28. April 2017

Fahrbericht Facelift der Mittelklasse Gelifteter 4er BMW: Schärfer in den Sommer

BMW hat die Vierer-Baureihe dezent überarbeitet
BMW hat die Vierer-Baureihe dezent überarbeitet © BMW

BMW hat die Vierer-Baureihe vier Jahre nach dem Marktstart überarbeitet. Während die Optik dezent verändert wurde, schärften die Ingenieure das Fahrwerk sehr viel spürbarer nach.




Von Axel F. Busse

Seit im Herbst 2013 aus dem 3er-Coupé die 4er-Serie von BMW wurde, haben sich die Kunden schnell mit der neuen Ziffern-Ordnung des bayerischen Herstellers angefreundet. Mehr als 400.000 Exemplare wurden von Zweitürer, Cabrio und Gran Coupé abgesetzt. Nun ist Zeit für eine Renovierung.

Die ausschließlich an deutschen Standorten gefertigte Baureihe steht in besonderer Weise für die dynamischen Qualitäten der Marke, weshalb man sich bei der Überarbeitung in erster Linie des Fahrwerks und der Motoren annahm. Die optischen Neuerungen halten sich wie bei vielen Facelifts in Grenzen. Auf der Straße wird man die aktuellsten Vertreter der Modellfamilie an neu gestalteten LED-Hauptscheinwerfern erkennen, die das bisherige Bi-Xenonlicht ablösen. Auch die Rückleuchten sind nunmehr in LED-Technik ausgeführt, ebenso die Nebelscheinwerfer. Überarbeitete Lufteinlässe und die neue Heckschürze setzen zusätzliche Akzente.





Lupenfunktion für Tacho und Drehzahlmesser

Das hochwertig und funktional gestaltete Cockpit erhält seine Neuerungen in erster Linie in kostenpflichtigen Optionen. Zum Beispiel bietet das Navigationssystem Professional eine bedienfreundliche Benutzeroberfläche mit großen Bedienfeldern in Kacheloptik auf dem senkrecht stehenden Touchscreen. Diese können frei angeordnet werden und zeigen die Inhalte der dahinter liegenden Menüs an. Das soll dem Nutzer eine noch intuitivere Handhabung ermöglichen.

Ebenfalls optional kommt bei der BMW 4er-Reihe das multifunktionale Instrumentendisplay zum Einsatz. Es zeichnet sich nicht nur durch unterschiedliche Darstellungsmöglichkeiten abhängig vom gewählten Fahrmodus aus, sondern auch durch eine Lupenfunktion für Tacho und Drehzahlmesser. Dadurch ist die jeweils geltende Ziffer optisch hervorgehoben, während die benachbarten Zahlen matter erscheinen.

Bekanntes Motorenprogramm

Doppelte Ziernähte prägen nun den Innenraum des 4ers
Doppelte Ziernähte prägen nun den Innenraum des 4ers © BMW

Drei Benzin- und drei Dieselvarianten bilden das Spektrum der verfügbaren Antriebe. Alle Motoren verfügen über die aktuelle Turbo-Technologie nebst Direkteinspritzung. Die Ottomotoren bilden ein Leistungsspektrum von 184 bis 326 PS und die Selbstzünder eine Banddbreite von 190 bis 313 PS ab. Nur das Gran Coupé ist als Modell 418d zusätzlich mit einem 150 PS-Diesel lieferbar. Für zwölf der insgesamt 31 verschiedenen Modellvarianten können die Kunden optional den Allradantrieb xDrive bestellen, nur der Topdiesel hat in Verbindung mit allen Karosserie-Ausführungen den Allradantrieb serienmäßig.

Bei den zwei- und viertürigen Coupés sah der Hersteller das größte Potenzial für eine Schärfung der Fahrdynamik. Der Fahrzeugschwerpunkt des Zweitürers sank gegenüber dem Vorgängermodell um stolze 40 Millimeter, womit es bereits den hauseigenen Motorsport-Fahrzeugen Konkurrenz machen dürfte. Eine breitere Spur gegenüber der 3er-Limousine, eine straffere Abstimmung, Eingriffe an Dämpfern und Lenkung versprechen einen spürbaren Dynamikgewinn. Auch wenn die vorherrschende Meinung davon ausgeht, dass schon der Vorgänger in diesem Bereich keine Defizite aufwies, so dürfte ein direkter Vergleich den Nutzen der Maßnahmen unterstreichen.

BMW 4er Cabrio eher zum Cruisen

BMW hat auch das 4er Cabrio geliftet
BMW hat auch das 4er Cabrio geliftet © BMW

In den USA, in Großbritannien und Deutschland hat der 4er seine Hauptmärkte, wobei in Europa das Nachfrage-Pendel zugunsten der Diesel ausschlägt. Ihre Fähigkeiten waren bei der Präsentation allerdings nicht zu prüfen, da ausschließlich Benziner für Fahrtests zur Verfügung standen. Das 4er Cabrio ist seinem Charakter nach eher ein Cruiser, weshalb man bei BMW der Ansicht war, das Fahrwerk in der bekannten Abstimmung zu belassen. Im Unterschied zum 2er- oder 6er-Cabrio bedient sich der 4er nicht eines Stoffverdecks, sondern
eines mehrteiligen Metall-Klappdachs.

Das hat Folgen: So ist die Verdeckkonstruktion bei den solchen Klappdächern insgesamt viel schwerer als bei Stoffhauben. Beim 4er Cabrio sind es alles in allem 230 Kilogramm. Das ist die Größenordnung eines V8-Motors. Werden sie vom Schwerpunkt des Autos weg bewegt, kann die Fahrstabilität leiden. Bedingt durch das Gewicht sind auch die Verwindungsreaktionen der Dachteile und der sie haltenden Mechanik größer, wenn das Fahrzeug über holperiges Pflaster gleitet oder eine geneigte Piste hinauf oder hinunter muss. Um bewegungsbedingte Fehlfunktionen ausschließen zu können, hat BMW die maximale Fahrgeschwindigkeit, bei der das Dach geöffnet oder geschlossen werden kann, auf 18 km/h begrenzt. Das ist zwar kaum mehr als ein gut trainierter Jogger erreicht, aber um etliches besser, als stoppen zu müssen, wenn das Dach zu bewegt werden soll.

4er BMW ab knapp 40.000 Euro

Mehr als 50 Prozent entscheiden sich für das Gran Coupé des Vierers
Mehr als 50 Prozent entscheiden sich für das Gran Coupé des Vierers © BMW

Auf rund 120 Testkilometern offenbarte das Cabrio unkomplizierte Fahr- und Handlingeigenschaften. Die Lenkung bietet gute Rückmeldung, ist griffig und präzise. Das Modell 430i ist mit seinen rund 1800 Kilogramm zwar alles andere als ein Leichtgewicht, jedoch verleihen 252 PS und 350 Newtonmeter Drehmoment dem Wagen genügend Temperament für souveräne Spurts, sollten sie einmal nötig sein. Positiv fiel auf, dass Seitenscheiben und Windschott den Innenraum so gut gegen Zugluft abschirmen, so dass auch bei Tempo 160 entspannt und ausgedehnt offen gefahren werden kann. Freiluft-Fans müssen sich jedoch darauf einstellen, dass das Kofferraumvolumen von nominal 370 Litern bei versenktem Dach auf den Raum für zwei Bordtrolleys reduziert wird,

Der zweite unvermeidliche Nebeneffekt des Offenfahrens ist die Verschlechterung des Luftwiderstands. Er erhöht sich bekanntlich proportional zur gefahrenen Geschwindigkeit und so ist es kein Wunder, dass der auf dem Rollenprüfstand ermittelte Kombi-Wert von rund sieben Litern sich gen Ende der Testfahrt einer „zehn“ näherte. Das preisgünstigste Modell der Baureihe ist das Coupé 420i, das 184 PS für 39.650 Euro bietet. Zwei Türen mehr liefert BMW praktisch gratis, denn das entsprechende Gran Coupé kostet den gleichen Preis. Wer ein Cabrio mit Einstiegsmotorisierung wählt, wird mit 46.800 Euro zur Kasse gebeten. Mit beweglichem Dach fährt auch der kostspieligste 4er vor: Seine 313 PS bringt das Modell 435d xDrive für 69.200 Euro an den Mann und die Frau.






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