26. Oktober 2015

Fahrbericht Sportlicher Familien-Van BMW 2er Active Tourer: Mit Tabubruch zum Erfolg

BMW hat beim 2er Active Tourer mit seiner Tradition gebrochen. Fotos ▶
BMW hat beim 2er Active Tourer mit seiner Tradition gebrochen. © BMW

Mit dem 2er Active Tourer hat BMW das Segment der Familien-Vans für sich entdeckt – und damit mit der Tradition des Heckantriebs gebrochen. Doch den Kunden interessiert das nicht, wie die Verkaufszahlen zeigen.




Von Frank Mertens

Es war bereits beim BMX X6 so: Als dieser Trumm von einem Auto 2008 vorgestellt wurde, war die Reaktion ziemlich niederschmetternd. „Wie könnt ihr nur so ein Auto bauen. Verkaufen wird es sich nicht.“ Doch die von so genannten Experten prognostizierte Erfolgslosigkeit – ich gestehe: ich habe auch über dieses Auto gelästert – ist nicht eingetreten. Ganz im Gegenteil: Das Coupé-SUV ist ein Verkaufsschlager geworden, der jetzt bereits in der zweiten Generation für volle Auftragsbücher bei den Münchnern sorgt.

Als der BMW 2er Active Tourer im vergangenen Jahr seinen Markstart feierte, das gleiche Bild. BMW würde mit seiner Tradition brechen, weil die Münchner ein Auto mit Frontantrieb anbieten – und dann sogar optional auch noch mit einem Dreizylinder. Mehr Tabubruch geht nicht. Doch auch beim 2er Active Tourer ticken die Kunden anders. Sie interessiert das Geschwätz von Journalisten wenig, wie die aktuellen Verkaufszahlen zeigen. So entfielen von den in den ersten neun Monaten des Jahren von den insgesamt 32.838 neu zugelassenen Fahrzeugen der 2er-Baureihe mit 20.213 Fahrzeugen fast zwei Drittel auf den Active Tourer. So sehen Erfolgsgeschichten aus.


Konkurrenz zur B-Klasse

Die Kunden suchen ein Auto mit einem hohen Nutzwert, eines, mit dem man nicht nur Spaß beim Autofahren haben kann, sondern das auch auf die Bedürfnisse der Familie passt. Halt so eines, wie den Active Tourer, den wir als 216d getestet haben. Damit bietet BMW erstmals auch einen Familien-Van an und tritt damit in Konkurrenz zu einer Mercedes B-Klasse oder auch eines VW Golf Sportsvan Seit diesem Jahr gibt es ihn seit Mitte Juni übrigens auch als Siebensitzer, dann wird aus dem Active ein Gran Tourer. Seither haben sich 3587 Kunden für einen Gran Tourer entschieden.

Doch bleiben wir bei unserem Testwagen, dem Active Tourer, dessen Dreizylindermotor es auf eine Leistung von 116 PS bringt. Das hört sich auf den ersten Blick überschaubar an – doch die Leistung reicht, um diesen 1,4 Tonnen schweren Familien-Van akzeptabel zu beschleunigen. So vergehen bis Tempo 100 nur 10,6 Sekunden, die Spitzengeschwindigkeit ist bei 185 km/h erreicht.

Mit seinem Drehmoment von 270 Nm sorgt dieser Diesel für einen kraftvollen Antrieb. Dabei passierte es während der Testfahrten bei nassen Straßen indes gelegentlich, dass die Räder beim Anfahren leicht durchdrehten – und das ohne Kavalierstart. Etwas Zurückhaltung beim Gas geben ist in Kombination mit dem manuellen Sechsganggetriebe also angesagt.

Ausgewogenes Fahrverhalten

Das Cockpit des Active Tourer
Das Cockpit des Active Tourer © BMW

Sieht man davon indes ab, gibt es nichts zu mäkeln. Das Fahrverhalten des Active Tourer ist ausgewogen. Das Fahrwerk bügelt Straßenunebenheiten souverän aus, wobei der Federungskomfort okay ist, wenngleich fast schon einen Hauch zu straff ausgefallen. Doch wirklich unangenehm ist das nicht. Die elektromechanische Lenkung verrichtet einen guten Job, vermittelt eine direkte Rückmeldung. Eine Neigung zum Untersteuern ist nicht feststellbar, sodass das Gros der Fahrer kaum merken dürften, dass sie ein Auto mit Vorderradantrieb haben, wenn man denn von den gelegentlich durchdrehenden Rädern beim Anfahren absieht (aber vielleicht liegt das ja auch nur am Fahrer). Über den Fahrerlebnisschalter an der Mittelkonsole kann man übrigens wählen, wie man gern mit dem Active Tourer unterwegs sein will. Sportlich, komfortabel oder ökologisch korrekt.

Wer beispielsweise auf den Ec Pro Modus stellt, kann im Idealfall bis zu 20 Prozent Sprit einsparen. Wer in diesem Fahrmodus unterwegs ist, kann im Cockpit zugleich ablesen, wie viele Kilometer er durch seinen umsichtigen Fahrstil herausgefahren hat. Im Drittelmix wird übrigens ein Verbrauch von 3,9 Litern auf 100 Kilometern versprochen. Doch vergessen sie diesen Wert – bei den Testfahrten lag der Durchschnittsverbrauch bei 5,9 Litern.

Edler Innenraum

Die Seitenlinie des 4,34 Meter langen Active Tourers
Die Seitenlinie des 4,34 Meter langen Active Tourers © BMW

Doch kommen wir zum Innenraum des Active Tourer: der recht edel daher kommt und Wohlfühlatmosphäre vermittelt. Doch das kann man von einem Auto auch erwarten, dessen Einstiegspreis bei selbstbewussten 27.400 Euro beginnt. Unser Testwagen beginnt bei 29.150 Euro. Wer Lust auf ein Automatikgetriebe hat, der hat dafür einen Aufpreis von 1950 Euro zu zahlen. Für Fahrer und Beifahrer gibt es ausreichend Platz, aber auch die Passagiere im Fond sitzen recht kommod und haben ausreichend Kopf- und Kniefreiheit, sodass sie auch längere Strecken entspannt hinter sich bringen können.

Im Kofferraum findet sich mindestens Platz für 486 Liter Gepäck. Ein anständiger Wert, der sogar noch gesteigert werden kann. Denn die Rückbank lässt sich um 13 Zentimeter in der Länge verstellen – was zusätzlichen Platz schafft. Richtig, das ist natürlich keine Serienausstattung. Dafür verlangt BMW 300 Euro Aufpreis, schön ziemlich frech. Unter dem Strich bietet BMW mit dem Active Tourer einen wirklich ansprechenden Familien-Van. Doch sein Preis ist gesalzen. Denn mit einigen Nettigkeiten aus dem Zubehörkatalog kommt man ganz locker auf einen Preis jenseits der 40.000 Euro – und das für ein Kompaktklassemodell.






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