23. September 2014

Fahrbericht Konkurrenz für Audi A5 und 4er BMW Cadillac ATS Coupé: Exot unter Exoten

Die Preise für das Cadillac ATS Coupé beginnen bei 39.600 Euro. Fotos ▶
Die Preise für das Cadillac ATS Coupé beginnen bei 39.600 Euro. © Cadillac

Mit dem Cadillac ATS Coupé wird Auffallen leicht gemacht. Der Zweitürer der Premium-Tochter von General Motors wird in Deutschland nur selten auftauchen – dabei erfüllt das Coupé gar nicht mehr die Vorurteile der frühen und noch früheren Vorgänger.




Von Thomas Flehmer

Thomas Sedran wird mit seiner Prognose Recht behalten. Der Europa-Präsident von Chevrolet und Cadillac hat angekündigt, dass das neue Cadillac ATS Coupé "neue und vor allem jüngere Kunden anziehen" werde, „allein schon wegen seines emotionalen Auftritts.“ Angesichts von gerade mal knapp 140 Cadillac-Verkäufen im vergangenen Jahr in Deutschland – die Hälfte davon gingen auf das SUV Escalade – ist die Ankündigung des ehemaligen Opel-Chefs aber auch keine allzu gewagte Prognose. Zu Gute gehalten muss der General-Motors-Tochter, dass sie erst seit kurzem erneut einen Anlauf in Europa startet und sich in der "alten Welt" ein Image aufbauen muss.


ATS Coupé mit neuem Cadillac-Logo

Denn die Marke ist natürlich bekannt, die Modelle eher nicht. ATS, CTS, SRX, XTS und Escalade heißen die Modelle und sind wohl nur den eingefleischten Autoliebhabern bekannt. Mit dem ATS Coupé reiht sich deshalb ein Exot ein, der selbst unter den Nobel-Japanern von Lexus oder Infiniti als Exot zu gelten scheint – was auch nicht die schlechteste Ausgangsvoraussetzung ist.

Denn das ATS Coupé präsentiert sich voll im traditionell kantigen Cadillac-Design – auch wenn das abgespeckte Firmenlogo erstmals von einem Caddi in der Öffentlichkeit getragen wird, bei dem nun der Lorbeerkranz fehlt. Die Front ist aggressiv gestaltet, die senkrecht angebrachten Tagfahrlichter tragen zum markanten Auftritt bei. Und auch das breite Heck verkündet traditionell Dominanz und gleicht fast exakt dem Hinterteil des CTS.

Smartphone wird im Cadillac ATS Coupé induktiv aufgeladen

Das Cockpit des Cadillac ATS Coupé verströmt Premium-Charakter
Das Cockpit des Cadillac ATS Coupé verströmt Premium-Charakter © Cadillac

Auch im Innenraum mit Teillederausstattung setzt sich der Premium-Charakter fort. Die Instrumente sind gut ablesbar, das Headup-Display darf dabei ebenso nicht fehlen wie das Multifunktionslenkrad und natürlich auch das weiterentwickelte Konnektivitätssystem Cue, mit dem die Smartphones nicht nur gekoppelt werden können.

Über Siri Eyes Free werden eingehende SMS-Nachrichten vorgelesen und das Mobilphone wird über den acht Zoll großen Touchscreen gesteuert – ebenso wie das Navi. Clou des weiterentwickelten Cue-Systems ist das Fach hinter dem aufklappbaren Touchscreen. Dort kann das Smartphone dank einer gummierten Powermat-Auflage über ein elektromagnetisches Feld induktiv aufgeladen werden.

Cadillac ATS Coupé hält autonom die Spur

Cadillac auf dem Weg zum autonomen Fahren
Cadillac auf dem Weg zum autonomen Fahren © Cadillac

Und mit dem adaptiven Geschwindigkeitsregelsystem sowie dem adaptiven Spurhalteassistenten läutet Cadillac auch schon die Zukunft des autonomen Fahrens ein. Auf der Autobahn verließ das 4,66 Meter lange Coupé nicht die Mittelspur, obwohl die Hände des Fahrers nicht auf dem Lenkrad lagen. Für Sicherheit ist also gesorgt, auch der Tot-Winkel-Warner erscheint auffällig im Seitenspiegel.

So können sich Fahrer und Beifahrer entspannt zurücklehnen und die Fahrt genießen. Anders sieht es bei den Personen auf den hinteren Sitzen aus. Bedingt durch lediglich zwei Türen ist Ein- und Ausstieg aber einem gewissen Alter nicht mehr leicht zu vollziehen und auch kleinere Personen stoßen mit dem Kopf an den Dachhimmel.

Lediglich ein Motor für Cadillac ATS Coupé zur Auswahl

© Cadillac

Dagegen ist bei einem Radstand von 2,78 Metern Beinfreiheit genug vorhanden. Die Enge – auch das Kofferraumvolumen beträgt gerade einmal kleinwagentaugliche 295 Liter – ist natürlich der Coupéform geschuldet und bereitet bei Modellen anderer Hersteller identische Probleme, sodass ein Coupé zumeist auf zwei Personen für die große Fahrt beschränkt bleibt.

Diese wird von einem zwei Liter großen Vierzylinder mit 203 kW/276 PS durchgeführt, dem einzigen zur Verfügung stehenden Aggregat. Keine Sechs- oder Achtzylinder im Angebot, die Vorurteile gegenüber Cadillac müssen begraben werden - und es sind nicht die einzigen. Denn auch beim Fahrkomfort hat Cadillac an den Stellschrauben gedreht. Ein schwammiges Lenkrad und ein ebenso schwammiges Fahrwerk sind nicht mehr an Bord. Im Gegenteil: Das ATS Coupé kann sogar durch Fahrmodi deutlich bemerkbar härter abgestimmt werden, um so auch enge Kurven zu meistern, wird dann noch Allrad- statt Hinterradantrieb geordert, ist das Glück perfekt.

Cadillac ATS Coupé ab 39.600 Euro

Angetrieben von 400 Newtonmetern und somit 47 Newtonmeter mehr als die ATS Sport-Limousine beherbergt, erreicht das Coupé bereits nach 6,2 Sekunden Tempo 100. Die Sechs-Stufen-Automatik arbeitet dabei wohltuend zurückhaltend und man verschwendet keine Gedanken an ein mögliches Doppelkupplungsgetriebe. In den Kurven agiert zudem nicht nur das Fahrwerk souverän, auch die Sitze sind gut konturiert und haben den früheren Sofa-Charme verloren. Und der Verbrauch von 8,3 Litern kann sich sehen lassen - vorbei sind die Zeiten mit höheren zweistelligen Verbräuchen, die Amerikaner haben das Coupé gut auf europäische Anforderungen eingestellt.

Weitere Attraktivität erhält das Coupé über den Preis. Bereits gut ausgestattet ist das ab sofort bestellbare und ab Oktober erhältliche ATS Coupé ab 39.600 greifbar – laut Cadillac rund 8500 Euro günstiger als die vergleichbaren deutschen Mitbewerber wie einem Audi A5 oder einem 4er BMW. Diese sind vielleicht noch einen Tacken wertiger aufgebaut, verfügen aber nicht über einen solchen Exotenstatus wie das ATS Coupé, das auf diese Weise neue Kunden gewinnen kann. Wie viele, darüber ist man sich bei Cadillac noch nicht im Klaren. Aber die Verantwortlichen rechnen mit einem größeren Auftragseingang ohne dabei in überbordende Phantasien zu verfallen.






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