter 1,80 Metern aufweisen sollten, um auch längere Strecken zu überstehen.

Starke Innenraum-Aufwertung des Cadillac Escalade

Der Cadillac Escalade hat in der Wertigkeit stark aufgeholt
Der Cadillac Escalade hat in der Wertigkeit stark aufgeholt © Cadillac

Denn obwohl die drei Sitze sehr bequem ausgefallen sind und auch die bis zu drei Sitze der zweiten Reihe nach vorn verschoben werden dürfen, könnte es bei längeren Reisen doch etwas enger zugehen. Wenn beide Rückbänke umgelegt sind – per Knopfdruck elektrisch von der Kofferraumhaube aus – passen bis zu 3424 Liter Kofferraumvolumen hinter Fahrer und Beifahrer. An Verstaumöglichkeiten für die lange Reise mangelt es jedenfalls nicht.

Auch für den Reisekomfort ist gesorgt. Das Cue-Navigationssystem ist zwar etwas gewöhnungsbedürftig und nicht unbedingt intuitiv erklärbar, was Cadillac mit einem Update zum Jahresende verbessern möchte und zudem auf den Einsatz des in den USA erfolgreichen GM-Systems OnStar setzt. Hat man sich mit Cue derweilen angefreundet, verwandeln 16 Lautsprecher des serienmäßigen Bose-Surround-Sound-Systems den Cadillac in einen Konzertsaal. Die mitfahrenden Passagiere auf den hinteren Plätzen bekommen das eventuell gar nicht mit, weil sie sich über bis zu vier Monitore Blu-Ray-Filme über Kopfhörern anschauen und sich dabei wie im Kino fühlen können. Denn aus der Plastikwüste des Vorgängers ist ein mit Leder und wertigen Holzapplikationen stark aufgewerteter Innenraum geworden, der den Vergleich mit den deutschen Mitbewerbern im SUV-Segment (aufgrund der Größe unterhalb des Escalade) nicht scheuen muss.

Cadillac Escalade extrem leise

Bombastisch ist auch das Heck des Cadillac Escalade
Bombastisch ist auch das Heck des Cadillac Escalade © Cadillac

Sind die Schallquellen ausgeschaltet, absolviert der Escalade seinen Touren extrem leise. Man bekommt gar nicht, ob der Motor sich an der Ampel ausgeschaltet hat, so leise geht es voran. Übrigens schaltet sich der Motor nicht ab, da er über ein Stopp-Start-System ebenso wenig verfügt wie über Verkehrszeichenerkennung – hier besteht noch Nachholbedarf, den die Amis mit der neuen Motorengeneration aufgeholt haben möchten.

Auch die übrigen Fahrerassistenzsysteme haben lediglich warnenden Charakter und somit etwas Nachholbedarf gegenüber dem deutschen Standard in dieser Preisklasse. Nicht zu bemängeln ist der Fahrkomfort. Neben der guten Dämmung ist auch die Abstimmung des Fahrwerks gelungen. Das bekannt amerikanische Softe ist einem guten Kompromiss zwischen Straffheit und Komfort gewichen.

Schwergewicht Escalade überraschend behände

Der Cadillac Escalade lässt sich gut pilotieren
Der Cadillac Escalade lässt sich gut pilotieren © Cadillac

Der aus der Corvette bekannte 6,2 Liter V8-Benziner ist mit seinen 313 kW/426 PS sowie einem Drehmoment von 610 Newtonmetern bei 4100 Kurbelwellenumdrehungen eher der Beschleunigung geschuldet denn einer hohen Spitzengeschwindigkeit. Wer nach 6,7 oder 6,9 Sekunden mit dem Langhuber Tempo 100 erreicht kann anschließend den knapp 2,9 Tonnen schweren Escalade in Richtung Höchstgeschwindigkeit von 180 km/h austrudeln lassen.

Der Cadillac Escalade ist mehr als Cruiser denn als Sportler gedacht, obwohl er sich trotz des hohen Gewichtes recht behände pilotieren lässt. Durch Kurven und Kreisverkehr kommt das Dickschiff, das manuell auf Allradantrieb umgeschaltet werden kann, zügig heraus. Aber selbst dieser Hauch an Sportlichkeit kostet auch dem Normverbrauch – wie bei fast allen Autoherstellern – den letzten Funken Glaubwürdigkeit. 13,1 Liter benötigte der Escalade auf der Rolle des Neuen Europäischen Fahrzyklus (NEFZ). Die 18 Liter für den Stadtverkehr werden eher einen Vergleichswert abgeben.

Cadillac Escalade kostet mindestens 96.500 Euro

Doch bei einem Einstiegspreis von 96.500 Euro für ein fast schon komplett ausgestattetes Fahrzeug sind Tankquittungen für den 97 oder gar 117 Liter fassenden Tank wohl zumeist steuerlich absetzbar – bei der Platinum-Version, die als ESV-Modell ab 109.000 Euro zu haben ist wohl noch mehr. Ein Hybridmodell hatte schon beim Vorgänger keinen Platz und wird für den aktuellen Vertreter erst gar nicht mehr aufgeboten.

Dass der neue Cadillac über 16.000 Euro mehr als der Vorgänger kostet, ist den technischen Neuerungen und der luxuriöseren Ausstattung geschuldet. Dass in der kleinen Aufpreisliste dann 420 Euro für die elektrisch verstellbare zweite Rücksitzreihe auftauchen, grenzt an Irrwitz. Die begrenzte Anhängerschar stört das nicht. Die ersten 200 für dieses Jahr für Europa vorgesehenen Einheiten sind bereits verkauft. Und dabei müssen der schwarze Anzug und die Sonnenbrille weiterhin gesondert geordert werden.






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