26. August 2014

Fahrbericht Streckenplanung per Smartphone BMW i3: Ohne Zittern bis zum Ziel

Der BMW i3 erreicht nach 7,2 Sekunden Tempo 100.
Der BMW i3 erreicht nach 7,2 Sekunden Tempo 100. © AG/Busse

Mit der Akzeptanz von Elektromobilen hapert es noch gewaltig in Deutschland. Wie BMW die abgasfreie Zukunft definiert, zeigt das Modell i3 – was es im Alltag kann, zeigt der Fahrbericht.




Von Axel F. Busse

"Neuzulassungen von Elektromobilen in Deutschland verdoppelt". Die Nachricht aus den Januar-Tagen dieses Jahres klingt erstmal gut. Genaueres Hinsehen offenbart, dass die E-Autos noch immer einen verschwindend geringen Anteil am gesamten Verkehrsaufkommen haben. Ungeachtet dessen, hält die Bundesregierung an dem Ziel von einer Million E-Autos bis 2020 fest. Die Bayerischen Motoren Werke haben ihr Angebot dazu in Form des Modells i3 gemacht. Es gibt ihn als reines Elektroauto und wahlweise mit einem die Reichweite verlängernden Zweizylinder-Verbrennungsmotor. Ohne Netz und doppelten Boden, vor allem aber ohne Notstrom-Aggregat ging es auf diese einwöchige Test-Tour. So viel sei verraten: Ohne das Zittern vorm Liegenbleiben und abgasfrei entspannt kann man mit dem Auto viel Spaß und gute Laune erleben – nur für die Urlaubsfahrt ist ein konventioneller Antrieb dann doch besser geeignet.


BMW i3 unkonventionell gestaltet

Anderssein ist Programm beim i3 und deshalb ist er außen wie innen unkonventionell gestaltet. Weil er genauso hoch wie seine Spur breit ist (inklusive der Antennenfinne auf dem Dach sogar noch etwas höher), wirkt er sehr kompakt und wendig. Letzteres ist er wirklich, denn auf seinen schmalen Reifen braucht er nur einen Radius von weniger als fünf Metern, um eine 180-Grad-Wende zu vollführen. Außerdem ist die Karosserie dank der großen Fenster sehr übersichtlich, Rangieren und Parken ein Kinderspiel, selbst wenn man keine Rückfahrkamera hat, wie der Testwagen.

Bei aller Innovationskraft, die in dem Auto steckt, ist es nur verwunderlich, dass man das Dach nicht gleich noch mit Solarzellen bestückt hat. Der dort erzeugte Strom könnte für Lüftung, Unterhaltung oder Navigation genutzt werden. Zu den auffälligsten äußeren Merkmalen gehören die schmalen Reifen im Format 155/70 R 19. Durch die geringe Aufstandsfläche haben sie nur wenig Rollwiderstand, was wiederum Energie spart. Für 890 Euro extra kann man sich LED-Scheinwerfer bestellen. Deren geringerer Stromverbrauch macht sich nach Aussagen von BMW aber nicht in zusätzlicher Reichweite bemerkbar.

BMW i3 mit innovativem Türkonzept

Die Karosserie des BMW i3 ist aus Kohlefaser
Die Karosserie des BMW i3 ist aus Kohlefaser © AG/Busse

Innovativ wie der Antrieb ist auch das Türkonzept: Zwei gegenläufig öffnenden Klappen ermöglichen den Zustieg auf die hintere Sitzreihe. Der vordere Wagenschlag überlappt den hinteren, so dass dieser nicht separat geöffnet werden kann. Für die Praxis hat diese Tatsache aber den Nachteil, wenn man häufiger zu dritt oder viert unterwegs sein will. Hinten sitzt man bequem und noch etwas höher als die vorderen Passagiere, die niedrige Fensterkante trägt zum üppigen Raumgefühl bei. Die B-Säule ist Teil der hinteren Tür, in ihr ist auch der Mechanismus für die vorderen Sicherheitsgurte untergebracht.

Die Sitzposition ist angenehm hoch, bedingt durch die im Fahrzeugboden lagernde Batterie. Sie nimmt fast den gesamten Platz zwischen den Achsen ein, 2,57 Meter beträgt der Radstand. Der allein 230 kg schwere Akku sorgt dafür, dass trotz der Fahrzeughöhe von knapp 1,58 Metern der Schwerpunkt niedrig liegt. Und der ist einem dynamischen Fahrgefühl bekanntlich sehr förderlich. Die Karosserie aus Kohlefaser ist dafür verantwortlich, dass das Gesamtgewicht 1200 Kilogramm nicht überschreitet.

50.000 Euro sind beim BMW i3 schnell erreicht

Futuristische Atmosphäre im BMW i3
Futuristische Atmosphäre im BMW i3 © BMW

Mit 80 Zentimetern ist die Ladekante zum Gepäckraum recht hoch. Durch Umlegen der Rücksitze ist eine ebene Ladefläche herstell- und ein Volumen von 1100 Litern nutzbar. Der große, frei stehende Monitor in der Mitte des Armaturenbretts sowie der kleine hinter dem Lenkrad sorgen für eine futuristische Atmosphäre im Cockpit. Ein ergonomisch geformter Drehschalter an der Lenksäule ersetzt den Ganghebel. Gewöhnungsbedürftig ist nur, dass er nach einer anderen Logik funktioniert, als der Hebel einer Getriebeautomatik. Während man dort den Hebel zurückzieht, um vorwärts zu fahren, legt man bei i3 durchs Nach-Vorn-Drücken den Vorwärtsgang ein. Das Harman-Kardon-Lautsprecher-System kostet zwar stolze 800 Euro extra, verwöhnt aber durch einen wirklich konzertanten Sound. Aus dem für 34.950 Euro angebotenen Basis-Fahrzeug einen 50.000-Euro-Luxusschlitten zu machen, ist im Übrigen kein Problem – wie der Testwagen eindrucksvoll bewies.

Mit zartem Pfeifen setzt sich der i3 in Bewegung und man lernt diese Geräuschkulisse sehr schnell zu schätzen. Es passt nämlich ausgezeichnet zu der Agilität, mit der es voran geht. Auch wenn man bald einsieht, aus Gründen der Stromersparnis lieber darauf zu verzichten, ist die Beschleunigung enorm und soll laut Hersteller bei 7,2 Sekunden von Null auf Hundert liegen. Gefühlt sind es unter fünf Sekunden. Auch ohne Ampel-Duelle kommt der Spaß nicht zu kurz, denn im Nu gewöhnt man sich einen auf die Besonderheiten des Autos zugeschnittenen Fahrstil an.

Bremse kommt beim BMW i3 kaum zum Einsatz

Hart gefedert ist der BMW i3
Hart gefedert ist der BMW i3 © AG/Busse

Ist man gelassen und vorausschauend unterwegs, kommt die Bremse kaum noch zum Einsatz. Natürlich wird der Schubbetrieb beim Loslassen des Fahrpedals zur Rekuperation genutzt. Da die Verzögerungsrate unabhängig von der Rollgeschwindigkeit 0,16 g beträgt, kann man damit das Fahrzeug sogar bis zum Stillstand "abbremsen". Um den nachfolgenden Verkehr nicht zu irritieren, ist jedes Mal das Bremslicht aktiviert, wenn kinetische Energie wieder der Batterie zugeführt wird. Zusätzliche Reichweite ist also der Lohn für eine unaggressive Fahrweise. Obwohl viel Luft und Gummi zwischen Felge und Fahrbahn ist, gehört der Abrollkomfort zur eher robusten Sorte. Besonders auf reparaturbedürftigen Straßen oder gar Kopfsteinpflaster geht es mitunter so holperig zu, dass man sich eine frisch geteerte Asphaltdecke herbei wünscht.

Käufer eines i3 werden sich wohl zumeist eine Wallbox zum Laden am Abstellplatz des Fahrzeugs installieren lassen. Die Schnelllade-Funktion kann man sich als Sonderausstattung für 1590 Euro bestellen. Da im vorliegenden Fall nur eine temporäre Nutzung stattfand, war das erste Utensil für den 260 Liter großen Gepäckraum ein 20-Meter-Verlängerungskabel. Zugegeben, etwas umständlich ist es schon, aber damit bewiesen, dass sich auch aus einer Etagenwohnung heraus ein i3 unter Strom halten lässt. Das Auffüllen der Batterie an öffentlichen Ladesäulen erwies sich – zumindest in Berlin – als nicht unproblematisch.

Laden des BMW i3 nicht ohne Probleme

BMW plant eigenes Ladesäulen-Netz
BMW plant eigenes Ladesäulen-Netz © AG/Busse

Entweder waren die Steckbuchsen schon durch andere Fahrzeuge belegt oder es handelte sich um Säulen lokaler Energieversorger, auf die nur mittels Kundenkarte zugegriffen werden kann. Angesichts von 30 Kilometern Restreichweite erschien es deshalb sinnvoll, die Suche nach weiteren Möglichkeiten einzustellen und daheim das gute alte Verlängerungskabel wieder in Betrieb zu nehmen. Damit es künftige Kunden einfacher haben, arbeitet BMW am Aufbau eines eigenen Ladesäulen-Netzes. 2500 sollen es im Endausbau bundesweit einmal werden.

Der Hersteller gibt für das Fahren im Comfort-Fahrmodus eine die Reichweite von 130 – 160 Kilometern an. Mit der Energie aus der Haushaltssteckdose war die Reichweitenanzeige während dieses Testes leider nicht über 125 Kilometer Aktionsradius zu bringen. Doch auch das ist immer noch das Dreifache dessen, was der Durchschnittsautofahrer pro Tag zurücklegt. Bei der Streckenplanung für den nächsten Tag hilft das Smartphone: Dort sind über eine entsprechende App Ladezustand und andere Statusdaten abrufbar. Das Connected-Drive-Servicepaket kostet 670 Euro extra. Der Bordcomputer errechnete während der einwöchigen Nutzung einen Durchschnittsverbrauch von 14 kW/h je 100 Kilometer und damit rund eine Kilowattstunde mehr, als der Hersteller angibt. Bei einem angenommenen Preis von 25 Cent je kWh kostete die Normdistanz also 3,50 Euro. Dafür sind an der Tankstelle gegenwärtig etwa zwei Liter hochoktaniges Benzin zu bekommen – mehr nicht.

Anders fahren? Mit dem BMW i3 geht’s! Vier Personen und Handgepäck sind damit flott und kostengünstig unterwegs, das Auto ist praktisch und leicht zu handhaben, vor allem dann, wenn man auf die 30-minütige Schnellladung mit 50 kW zurückgreifen kann. Ohne eigene Strom-Säule ist der Betrieb manchmal mühsam, doch das Gefühl, mit einem echten Zukunftsauto unterwegs zu sein, kann für vieles entschädigen. Der i3 könnte der ideale Zweitwagen sein – wäre er dafür nicht ein bisschen teuer.






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