27. März 2017

Fahrbericht SUV-Coupé mit 190 PS BMW X4: Herrlich polarisierend

Der BMW X4 - mit ihm fällt man auf. Fotos ▶
Der BMW X4 - mit ihm fällt man auf. © AG/Mertens

Braucht man SUV-Coupés wirklich? Klar, diese Frage stellen wir uns mit Blick auf den BMW X4 auch. Doch lässt man das Geschmäcklerische mal außen vor, dann kann man diesem Auto nach etlichen Testkilometern doch einiges Positives abgewinnen.




Von Frank Mertens

Die Frage hat man sich bereits beim BMW X6 gestellt: Wozu, bitteschön, braucht man so ein Auto? Doch die Absatzzahlen haben alle Kritiker dieses SUV-Coupés Lügen gestraft: Von dem Dickschiff unter den X-Modellen wurden weltweit im Vorjahr etwas mehr als 43.000 Einheiten abgesetzt. Dass sich dieses Auto mit Macho-Appeal und Fremdschäm-Image insbesondere in den USA am besten verkauft, überrascht nicht. Hier liebt mal halt richtig große Autos.

Kein Wunder also, dass BMW von diesem Erfolg beseelt im Jahr 2014 mit dem X4 ein weiteres SUV-Coupé auflegte. Es kam im Vorjahr weltweit auf etwas mehr als 58.000 Verkäufe, davon entfielen auf Deutschland 6391 Einheiten. Das sind Zahlen, bei denen man als Hersteller gelassen auf Kritik nach der Sinnhaftigkeit eines SUV-Coupés reagieren kann, auch deshalb, weil die Konkurrenz beflügelt vom Erfolg von BMW längst auch solche Autos anbietet.


Kompromisse im Fond

Doch was finden Kunden bloß an einem Auto wie dem X4? Erst einmal bietet er die gleichen Vorteile, die alle SUVs bieten: Man sitzt in ihm deutlich höher und fühlt sich schlichtweg sicherer. Gut, dass tut man auch in einem X3, das sogar noch günstiger. Während der eine auf einen Basispreis von 39.600 Euro kommt, sind es beim anderen 49.100 Euro. Also geht es insbesondere ums Äußere, weniger ums Praktische.

Übersichtlich - das Cockpit im X4
Übersichtlich - das Cockpit im X4 © AG/Mertens

Auch wenn man mit diesem von uns getesteten X4 xDrive 20d mit Achtstufenautomatik (ab 51.400 Euro) viel Auto durch die Gegend fährt, bietet das Coupé dann doch Nachteile bezüglich des Platzes. Aber Fahrer und Beifahrer dürfte es letztlich ziemlich egal sein, ob Mitreisende auf der Rückbank etwas unbequemer Platz nehmen können als im X3 und durch die abfallende Dachlinie als Großgewachsene sich doch etwas bedrängt fühlen. So weist der Fond des X4 eine Sitzhöhe von 95 Zentimetern auf, das sind 4,4 Zentimeter weniger als beim X3.

Vorn wird Fahrer und Beifahrer im X4 (Sitzhöhe 1015 mm/X3: 1033 mm) alles geboten, was sie sich erhoffen: Sie sitzen erhaben über dem Verkehr. Das Cockpit ist so positioniert, dass sich der Fahrer schnell zurecht findet und sich angesichts der Wertigkeit der Materialien schnell wohl fühlt. Aber bei einem Auto mit diesem Einstiegspreis kann man dies auch erwarten.

190 PS reichen für 1,8 Tonnen

Diese Seitenansicht muss man mögen
Diese Seitenansicht muss man mögen © AG/Mertens

Doch kommen wir zu den Fahreigenschaften des von uns getesteten Zweiliter-Vierzylinder-Diesels mit 190 PS mit einem Leergewicht von 1,8 Tonnen. Der Diesel verrichtet zwar sehr vernehmlich seine Arbeit, doch das stört nicht wirklich. Vielmehr erweist sich der X4 dank seines maximalen Drehmoments von 400 Nm als antrittsstarkes Aggregat.

Die tadellos arbeitende Achtgangautomatik stellt dieses Drehmoment übrigens zwischen 1750 und 2500 Umdrehungen in der Minute zur Verfügung. Den Sprint auf Tempo 100 legt der X4 in flotten acht Sekunden zurück. Die Höchstgeschwindigkeit endet bei völlig ausreichenden 212 km/h. Der Verbrauch wird nach dem NEFZ im Drittelmix übrigens mit 5,3 Litern angegeben, bei unseren Testfahrten lag er indes bei normaler Fahrweise bei 7,9 Litern, wobei wir unter den wählbaren Fahrmodi (Comfort, Sport, Sport+ und Eco Pro) uns für die Eco-Variante entschieden haben, die einen ökologisch korrekten Fahrstil durch einen Minderverbrauch belohnen soll. Angespornt wird der Fahrer dadurch, dass er die durch seinen umsichtigen Fahrstil eingesparten Kilometer im Display angezeigt bekommt. Doch sei es drum. Die reale Welt hat mit dem Rollenprüfstand halt nichts zu tun.

Er kann auch sportlich

Das Heck des X4
Das Heck des X4 © AG/Mertens

Wer Wert auf Sportlichkeit legt, dem wird dies durch den X4 nicht verwehrt. Mit ihm kann man es dank eines gut abgestimmten Fahrwerks und seines Allradantriebes in Kurven auch recht dynamisch angehen lassen. Das macht wirklich Spaß. Die Wankneigung ist trotz der hohen Karosserie nur gering. Natürlich ist der X4 mit allem ausgestattet, was das Fahren erleichtert. Das reicht von einem Head-up-Display (Aufpreis 1100 Euro), einem Parkassistenten (Aufpreis 350 Euro), der angesichts der schlechten Sicht nach hinten auch erforderlich ist, einem aktiven Spurwechselwarner (560 Euro) bis hin zu einer adaptiven Geschwindigkeitskontrolle (1620 Euro) für einen Geschwindigkeitsbereich von 30 bis 210 km/h mit Auffahrwarnung, die teilautonomes Fahrern ermöglicht. Das System funktioniert hervorragend und sorgt so für eine Entlastung des Fahrers. Im Berliner Stadtverkehr mit seinen ständigen Stop-and-Go-Phasen kann man so ziemlich relaxt unterwegs sein.

Am Ende der Testphase hat man sich dann doch ein wenig angefreundet mit diesem X4. Weniger wegen seines Aussehens, als vielmehr dank seiner überzeugenden Fahreigenschaften und Komfortfeatures. Jetzt stellt sich nur noch die Frage, ob dieser Umstand reicht, sich für den kleineren und hübscheren Bruder des X6 zu entscheiden? Aber diese Frage haben im Vorjahr– siehe oben – weltweit mehr als 58.000 Kunden mit Ja beantwortet. Sie haben sich für ein Auto entschieden, mit denen man auf jeden Fall polarisiert.






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